Blick auf einen Schaufelradbagger im Braunkohletagebau Schleenhain.
In Mitteldeutschland hängen tausende Arbeitsplätze an der Braunkohle-Industrie. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Hintergrund Der Braunkohle-Ausstieg und Sachsen-Anhalt

Wenn Braunkohle verbrannt wird, entsteht Energie – und klimaschädliches CO2. Daher ist der Braunkohle-Ausstieg geplant. Wie viele Jobs in Sachsen-Anhalt an der Kohle hängen und was die die sogenannte Kohlekommission macht, beantwortet MDR SACHSEN-ANHALT.

Blick auf einen Schaufelradbagger im Braunkohletagebau Schleenhain.
In Mitteldeutschland hängen tausende Arbeitsplätze an der Braunkohle-Industrie. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Was macht die Kohlekommission?

Die Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" – kurz Kohlekommission – soll bis Ende 2018 einen Plan erarbeiten, ab wann genau und in welchen Schritten in Deutschland auf Strom aus Kohle verzichtet werden kann. Außerdem soll ein Plan entwickelt werden, was mit den Menschen passiert, die derzeit im Bergbau arbeiten. Im Mitteldeutschen, Rheinischen und Lausitzer Revier sind nach Angaben des Bundeswirtschaftsministerium etwa 14.700 Menschen im Braunkohlenbergbau beschäftigt.

Die Bundesregierung hat die Kohlekommission im Juni 2018 eingesetzt. Die Kommission tagte im Juni zum ersten Mal in Berlin. Am Montag tagte von 9:30 bis 16:30 Uhr die Kommission nahe des Mitteldeutschen Reviers in Halle. Die nächste Sitzung soll im Lausitzer Revier stattfinden; daraufhin gibt es weitere Sitzungen in Berlin sowie im Rheinischen Revier.

Die Ex-Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, Matthias Platzeck (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU), der Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und die Professorin Barbara Praetorius stehen der Kommission vor. Weitere 24 Umwelt- und Wirtschaftsexperten sollen mit ihrer Stimme für breite Akzeptanz sorgen.

Wie viele Jobs hängen in Sachsen-Anhalt an der Braunkohle?

Sachsen-Anhalts Braunkohlereviere gehören zum Mitteldeutschen Revier, in dem seit dem 19. Jahrhundert Braunkohle abgebaut wird. Das Mitteldeutsche Revier umfasst neben Tagebauen vorrangig im Süden Sachsen-Anhalts auch Reviere in Sachsen sowie das Helmstedter Revier in Niedersachsen.

Es gibt unterschiedliche Zahlen dazu, wie viele Personen genau im Braunkohlensektor arbeiten. In einer Kurzstudie für die Bundestagsfraktion der Grünen hat das Beratungsunternehmen Arepo Consult die Arbeitsplätze in den Braunkohleregionen Deutschlands ermittelt. Der Studie zufolge hatten 2016 etwa 6.000 Menschen im Mitteldeutschen Revier – also in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen – eine Arbeit, die direkt oder indirekt mit der Braunkohle zusammenhängt.

Direkt im Braunkohlesektor arbeiten der Kurzstudie zufolge in Sachsen-Anhalt etwas mehr als 1.000 Personen: im Tagebau Profen 320, im Kohlekraftwerk Schkopau 370 und im Kohlechemie-Unternehmen Romonta im Landkreis Mansfeld-Südharz etwa 400 Mitarbeiter. Zu Arbeitsplätzen in Sachsen-Anhalt, die indirekt an der Braunkohle hängen, macht die Studie keine Angaben. Der Geschäftsführer des Landesverband für Erneuerbare Energie Sachsen-Anhalt, Jörg Dahlke, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass der Verband davon ausgehe, dass die Jobs von etwa 1.200 Beschäftigten in Sachsen-Anhalt indirekt mit der Braunkohle zusammenhingen.

Das Landeswirtschaftsministerium teilte dagegen mit, dass allein in Sachsen-Anhalt etwa 5.900 Menschen wegen der Braunkohle einen Job haben. Wie sich diese Zahl zusammensetzt, konnte das Ministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT nicht erläutern.

