Ein Aufkleber auf einem Feuerwehrauto: "Gewalt geht gar nicht".
Ob der Aufkleber hilft? Er klebt ganz klein an der Rückseite der Kösener Feuerwehrfahrzeuge. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

Burgenlandkreis Pöbeleien gegen ehrenamtliche Feuerwehrleute

Rettungskräfte berichten immer häufiger davon: Der Umgangston gegen sie wird rauer, Verständnis und Respekt lassen nach. Auch im beschaulichen Bad Kösen im Burgenlandkreis ist das so. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr versuchen sich das Phänomen zu erklären – und sich zu helfen.

Ein Aufkleber auf einem Feuerwehrauto: "Gewalt geht gar nicht".
Ob der Aufkleber hilft? Er klebt ganz klein an der Rückseite der Kösener Feuerwehrfahrzeuge. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

Die Bad Kösener Feuerwehrleute haben einen knallgelben Aufkleber auf ihren roten Feuerwehrwagen: "Gewalt geht gar nicht. Deine Feuerwehr". Rüdes Verhalten gegen Rettungskräfte ist längst auch im kleinen Bad Kösen im Burgenlandkreis angekommen – ein Phänomen, das es früher vor allem in Großstädten gab. Doch das hat sich geändert. Der Wehrleiter der Kösener Freiwilligen Feuerwehr sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Zeiten sind rauer geworden, hauptsächlich im Bereich Verkehrsunfälle".

Wehrleiter Gert Dachroth beobachtet, "dass Straßenabsperrungen nicht mehr hingenommen werden, sondern die Autofahrer krampfhaft versuchen, die Unfallstelle zu umfahren". Sie führen über den Randstreifen, schöben Kegel mit ihren Autos beiseite und würden sogar vor den Kameraden nicht Halt machen.

Sie gefährden damit auch unsere Einsatzkräfte, die dann manchmal auch noch zur Seite springen müssen.

Gert Dachroth Freiwillige Feuerwehr Bad Kösen

Freiwillig, unentgeltlich und oft gefährlich

Feuerwehr und Rettungskräfte stehen auf einer Landstraße und arbeiten an einer Unfallstelle.
Im Notfall erwartet jeder, dass ihm geholfen wird. Die Kameraden helfen gern, aber wollen etwas Respekt. Bildrechte: dpa

Bis zu drei oder vier Mal in einer Woche geht für die Kösener Feuerwehrleute der Alarm, dann heißt es: alles stehen und liegen lassen, um zu helfen – und das freiwillig, unentgeltlich und oft in Gefahrensituationen. Öfter gibt es nun Pöbeleien und Beschimpfungen als Dankeschön.

Woher der zunehmend mangelnde Respekt kommt, erklärt man sich in der Kösener Wache so: "Es hat sicherlich etwas mit der allgemeinen Aggressivität, die der Straßenverkehr mit sich bringt, zu tun. Aber warum die Leute nicht einfach ein bisschen relaxt sein können, alles muss 'schnell schnell' innerhalb von wenigen Minuten passieren, das kann man nicht nachvollziehen." 

Strafrecht verschärft: Haftstrafen möglich

Erst 2017 ist das Strafrecht für Angriffe gegen Einsatzkräfte verschärft worden, sogar Haftstrafen sind möglich. Dies müsse aber härter durchgesetzt werden, fordert die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft. Der Kösener Wehrleiter Gert Dachroth wünscht sich zu allererst die Einsicht, dass im Notfall geholfen werden muss – und denkt auch über Strafen nach. "Sicherlich müsste man überlegen, ob – wenn jemand eine Unfallstelle passiert, obwohl er es nicht darf – man dafür Punkte gibt oder bis zum Fahrverbot geht".

Denn erst das würde dem oder der Autofahrerin eventuell im Gedächtnis bleibt und zeigen, dass er oder sie einen Fehler gemacht hat. Mit ihren gelben Aufklebern auf den roten Feuerwehrfahrzeugen versuchen sie neben vielem guten Zureden nun etwas Verständnis zu bekommen. Die Aufkleber sind allerdings so klein, dass sie auch leicht übersehen werden können.

Spinde der Feuerwehr mit Feuerwehrkleidung.
129 Mal mussten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kösen im vergangenen Jahr ihre Sachen schnappen und zum Einsatz – zu Bränden, Sturmschäden oder Verkehrsunfällen im Burgenlandkreis. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. März 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2019, 12:18 Uhr

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13 Kommentare

18.03.2019 07:38 Steffen 13

Guten Morgen,
man könnte einen Abend füllen um die sinnfreien Kommentare mancher Mitmenschen auszuwerten.
Aber eines sei zumindest angemerkt:
Wir unterliegen in Sachsen-Anhalt einer ganzen Reihe von Gesetzen, Verordnung, Dienstvorschriften, ... an die wir uns halten müssen, und wer sich dafür interessiert kann sich sicher in seiner Feuerwehr beraten lassen.
Ps.: Zu "Auf zum letzten Gefecht!":
Sie vergleichen uns mit Bauarbeitern???
Na ich hoffe nicht dass sie mal in Not geraten und Ihre Feuerwehr erst Baustellenabsperrungen, Geschwindigkeitsreduzierungen und der gleichen mehr anbringt um ihre Einsatzstelle abzusichern. Sollte dies innerhalb der Hilfsfrist machbar sein, dann laden sie mich doch bitte zu ein, ich lerne gern dazu ;-).

17.03.2019 17:37 Sachse43 12

Bei manchen Kommentaren kommt mir die Galle hoch!
Leute, die nur sich selbst sehen, möchte ich einmal in einer Notlage erleben.
Ist dann bestimmt toll, wenn man Fotos von sich, benommen und blutig im Netz findet.
Mein Dank an die Kameraden!

17.03.2019 14:45 Auf zum letzten Gefecht! 11

@Tim K. 9

"wenn wir wegen einem Baum nur die Hälfte der Straße sperren ist die Gefahr durch gaffende und rücksichtslose Autofahrer sehr wohl gegeben. "

da können sie mal sehen wie es den Straßenbauarbeitern geht, den Wasserwerkern, ....