Start am Dienstag Neuer Corona-Massentest bei Tönnies in Weißenfels

Im Tönnies-Werk in Weißenfels sollen nun alle Mitarbeiter auf das neuartige Coronavirus getestet werden. Hintergrund ist ein positiv getesteter Fall bei einem Werksvertragsarbeiter, der im Juni vor Schichtbeginn getestet worden war. Laut Gesundheitsamt im Burgenlandkreis konnten mögliche Kontaktpersonen nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Nun wurde ein erneuter Massentest angeordnet, einen ersten hatte es im Mai gegeben.

Schlachthof Tönnies und Wemhoff Transport in Weißenfels.
Das Tönnies-Werk in Weißenfels. Es ist der größte Schlachtbetrieb in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

In Weißenfels müssen alle Mitarbeiter des Tönnies-Schlachhofs auf Corona getestet werden. Das hat der Burgenlandkreis am Dienstagmorgen angeordnet. Die Testung soll bereits heute beginnen, das schließt alle Festangestellten, Werksvertragsarbeiter und Selbstständigen ein. Wie der Kreis weiter mitteilte, ist das Ziel, "ein Infektionsgeschehen im Schlachthof Weißenfels jedenfalls zum Stichtag der Testungen auszuschließen".

Hintergrund ist, dass am vergangenen Mittwoch ein Mitarbeiter vor Antritt seiner Schicht positiv auf das Sars-Cov-2-Virus getestet worden war. Dabei handelt es sich um einen Werkvertragsarbeiter. Nach Angaben des Kreises konnte das Gesundheitsamt mögliche Kontakte des Betroffenen nicht eindeutig klären. Nachfragen, um die mögliche weitere Infektionskette nachzuvollziehen, hätten "widersprüchliche Aussagen" erbracht. Deshalb geht Landrat Götz Ulrich davon aus, dass ein Infektionsgeschehen innerhalb des Schlachtbetriebs nicht zweifelsfrei auszuschließen ist.

Das Vorgehen ist mit dem Land abgestimmt. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte im Zuge der Landespressekonferenz am Dienstag, die Testung laufe generalstabsmäßig unter Beteiligung von Hilfs- und Ordnungskräften an. Auch mit Kanzlerin Angela Merkel habe er dazu telefoniert. Haseloff: "Ich bin froh, dass der Landrat das so konsequent und mit uns abgestimmt macht." Bewusst habe man das Vorhaben im Vorfeld nicht kommuniziert. "Wir wollten die Erfahrung aus Nordrhein-Westfalen vermeiden", sagte Haseloff und präzisierte dahingehend, dass sich aus der Belegschaft niemand der Testung entziehen solle.

Bundeswehr, Malteser Hilfsdienst und Johanniter helfen

Das Tönnies-Werk in Weißenfels, der größte Schlachtbetrieb Sachsen-Anhalts, hat rund 2.200 Mitarbeiter. Amtshilfe bei der Testung leistet der Sanitätsdienst der Bundeswehr. Auch der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter Unfallhilfe sollen helfen. Wie der Burgenlandkreis mitteilte, besteht die Aufforderung des Landratsamtes an das Unternehmen, regelmäßige Testreihen in der gesamten Belegschaft durchzuführen, weiterhin. Zudem fordert der Kreis dazu auf, die Kontaktdaten aller Beschäftigten an das Gesundheitsamt zu übermitteln. Tönnies betreibt seit Juni auch eigene Testzentren.

Damit kann auch besser eingeschätzt werden, ob die von Unternehmensseite vorgenommenen Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus tatsächlich zum Erfolg führen.

aus der Mitteilung des Burgenlandkreises

Zuletzt waren Rufe laut geworden, erneut einen Massentest bei Tönnies vorzunehmen, darunter von den Umweltverbänden BUND und "Naturfreunde Sachsen-Anhalt". Ebenso die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit Verweis darauf, dass die Ausgangsbedingungen in den Tönnies-Werken von NRW und Sachsen-Anhalt ähnlich seien. Der Kreis selbst hatte ebenfalls darauf gedrungen. Freiwillige Tests gab es zuletzt in Zerbst, wo Tönnies einen Tochter-Betrieb betreibt.

Video Weißenfels 1 min
Bildrechte: MDR/ Lisa Reber

Mi 27.05.2020 14:12Uhr 00:59 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/burgenland/video-413242.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Erster Massentest im Mai: Ausschließlich negative Ergebnisse

In Weißenfels hatte es bereits im Mai einen Massentest gegeben. An dem hatte sich rund die Hälfte der Belegschaft beteiligt. Der Test war präventiv, freiwillig und erbrachte auschließlich negative Testergebnisse. Seither hat sich allerdings die Ausgangslage geändert: Im Tönnies-Werk am nordrhein-westfälischen Standort Rheda-Wiedenbrück gibt es mittlerweile mehr als 1.500 bestätigte Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus unter den Beschäftigten. Das hat auch im Burgenlandkreis zu Verunsicherung geführt. Der erließ zwischenzeitlich eine Anordnung, dass keine Mitarbeiter aus NRW in Sachsen-Anhalt arbeiten dürften, ein Transfer von Mitarbeiterin zwischen den Standorten also ausgeschlossen würde.

Hinzu kam die positive Testung eines Mitarbeiters in Weißenfels am vergangenen Donnerstag, der das Werk noch nicht betreten hatte. Tönnies betonte daraufhin, dass das installierte Vorsorgesystem gegriffen habe, wonach jeder neue Mitarbeiter vor Arbeitsaufnahme getestet werde und schloss einen Ausbruch innerhalb des Weißenfelser Werkes aus.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 30. Juni 2020 | 10:00 Uhr

5 Kommentare

Skeptiker66 vor 2 Tagen

Dr. Bodo 'Schiffmann hat zusammen mit anderen Mitstreitern angeboten, mit anderen Tests noch einmal in Gütersloh gegenzutesten und damit zu prüfen, ob die positiven Testungen wirklich sars-cov2 identifiziert haben oder nur die bei Tieren verbreiteteten anderen Corona-Viren, die aber für den Menschen ungefährlich sind. Warum nimmt man dieses Angebot nicht an zumal es auch noch kostenlos ist? Es kann doch nur der Wahrheit dienen.

Der Matthias vor 2 Tagen

@ Haller

Klar ist die neuerlich angeordnete Testung dieses Mal nicht mehr freiwillig! Oder, wollen Sie stattdessen lieber eine ungehinderte Ausbreitung des Virus' im Werk riskieren und somit womöglich ein Überspringen auf die Bevölkerung des gesamten Burgenlandes fahrlässig in Kauf nehmen? Das kann wohl kaum Ihr Ernst sein!?

Haller Gestern

Na zum Glück ist schon das nächste Virus im Anmarsch und noch mehr Geld für noch mehr Test und Impfstoff.
Den Schweinen sei dank.

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