Deutschlandweite Kundgebungen Proteste gegen den Fleischkonzern Tönnies in Weißenfels

In Weißenfels haben am Freitag 50 Menschen gegen den Fleischkonzern Tönnies protestiert. Sie wollten damit auf vermeintliche Missstände in dem Unternehmen aufmerksam machen. Tönnies wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Mehrere Menschen mit Protestschildern
Rund 50 Menschen haben vor dem Schlachthof in Weißenfels protestiert. Bildrechte: MDR/Stefan Bringezu

Rund 50 Menschen haben am Freitag auf dem Marktplatz in Weißenfels gegen den Fleischkonzern Tönnies protestiert. Die Demonstration war Teil einer bundesweiten Aktion gegen den größten Fleischkonzern Deutschlands. Mit dem Protest wollten die Demonstranten auf Missstände in dem Unternehmen hinweisen. Aktivisten werfen dem Konzern unter anderem Lohndumping und Massenschlachtung sowie die Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt vor. Der Betriebsrat oder Mitarbeiter von Tönnies sind nach Angaben eines MDR SACHSEN-ANHALT-Reporters nicht vor Ort gewesen.

Vorwurf der "üblen Arbeitsbedingungen"

Gunter Walther, Grünen-Politiker im Weißenfelser Stadtrat, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, nach seinen Informationen hätten 70 Prozent der Mitarbeiter am Standort in Weißenfels einen Werkvertrag, seien also keine Leiharbeiter und keine Festangestellten. Die Arbeitsbedingungen seien übel. Es gebe Berichte darüber, dass Mehrstunden nicht bezahlt würden. Auch das Einkleiden und weitere Vorbereitungszeiten betrachte das Unternehmen angeblich nicht als Arbeitszeit. Für Mitarbeiter mit Werkvertrag gebe es außerdem keine Gewerkschaft. Die Sozialbedingungen gerade auch bei den Subunternehmern seien im Dumpingbereich.

Bei einem Bürgerdialog Anfang September hat eine Übersetzerin MDR SACHSEN-ANHALT gesagt, dass laut zweier polnischer Tönnies-Mitarbeiter "Gewalt ein Thema" in Weißenfels sei. Den beiden Mitarbeitern zufolge würden Arbeitnehmer, die versuchten, ihre Ansprüche geltend zu machen, einen Schlag oder Tritt erhalten und seien teils mit Gewalt herausgeschmissen worden.  

Zwei Protestschilder gegen den Schlachthof Tönnies
Die Demonstranten haben nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen sondern auch generell gegen Fleischkonsum demonstriert. Bildrechte: MDR/Stefan Bringezu

Tönnies: Arbeitsbedingungen in Ordnung

Zu den Vorwürfen, dass ein ausländischer Mitarbeiter nicht nur bedroht, sondern auch Gewalt gegen ihn angewendet worden sein soll, sagte Unternehmenssprecher André Vielstädte in der Konzernzentrale der Schlachtfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen, die Vorwürfe seien dem Unternehmen nur aus den Medien bekannt. Er lade die Mitarbeiter, aber auch die Aktivisten ein, sich an das Unternehmen zu wenden. Dafür gebe es Ombudsstellen. Bisher seien die Vorwürfe anonym. Das Unternehmen habe ein großes Interesse daran, die Vorwürfe aufzuklären.

Für das Unternehmen gelte eine sogenannte Selbstverpflichtung der Fleischwirtschaft. Vielstädte sagte, der Konzern halte sich an die Mindestlohn-Regelungen. Die Einhaltung werde vom Unternehmen selbst und von den Behörden geprüft. Zu den Arbeitsbedingungen in Weißenfels sagte Vielstädte, diese seien in Ordnung und würden regelmäßig von Behörden und Kunden überprüft. Es würden keine Arbeitszeiten überschritten und der Mindestlohn nicht unterschritten.

Jeder Mitarbeiter werde vom Unternehmen bzw. Dienstleister geschult, so Vielstädte. Dabei gehe es um Themen wie Hygiene und Lebensmittelsicherheit, aber auch um soziale Bedingungen. Dafür gebe es Mindeststandards.

Einer der größten Fleischkonzerne weltweit

Tönnies ist einer der größten Schlachtbetriebe der Welt. Für den Fleischproduzenten arbeiten in Sachsen-Anhalt nach Unternehmensangaben etwa 2.700 Mitarbeiter. Ein Großteil der Arbeiter in Weißenfels kommt aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien und Bulgarien. Am Standort Weißenfels werden bis zu 20.000 Schweine am Tag zerlegt.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2019, 10:11 Uhr

1 Kommentar

Anhaltiner vor 8 Wochen

In Weißenfels haben am Freitag 50 Menschen gegen den Fleischkonzern Tönnies protestiert. Sie wollten damit auf vermeintliche Missstände in dem Unternehmen aufmerksam machen. Wenn das mal kein Ereignis von überregionaler Bedeutung ist. Ein Massenprotest von 50 Personen. Da kann sich Tönnies schon mal warm anziehen.

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