Tagebauloch
Die Braunkohle prägt Landschaft und Einwohner im Burgenlandkreis. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Burgenlandkreis Mibrag-Azubis trotzen dem Kohleausstieg

Der Kohleausstieg kommt, das steht fest. Nur wann und wie genau ist noch unklar. Sachsen-Anhalts Braunkohle-Region ist der Burgenlandkreis. Auszubildende bei der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft erzählen über ihre Meinungen und Erwartungen.

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Die Braunkohle prägt Landschaft und Einwohner im Burgenlandkreis. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im nordöstlichen Burgenlandkreis prägt die Braunkohle nicht nur maßgeblich die Landschaft, sondern auch die Biografien der Menschen in Hohenmölsen, Theissen und Profen. Generationen leben hier von und mit der Kohle.

Obwohl der Ausstieg beschlossene Sache ist, hat sich Hannes Gaida für die Ausbildung bei der Mibrag, der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft, entschlossen. Der angehende Industriemechaniker ist in seinem ersten Lehrjahr und sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Unabhängig von der Braunkohle habe ich von Freunden und Bekannten erfahren, dass es eine qualitativ gute Ausbildung ist. Das war der Ansatzpunkt für mich zu sagen, es macht schon Sinn. Man nimmt dann auch viel mit."

Bewusst für die Kohle entschieden

Ein junger Mann mit Bauhelm und blauer Latzhose.
Hannes Gaida befindet sich in seinem ersten Lehrjahr als Industriemenachiker bei der Mibrag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der 19-Jährige hat sich auch aus einer Familientradition heraus bewusst für die Kohle entschieden. Bereits sein Opa hat in Thüringen im Bergbau gearbeitet und auch seine Mutter hat dort gelernt. Der Kohleausstieg liegt für ihn persönlich in weiter Ferne. Gaida sagt: "Der Ausstieg findet ja noch nicht morgen statt. Ich weiß, dass er stattfinden wird und ich mich darauf einstellen muss. Aber das hält mich nicht davon ab, hier eine Lehre anzufangen. Denn die kann ich ja auf jeden Fall noch beenden – das mindestens."

Trotzdem beschäftigt der Ausstieg die Azubis natürlich. Gaida spricht von einem mulmigen Gefühl. Aber: "Wir sehen uns noch nicht in der Position, dass wir uns da unendlich viele Sorgen machen müssen."

"Nicht knausern, um Neues aufzubauen"

Die angehenden Industriemechaniker wollen jetzt erst einmal ihre Ausbildung gut abschließen, dann ihren Meister machen und danach einen Job in der Region finden. Denn viele möchten gerne hier bleiben.

Mehrere angehende Industriemechaniker mit Bauhelm und blauer Latzhos arbeiten in einer Werkhalle.
Viele der Auzubis möchten gerne in der Region bleiben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Hannes' Kollege Enrico Rothe erhofft sich deswegen einiges von der Kohlekommission, die in Deutschland den Kohleausstieg regeln soll: "Ich hoffe, es werden Möglichkeiten gefunden, die ganzen Leute, die hier aussteigen, aufzunehmen. Denn wenn alle auf einmal einen Job suchen, sieht es hier echt mau aus." Er wünscht sich, dass der Ausstieg für die Menschen  vor Ort human von statten gehe.

Man sollte nicht mit dem Geld knausern, um hier in der Region etwas Neues aufzubauen.

Enrico Rothe, Auszubildender bei der Mibrag

Für die Menschen in Hohenmölsen ist der Ausstieg noch weit weg. So wirklich wollen sie es noch nicht wahrhaben und hoffen, dass die Braunkohle bestehen bleibt, wie eine Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT zeigt. Viele fragten sich dabei auch, wo neue Arbeitsplätze herkommen sollen.

Die Kohlekommission hat in jedem Fall eine große Aufgabe vor sich. Sie muss die Menschen vor Ort bei der Entscheidung mitnehmen und ihnen Alternativen bieten.

Quelle: MDR/olei,cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 16:19 Uhr

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3 Kommentare

22.01.2019 16:13 Rudimeter 3

Den Hannes und Co sollen mal die Augen geöffnet werden. Der liebe Gott wird doch da nicht eine Industrie aufbauen, wo ihr mit Euer wenn auch guten Ausbildung unterkommt. Da ist doch gut zu bewerten, dass er noch die Meisterausbildung machen will. von der Kohlekommision kann keiner was erwarten.

17.01.2019 14:03 sächsist 2

Im Gegensatz zur Steinkohle ist die Braunkohle aus dem Mitteldeutschem Revier immer ohne Subventionen ausgekommen. Es ist ja nicht so das im Westen nun auf Steinkohle in den Kraftwerken verzichtet wird. Nein sie kommt nun aus Chile und China, wird klimaschädlich um den halben Erdball gekarrt und dann verfeuert. Unter welchen Umständen die Kohle gefördert wird will ich gar nicht erst wissen. Toller Klimaschutz!
Übrigens diesen sog. Strukturwandel den der Westen nun mit Milliarden Euro sub. durchmacht, den hatten wir schon in den 90er Jahren. Nur bei uns hat man die Bergleute einfach rausgeschmissen. Da war nicht viel mit soz. Abfederung. Vieleicht auch ein Grund warum die Menschen hier der Politik so kritisch gegenüber stehen.

16.01.2019 14:46 AufmerksamerBeobachter 1

Die gleichen Geschichten habe ich Anfang der Neunziger im Ruhrgebiet gesehen. Der Vater war schon Bergmann, da war klar, das der Sohnemann auch bei der RAG auf Zeche XY in die Lehre geht.

Der Ausstieg aus der Steinkohle war damals bereits im Gespräch, aber man glaubte, das zieht sich und das würde noch 100 Jahre dauern....

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