Die Mibrag-Gruppe mit Sitz in Zeitz im Burgenlandkreis beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 2.700 Mitarbeiter – allerdings nicht allein in Sachsen-Anhalt, sondern auch in Sachsen und Niedersachsen. Am Chemiestandort Schkopau im Saalekreis hingen weitere 3.200 Arbeitsplätze von der Braunkohle ab, so die Mibrag. Stand Januar 2016 waren 1.123 Arbeitsplätze der Mibrag in Sachsen-Anhalt angesiedelt, wie aus den Antworten auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervorgeht.

In welchen Wirtschaftszweigen könnten neue Arbeitsplätze entstehen?

Braunkohle-Experte Andreas Berkner vor der Silhouette von Halle
Andreas Berkner Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Kohlekommission will erst Ende Oktober erste Ergebnisse ihrer Beratungen veröffentlichen. Der Braunkohle-Experte Andreas Berkner nannte im Dezember 2017 im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT mögliche Wirtschaftszweige, die Arbeitsplätze in der Kohle ersetzen könnten. Dazu zählte der Leiter der Verbandsentwicklung beim Regionalen Planungsverband Leipzig-Westsachse den Tourismus, klassische Säulen wie die Chemieindustrie sowie neue Wirtschaftszweige wie die Logistikbranche um den Flughafen Leipzig-Halle.

Aber Berkner betonte: "Den einen großen Industriezweig, der alles rettet, wird es nicht geben." So werde etwa allein der Tourismus, der an den künstlichen Seen der Tagebaugebiete entstanden ist, die Braunkohle als Arbeitgeber nicht ersetzen können. Berkner sagte, Braunkohle solle die Zeit gegeben werden, sich als Brücke zu erneuerbaren Energien zu entwickeln.

Welche Investitionen sind in der Region schon gemacht worden?

Im April 2018 hat die Landesregierung grünes Licht für ein millionenschweres Forschungsprojekt im Chemiepark Leuna gegeben. Ziel des Projekts mit dem Namen "Carbontrans" ist es, aus Müll und Braunkohle einen neuen Stoff als Erdölersatz für die chemische Industrie zu gewinnen. 15 Millionen Euro sollen in das Vorhaben fließen. Andere Forschungsprojekte sollen Lösungen liefern, wie Braunkohle als heimischer Rohstoff genutzt werden könnte.

Um das Projekt umzusetzen, sind aber weitere 15 Millionen Euro vom Bund nötig. Darüber ist jedoch noch nicht entschieden worden. "Carbontrans" soll vom Fraunhofer-Institut in Halle betreut und entwickelt werden. Sollte das Projekt tatsächlich kommen, werden nach Ankündigung des Ministeriums auch mehrere Partner einbezogen, unter anderem die Mibrag. Die Planungen sollen bis 2021 abgeschlossen werden, ab 2022 könnte die Anlage gebaut werden.

Hohenmölsen im Burgenlandkreis hat im Juni zwei Förderbescheide des Landes für den Strukturwandel erhalten. Mit etwa 20 Millionen Euro soll die Verkehrsanbindung von Hohenmölsen verbessert werden. Die Stadt baut einen sieben Kilometer langen Autobahnzubringer zur A38, um die Situation für Pendler und Unternehmen zu verbessern. Ziel der Investition ist, das mitteldeutsche Revier als Industriestandort zu erhalten.

Weitere 7,2 Millionen Euro fließen in das Projekt "Innovationsregion Mitteldeutschland", das den Wandel der Wirtschaft in der Region nach dem Braunkohleausstieg vorbereiten soll. Dafür haben sich die Landkreise und kreisfreien Städte im Süden Sachsen-Anhalts und im Raum Leipzig zusammengeschlossen.

Welche Bedeutung hat Braunkohle in Deutschland?

Deutschland fördert laut Bundeswirtschaftsministerium weltweit die meiste Braunkohle. Braunkohle sei ein einheimischer Energierohstoff, der in ausreichender Menge vorhanden ist. In derzeit erschlossenen Tagebauen gibt es etwa fünf Milliarden Tonnen Braunkohlevorräte. 2017 wurden demnach etwa 171 Millionen Tonnen gefördert; diese Zahl ist in den vergangenen Jahren etwa konstant geblieben.

