Die Tönnies Gruppe Schlachthof in Weißenfels.
Mitarbeiter des Schlachthofs in Weißenfels beklagen Rechtsverstöße. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Arbeitsbedingungen Schwere Vorwürfe gegen Schlachthof in Weißenfels – Unternehmen wehrt sich

Mitarbeiter des Schlachthofs Tönnies in Weißenfels erheben schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. So sollen gegen die Regelung des Mindestlohns verstoßen und Gewalt angewendet worden sein. Tönnies wehrt sich gegen die Behauptungen.

Die Tönnies Gruppe Schlachthof in Weißenfels.
Mitarbeiter des Schlachthofs in Weißenfels beklagen Rechtsverstöße. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Mitarbeiter haben Rechtsverstöße bei einem Schlachthof des Fleischproduzenten Tönnies in Weißenfels beklagt. Bei einem Bürgerdialog am Donnerstag zwischen Mitarbeitern, Landrat Götz Ulrich, Oberbürgermeister Roby Risch und Gewerkschaftlern sagten zwei Tönnies-Mitarbeiter aus Polen, dass gegen die Regelung des Mindestlohns verstoßen werde und Überstunden nicht bezahlt würden.

Eine Übersetzerin vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Gabriela Buszala, übersetzte die Aussagen der Mitarbeiter zu den Arbeitsbedingungen. "Gewalt ist ein Thema", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT. Arbeitnehmer, die versuchten, ihre Ansprüche geltend zu machen, würden den beiden Polen zufolge einen Schlag oder Tritt erhalten und seien teils mit Gewalt herausgeschmissen worden.  

Tönnies: Vorwürfe nicht nachvollziehbar

Das Lebensmittelunternehmen Tönnies sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass die Vorwürfe nicht nachvollziehbar seien. Ein Sprecher sprach von einer Kampagne der Gewerkschaften gegen Tönnies mit falschen Behauptungen und Verunglimpfungen. Der Fleischproduzent forderte den DGB und andere Organisationen auf, keine unkonkreten Vorwürfe in die Welt zu setzen. "Deswegen haben wir auch gegen die Vorwürfe des Vereins aktion ./. arbeitsunrecht, der im Zusammenhang mit der Veranstaltung in Weißenfels steht, Unterlassungsansprüche durchgesetzt, die aktuell vollstreckt werden", hieß es von Tönnies. Zudem beklagt das Unternehmen, dass es nicht zu dem Dialog eingeladen worden sei. Es sei jederzeit zu einem Gespräch bereit.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte zu der Veranstaltung am Donnerstag geladen. Nur wenige Mitarbeiter von Tönnies sind der Einladung am Donnerstag gefolgt, berichtet ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT. Die geringe Beteiligung erklärt Jörg Most von der Gewerkschaft NGG so: "Viele Menschen haben Angst, darüber zu reden, weil sie hier besser verdienen als in den Ländern, wo sie herkommen – sei es Polen, Tschechien, Ungarn oder Rumänien." Most ergänzt: "Wer sagt schon gerne über seinen Arbeitgeber etwas Negatives in der Öffentlichkeit – na klar hat man da Angst, den Job zu verlieren."

Proteste für Freitag geplant

Für den Fleischproduzenten Tönnies arbeiten in Sachsen-Anhalt nach Unternehmensangaben etwa 2.700 Mitarbeiter. Ein Großteil der Arbeiter in Weißenfels  kommt aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien und Bulgarien.

Für nächsten Freitag (13. September) plant der Verein aktion ./. arbeitsunrecht deutschlandweit Proteste gegen Tönnies – auch in Weißenfels.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. September 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2019, 16:40 Uhr

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