Von Zeitz bis Australien Drei Jahre unterwegs: Zu Fuß um die Welt

Seit über drei Jahren läuft Rico Reißmann aus dem Burgenlandkreis um die Welt. Einfach so. Im Juni 2015 ist er losmarschiert. Nur mit einem Bollerwagen, Zelt und Isomatte ausgerüstet. Bis November 2018 ist er schon rund 18.000 Kilometer gelaufen und mittlerweile in Australien angekommen. MDR SACHSEN-ANHALT hat mit Reißmann gesprochen.

Rico Reißmann vor dem Fuji Yama
Rico Reißman am Fuße des Vulkans Fuji in Japan Bildrechte: MDR/Rico Reißmann

Hallo Rico Reißmann, wir haben schon mehrfach über dich berichtet. Zuletzt vor über einem Jahr, als du gerade in Thailand angekommen warst. Wie ging es damals eigentlich weiter und wo bist du heute?

Reißmann: Von Thailand ging es damals weiter über Laos, 2.000 Kilometer quer durch Vietnam, dann weiter über Kambotscha, Malaysia, Singapur und dann bin ich quer durch Indonesien gelaufen. Zwischendurch habe ich mir in Japan in einem Hotel ein bisschen Zubrot verdient.

Jetzt bin ich gerade in Australien angekommen. Natürlich bin ich da geflogen. Ich befinde mich zurzeit in Cairns im Nordosten des Landes. Hier ist gerade ein Jahrhundertsommer. Es werden bis zu 45 Grad draußen. [Anmerkung der Redaktion: Zum Zeitpunkt des Interviews waren in Magdeburg gerade minus vier Grad Celsius.]

Viele Menschen interessiert natürlich, wie man solch eine Welt-Wanderung finanziert. Da reichen doch sicher nicht nur Gelegenheits-Jobs aus?

Zwei Freunde von mir aus Zeitz haben Spendendosen in ihren Geschäften stehen. Dort können die Leute ihr Wechselgeld spenden, wenn sie mögen. Viele legen da dann auch noch etwas drauf. Das ist sehr sehr hilfreich. Ansonsten lebe ich hauptsächlich von Erspartem.

Wie lange willst du denn noch weiter laufen?

Ich habe drei Jahre dafür gebraucht, um von Deutschland bis nach Singapur zu kommen. Und vermutlich werde ich noch weitere drei Jahre unterwegs sein.

Und wo soll die restliche Reise-Route lang gehen?

Höchstwahrscheinlich will ich noch nach Neusseeland. Ganz offiziell geht es auf jeden Fall noch in die USA und Kanada. Da geht’s dann von der Ostküste bis zurück nach Europa. Vielleicht dann noch Spanien, Portugal und dann weiter zurück nach Deutschland. Zwischendurch werde ich für "Visaruns" nochmal nach Japan gehen und drei Wochen auf den Fidschi-Inseln verbringen. Ein bisschen muss man sich da überraschen lassen. Alles kann ich noch nicht komplett planen.

Was ist ein Visarun? In Australien darf man beispielsweise als Tourist maximal 90 Tage am Stück im Land bleiben. Für einen Visarun verlässt man für mindestens einen Tag das Land, reist dann direkt wieder ein und kann weitere 90 Tage im Land verbleiben.

Was waren die Highlights auf deiner Reise von Thailand bis nach Australien?

Japan hat mich sehr begeistert. Das ist eine ganz andere Welt. Als ich dort gearbeitet habe, ist das Hotel richtig Familie für mich geworden. Dort ist auch das Essen richtig gut. In den zwölf Wochen habe ich in Japan zehn Kilo zugenommen. Die habe ich jetzt noch teilweise auf meinen Rippen.

Essen in Malaysia
Das Essen in Malaysia hat Reißmann begeistert. Bildrechte: MDR/Rico Reißmann

Kulinarisch ist auch Malaysia genial. Das ist ein riesiger Mix aus indischer, malayischer und chinesischer Küche. Ich weiß noch, als ich die Grenze von Thailand nach Malaysia überquert hatte, bin ich an einen Militär-Posten gekommen. Dort haben sie meine ganzen Daten aufgenommen. Die Soldaten haben mich zum Mittagessen eingeladen. Es gab indisches Fladenbrot und eine Currysoße. Das war ein Flashback. Ich war plötzlich wieder in Indien.

Du hast ganz viele verschiedene Kulturen und Menschen kennengelernt. Wie kommen die Leute auf dich zu? Wirst du überall offen empfangen?

Ich habe vor allem in Asien sehr gute Erfahrungen gemacht. Gerade, wenn ich einen Schlafplatz suche. In Thailand hat fast jeder Ort beispielweise ein Kloster. Dort kann man höflich fragen, geht vielleicht vor dem Abt einmal auf die Knie oder verbeugt sich. Die sagen nicht Nein und weisen dich ab. In den muslimischen Ländern, wie Malaysia oder Indonesien, ist es überhaupt kein Problem, einfach zur Moschee zu gehen und um einen Schlafplatz zu bitten. Keiner hat Nein gesagt. Manchmal nehmen einen die Leute von der Moschee auch mit nach Hause. Das funktioniert durch die Bank weg von Europa bis Asien.

Die Welt ist nicht böse. Sie ist sehr, sehr freundlich. Man muss überhaupt keine Angst haben. Mit einem Lächeln auf die Leute zugehen und man bekommt es zurück.

In Indonesien wollte ich einmal mein Zelt auf einem Sportplatz aufbauen. Es drohte Regen. Eine Frau sah mich und kam auf mich zu und hat mir einen Schlafplatz bei ihrer Familie angeboten. Oft muss ich niemanden fragen, die Menschen kommen von alleine auf mich zu. Das öffnet das Herz und macht glücklich. Das ist der beste Abschluss eines Tages, den man haben kann.

