Dombaumeisterin im Interview "Ich höre quasi, wie das Feuer prasselt, wie die Hitze glüht"

Das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris hat viele Menschen schockiert – auch Architektin Regine Hartkopf, die zugleich Dombaumeisterin von Naumburg und Merseburg ist. Im Interview spricht sie über den Schock und wie schwierig der Wiederaufbau ist.

Menschen stehen auf einem Platz vor der Notre Dame und schauen auf die Kirche aus der Flammen schlagen und Rauch in den Himmel steigt.
Ein Großbrand hat am Montagabend Teile der Kathedrale Notre-Dame in Paris zerstört. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Architektin Regine Hartkopf ist Dombaumeisterin in Merseburg und Naumburg – und außerdem Schriftführerin der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister. MDR SACHSEN-ANHALT hat mit ihr über die Brandkatastrophe in Paris gesprochen.

MDR SACHSEN-ANHALT: Frau Hartkopf, was sind Ihre ersten Gedanken gewesen, als Sie vom Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame gehört haben?

Regine Hartkopf: Es ist erstmal ein Schock. Wir stehen wirklich unter Schock. Und diese Bilder der Flammen: Ich höre quasi, wie das Feuer prasselt, wie die Hitze glüht. Und dann muss man sich ja auch klar machen, nach dem Feuer kommt das Wasser. Und der schlimmste Schaden für so ein Bauwerk ist natürlich das Wasser. Jetzt, um das Feuer zu löschen, werden Unmengen an Wasser dort hineingetragen. Das richtet Schäden an, zerstört Malereien. Es beschädigt das, was geblieben ist, noch weiter.

Wir stehen wirklich unter Schock.

Wie sind Ihre Beziehungen zu Notre-Dame? Gibt es da Hilfsangebote oder Anfragen an Sie, mitzuhelfen?

Wir sind miteinander verbunden im Bereich der Dombaumeister. Es gibt vielerlei Ebenen und das Erste, was wir tun können, ist eben auszudrücken, dass wir alle mitfühlen und dass wir schmerzlich empfinden, was dort los ist. Am Dienstag haben ja um 12 Uhr die Glocken geläutet deutschlandweit, europaweit. Als Zeichen der Verbundenheit.

Wie ist es hier in Sachsen-Anhalts Domen um den Brandschutz bestellt?

Regine Hartkopf
Regine Hartkopf ist Architektin und Dombaumeisterin in Merseburg und Naumburg. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Brandschutz ist ein wichtiges Thema. Das Wichtigste beim Brandschutz in Kirchen ist, auf den baulichen Brandschutz zu achten. Das heißt, man muss gucken, wo sind Dinge, die brennen, wo sind Fluchtwege, wo dürfen brennbare Gegenstände nicht gelagert werden? Das Wichtigste ist eigentlich der bauliche Brandschutz und dass die Feuerwehren wissen, welche Pforten sind geöffnet und wo sind die Wege. Sowas muss auch geübt und getestet werden. Vor allen Dingen müssen Gebäude gepflegt werden. Viele unserer Gebäude haben noch eine Beleuchtung, die ist 60, 70 Jahre alt; Kabelführungen, die sind nach dem Krieg erneuert worden. Und da ist Handlungsbedarf, da gibt es noch sehr viel zu tun.

Notre-Dame ist in Jahrhunderten aufgebaut worden, nun ist vieles zerstört, es wird aber von Wiederaufbau gesprochen. Wie schwer ist sowas bei einem so alten Gebäude?

Ein Wiederaufbau ist enorm schwierig. Man kann nur wieder aufbauen, was man kennt. Und im Fall von Notre-Dame oder von so einer großen Katastrophe, da muss man, bevor man über Wiederaufbau spricht, erstmal darüber sprechen, den Schadensumfang zu verstehen. Was ist da überhaupt passiert? Was ist alles kaputt? Und dann werden Heerscharen von Restauratoren und Historikern hergehen und bewerten, was noch da ist.

Wir sehen, dass die Wände noch da sind. Aber: Wie tragfähig sind sie? Kann man da Dächer aufsetzen, oder muss man das ertüchtigen? Und dann natürlich, was kann man noch retten an Malerei an Resten an Bauplastik und Bauzier? Das muss erst alles bewertet werden und dann kann man Pläne zum Wiederaufbau machen. Das wird noch eine ganze Weile dauern.

Die Fragen stellte Anja Walczak.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. April 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 18:59 Uhr

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