Unesco-Tagung Welterbe: Naumburger Dom erwartet Entscheidung

Sind aller guten Dinge drei? Ab Sonntag tagt das Komitee der Unesco in Bahrain – und wird erneut darüber entscheiden, ob der Naumburger Dom als Welterbe eingetragen wird. Wann genau die Entscheidung fällt, warum der Landrat des Burgendlandkreises extra nach Bahrain fährt und wie überhaupt die Chancen des Doms stehen, beantwortet MDR SACHSEN-ANHALT.

Wann genau will das Komitee über den Antrag des Naumburger Doms entscheiden?

Die Entscheidung steht für Samstag, den 30. Juni an. Allerdings könnte sich der Termin noch etwas nach hinten verschieben. Spätestens am darauffolgenden Sonntag, also am 1. Juli, soll dann der feststehen, ob der 800 Jahre alte Naumburger Dom Weltkulturerbe wird.

Warum reist der Landrat vom Burgenlandkreis nach Bahrain?

Landrat Götz Ulrich ist im Königreich am Persischen Golf auch vor Ort. Ulrich erklärt MDR SACHSEN-ANHALT, warum er für die Entscheidung extra nach Bahrain fährt: "Zunächst deshalb, weil wir damit rechnen, dass es eine endgültige Entscheidung über unseren Welterbe-Antrag gibt." Es sei nicht nur üblich, sondern werde auch erwartet, dass diejenigen, die den Antrag initiiert hätten, dort erschienen. "Das macht die ganze Welt so. Es wäre, glaube ich, kein gutes Signal, wenn wir dort nicht erscheinen", so Ulrich. Bei einer positiven Entscheidung des Komitees werde zudem eine Danksagung erwartet.

Seit wann versucht es der Naumburger Dom mit dem Welterbestatus?

1998, also vor 20 Jahren, schaffte der Naumburger Dom den ersten Schritt zum Welterbe: Er kam auf die Vorschlagsliste. Sieben Jahre später, 2005, statteten Prüfer der Region einen Besuch ab. Vor Ort entstand die Idee, auch die Umgebung des Doms zum Welterbe zu erklären. 2012 wird das Gebiet Naumburg, Schulpforte und Freyburg als Antragsgebiet festgelegt. "Der Naumburger Dom und die hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaften an Saale und Unstrut" stellen den Welterbe-Antrag bei der Unesco.

Stifterfiguren Ekkehard und Uta des Naumburger Meisters
Die Stifterfiguren, darunter Uta von Ballenstedt, werden ebenfalls Welterbe, wenn der Antrag durchgeht. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende

2015 dann der erste Rückschlag: Der Antrag der Region sei zu lang und wissenschaftlich und müsse überarbeitet werden. Das haben die Initiatoren gemacht und den überarbeiteten Antrag 2017 erneut eingereicht – um ein zweites Mal abgewiesen zu werden. Dieses Mal forderte das Komitee, den Antrag auf den Dom und seine Stifterfiguren zu fokussieren. Auch die Naumburger Altstadt und die Domfreiheit würden als sogenannte Pufferzone bei einer positiven Entscheidung den Welterbestatus erhalten. Die "hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaften" um Naumburg gehören dagegen nicht mehr zum Antrag dazu.

Etwa ein halbes Jahr später, zum 1. Februar, konnte der überarbeitete Antrag für den Naumburger Dom erneut bei der Unesco eingereicht werden. Dass es so schnell gehen würde, war nicht klar gewesen: Denn jedes Land – so auch Deutschland – kann pro Jahr nur wenige Welterbe-Vorschläge einreichen. Da Hamburg seinen Antrag für die Aufnahme des Jüdischen Friedhofs in Altona kurzfristig zurückgezogen hatte, ist schon 2018 wieder ein Platz für den Dom frei geworden.

Wie stehen die Chancen des Doms, nun endlich Weltkulturerbe zu werden?

Kirche aus der Vogelperspektive in der Abendsonne.
Für den Dom ist es der dritte Versuch, Welterbe zu werden. (Archivbild) Bildrechte: Andre Pfau

Bereits im vergangenen Jahr hat das Komitee den außergewöhnlichen Wert des Naumburger Doms festgestellt. Bei der Sitzung im Sommer 2017 im polnischen Krakau hat die Unesco den "universellen Wert" des Doms anerkannt. Laut Helga Heilig vom Förderverein "Welterbe an Saale und Unstrut" hatte es vom Komitee geheißen: "Bitte reicht den Antrag noch einmal zugeschnitten auf den Dom ein, dann gibt es das Siegel."

Auch der Stiftsdirektor des Naumburger Dom, Holger Kunde, sagte nach der Entscheidung in Polen: "Mit dieser Feststellung des Welterbekomitees ist die Gewähr dafür gegeben, dass der Naumburger Dom tatsächlich auch in die Unesco-Welterbeliste eingetragen wird." Voraussetzung sei aber, dass der aktuelle Antrag den formalen Kriterien genüge.

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Quelle: MDR/mh,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Juni 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2018, 15:15 Uhr

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