Und doch gibt es immer mal Probleme mit deinem Bollerwagen. Du wurdest schon mehrfach angefahren. Welche Probleme macht denn dein Anhängsel?

Kaputter Bollerwagen
Nach einem Unfall ist das Rad des Bollerwagens verbogen. Bildrechte: MDR/Rico Reißmann

Wenn ich sterbe, sterbe ich im Straßenverkehr. Wenn ich mich an Vietnam erinnere, dann ist es echt furchtbar, wie die dort rasen. Ich schätze mich glücklich, dass bisher nicht mehr passiert ist. Zweimal wurde mein Wagen angefahren. Da bin ich aber immer glücklich bei rausgekommen und habe selbst nichts abbekommen.

Zum Problem wird der Wagen, wenn es bergauf geht, wie zum Beispiel in Indonesien. Da schaffe ich nicht mal 20 Kilometer am Tag. Im Schnitt schaffe ich eigentlich bis zu 40. Dann fluche ich und die Tränen stehen einem in den Augen. Das ist dann echt böse. Und wenn dazu noch die Verpflegung schlecht ist und es nur Instant-Nudelsuppen gibt, dann ist es aus bei mir. Aber mein Wagen ist mein Baby. Er ist mein Haus, er ist alles, was ich so habe. Ich bin von ihm abhängig.

Weltreise zu Fuß Bilder von Reißmanns Reise duch Asien

Strand in Thailand
Reißmann durchläuft Thailand, bevor es weiter nach Malaysia geht… Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
Strand in Thailand
Reißmann durchläuft Thailand, bevor es weiter nach Malaysia geht… Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
Rico Reißmann
… in Malaysia besucht er auch die Hauptstadt Kuala Lumpur mit den berühmten Petronas Towers. Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
Essen in Malaysia
Besonders in Erinnerung bleibt Reißmann das Essen in Malaysia. Es sei eine Mischung aus indischer, chinesischer und malayischer Küche. Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
Moschee in Thailand
Gastfreundschaftlichen Menschen begegnet Reißmann an vielen Orten. Meistens findet er kostenlose Schlafplätze in Klöstern oder – wie hier im Bild – in Moscheen. Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
Der Fuji Yama
Die Natur fasziniert Reißmann immer wieder aufs Neue. So auch am Vulkan Fuji in Japan. In Japan macht er aber auch einen mehrwöchigen Stopp, um in einem Hotel Geld zu verdienen. Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
Vulkan Bromo
Vulkane kreuzen immer wieder seinen Weg. Hier: der Schlot des Bromo auf der indonesischen Insel Java. Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
Reisfeld auf Bali
Bevor er nach Australien weiterzieht, machte der Weltumrunder Halt auf Bali. Immer wieder sieht er Reisfelder. Reißmann sagt dazu: "Reis werde ich nicht vermissen. Es gab teilweise täglich Reis, Reis, Reis."

Quelle: MDR/ff
Bildrechte: MDR/Rico Reißmann
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Wie ist denn dein Zwischenfazit zur Halbzeit der Weltreise?

Bis jetzt ist es, wie ich es mir vorgestellt habe. So wie alles gelaufen ist, ist es gut gelaufen. Ich habe viel über mich gelernt. Ich habe gelernt, zu kämpfen. Ich habe gelernt, in schwierigen Situationen zu lächeln. Das macht es ein bisschen einfacher.

Was ich auch sagen kann: Ich werde Reis nicht vermissen. Eigentlich habe ich mich daran gewöhnt. Aber es gab teilweise jeden Tag Reis. Reis, Reis, Reis. Ich bin echt froh, dass ich jetzt in Australien bin und wieder westliches Essen auf den Tisch kommt.

Es hat etwas Überwältigendes, wenn ich mir überlege, wie weit ich gelaufen bin. Von Zentraleuropa bis nach Australien. Das ist ja echt schon fast die halbe Welt. Da denke ich schon "Wow". Das ist nicht egoistisch, ich klopfe mir nicht selbst auf die Schulter. Es ist ein bisschen Erleichterung dabei. Einfach so: Ich habe es hinter mich gebracht. Mit allen Hürden, die es so manchmal gab. Ich habe es trotzdem geschafft. Ich habe es überlebt und sehe immer noch gut aus dabei. (lacht)

Vielen Dank für das Interview und eine gute Weitereise.

Rico Reißmann
Bildrechte: MDR/Rico Reißmann

Rico Reißmann Der 32-jährige Rico Reißmann ist gebürtiger Zeitzer. Im Februar 2015 beschließt er, dass er um die Welt laufen möchte. Dazu gibt er sein Gewerbe als Versicherungskaufmann auf und löst seinen Hausstand in Jena auf. Nach mehreren Monaten Vorbereitung startet er seine Reise im Juni 2015. Er hat damals etwa vier Jahre für seine Weltumrundung geplant. Mittlerweile rechnet er eher mit sechs Jahren.

Die Fragen stellte Fabian Frenzel.

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Oktober 2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 19:36 Uhr

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2 Kommentare

29.11.2018 15:02 Kulle 2

Ich bin immer sehr interessiert wenn ich von solchen Geschichten höre/lese. Da denke ich sofort an Thomas Meixner aus Jeßnitz mit seinem Fahrrad. Wo er überall unterwegs ist, ist überwältigend. Was Rico Reißmann macht geht dann nochmal ne Stufe höher. Ich schließe mich meinem "Vorredner" an und sage: Hut ab

28.11.2018 22:09 Steffen Eisfeld 1

Hut ab vor deinem Mut, das ist grosse Klasse! Alles Gute auf dem weiteren Weg und komm gesund wieder zurück.

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