Strom aus Braunkohlekraftwerken hat 2017 etwa 23 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Deutschland ausgemacht.

Warum soll Braunkohle nicht mehr als Energiequelle genutzt werden?

onnenaufgang und Windräder am Kraftwerk Niederaussem.
Braunkohlekraftwerke stoßen viel Kohlenstoffdioxid aus. Bildrechte: IMAGO

Hintergrund des geplanten Braunkohleausstiegs sind Deutschlands Klimaschutzziele, die unter anderem im Klimaschutzplan 2050 beschlossen sind. Deutschland will bis 2050 treibhausgasneutral werden. Bis 2030 soll die Treibhausgasemission im Vergleich zu 1990 um mindestens 55 Prozent gesenkt werden, also von 1.248 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) auf etwa 550 Millionen Tonnen im Jahr 2030.

Wenn Braunkohle verbrannt wird, entsteht Kohlenstoffdioxid. Im Vergleich zu anderen Kraftwerken produzieren Braunkohlekraftwerke besonders viel Kohlenstoffdioxid: Braunkohlekraftwerke haben 2016 laut Umweltbundesamt etwa 153 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid ausgestoßen. Damit entfallen auf die Braunkohle etwa 50 Prozent aller CO2-Emissionen der deutschen Stromproduktion.

Hinzu kommt, dass bei der Verbrennung von Braunkohle nicht nur Kohlenstoffdioxid, sondern auch giftige Stoffe wie Quecksilber und Schwefel freigesetzt werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) weist zudem darauf hin, dass durch den Braunkohleabbau Ort- und Landschaften zerstört werden.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2018, 21:22 Uhr

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10 Kommentare

28.09.2018 10:04 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 10

@ 9: Zitat "das ist für mich das einzig wahre!"

Deswegen diskutierst Du hier - wie viele andere - nicht, sondern stellst Deinen Standpunkt dar und erklärst jeden zum Ahnungslosen oder Spinner, der eine andere Meinung hat.

Daß Dich Fakten nicht interessieren, wenn sie nicht von Dir dargelegt werden, ist schade.

Die Quelle zur Zusammensetzung, zur Beeinflußung durch die Natur und durch die Industrialisierung ist normalerweise schon der Chemie-Unterricht. Für die, die dort nicht so dolle aufgepaßt haben, gibt es nun im Internet verschiedenste Anlaufpunkte: einen habe ich Dir als Quelle genannt.

Darum nochmal:
Daß Dich Fakten nicht interessieren, wenn sie nicht von Dir dargelegt werden, ist schade und disqualifiziert Dich als mein"Gesprächspartner".

27.09.2018 14:10 Kritischer Bürger 9

@8: Fakten, die ich persönlich sehe, bei denen ich persönlich mitmache und daraus ich bei denen persönlich Schlussfolgerungen ziehen kann, das ist für mich das einzig wahre! Ob man da mit oder ohne Fakten was belegen will ist mir so etwas von egal solange nicht Quellen und Beweise vorliegen! Hatte ich aber schon mehr als zich Mal geschrieben!

27.09.2018 10:01 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 8

@ 7:
Der Unterschied zw. 'kritisch' und 'besorgt' ist "das Faktum": der eine arbeitet mit, der andere ohne.

Die Auswirkung der 'Industrialisierung' und in dem Sinne die der 'Verbrennung von fossilen Energieträgern im großen Maßstab' läßt sich wie in der #5 beschrieben nachlesen: um die 'gesunden' Verhältnisse der letzten 10.000 Jahre wieder zu erreichen, müßte man die letzten 150 Jahre 'emissionstechnisch' revidieren oder zumind. auf das Maß aus dieser Zeit zurückgehen - damals hatten wir nebenbei einen E-Mobil-Anteil von ca. 40%, aber das ist leider OT - wichtig ist das Stoppen der Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Und wenn man das aufgibt, kann man die Braunkohle auch gleich da liegen lassen, wo sie seit 100.000en Jahren - wenig störend - liegt.