Historische Straßenbahn Naumburgs "Wilde Zicke" bekommt Finanzspritze

In Naumburg ist künftig wieder ein weiteres historisches Straßenbahn-Fahrzeug unterwegs. Zudem gibt es eine weitere Finanzspritze vom Land, um den Straßenbahnbetrieb künftig sicherer und schneller zu machen.

Ein kleiner, roter Straßenbahnwagen fährt auf neuen Schienen.
Klein aber oho: Die Strecke der Naumburger Straßenbahn (Archivbild) Bildrechte: MDR/SAVIDAS

Die Straßenbahn "Wilde Zicke" kann künftig mit einem weiteren historischen Straßenbahn-Fahrzeug durch Naumburg fahren. Nach erfolgreicher Sanierung und technischer Überprüfung soll der Triebwagen Nummer 38 vom Typ "Gotha" bald wieder im Linien- und Sonderverkehr eingesetzt werden. Das teilte das Verkehrsministerium mit.

Was ist eine "Gotha"-Straßenbahn?

Gelbe Triebwagen der Kirnitzschtalbahn.
Mit dem Gothawagen zum Lichtenhainer Wasserfall – und zurück. Bildrechte: MDR/Lars Müller

Gothawagen waren die in der DDR ab 1957 zehn Jahre lang hergestellten Einheitsstraßenbahnwagen im VEB Waggonbau Gotha. Danach war das Land gezwungen, Straßenbahnen aus der ehemaligen ČSSR zu importieren. Gebaut wurden in Gotha Einrichtungstrieb- und -beiwagen sowie anfangs auch Zweirichtungstrieb- und -beiwagen. Auch Großraum- und Gelenktriebwagen gehörten zum Repertoire. Die Gothawagen erwiesen sich als äußerst robust. Außer in Naumburg sind diese Wagen beispielsweise noch auf der Kirnitzschtalbahn bei Bad Schandau unterwegs.

Mit mehr als 500.000 Euro vom Land gefördert

Historische Straßenbahnen
Der Gothawagen 38 (links) ist schon 60 Jahre alt. Bildrechte: MDR/André Plaul

Das Land gab für die Aufarbeitung des Triebwagens aus dem Jahr 1960 rund 170.000 Euro dazu. Die Mittel stammen aus einem Fördertopf für technische Denkmäler. Mit weiteren 160.000 Euro wird den Angaben zufolge die Erneuerung der Einfahrtsweiche und des Anschlussgleises zum Straßenbahndepot gefördert. Dadurch soll der Straßenbahnbetrieb künftig sicherer und schneller werden.

Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sagte, die historische Straßenbahn habe sich mehr und mehr zu einer kleinen Attraktion entwickelt. Das Land unterstützte den Verein laut Verkehrsministerium bislang mit insgesamt mehr als 500.000 Euro.

Passagierzahlen steigen

Die "Wilde Zicke" ist seit 2007 wieder in Naumburg unterwegs. Zu verdanken ist das vor allem dem Verein zur Erhaltung historischer Fahrzeuge. Seitdem wurde die Schienenstrecke bereits mehrfach verlängert. Dennoch bleibt sie mit ihren neun Haltestellen und 2,8 Kilometern Länge das kürzeste Straßenbahnnetz Deutschlands.

Naumburger Straßenbahn: Gleisreste auf dem Markt
Auf dem Naumburger Marktplatz erinnern noch Gleisreste an die einstige Streckenführung durch die Innenstadt. Bildrechte: MDR/André Plaul

Die "wilde" Geschichte der "Wilden Zicke" • September 1892 bis Oktober 1906: Straßenbahn mit Dampflok zwischen Hauptbahnhof-Markt-Wenzelstor
• Januar 1907: Eröffnung des elektrischen Betriebs auf der Strecke Hauptbahnhof-Markt-Salztor im 20-Minuten-Takt für 10 Pfennig pro Fahrt
• 1909: Verlängerung der Strecke zum Hauptbahnhof abgeschlossen (Ringbahn)
• 1945: fünf Monate Betriebspause wegen Kriegseinwirkungen
• 1957: Wiederaufnahme des Ringbetriebs in beiden Richtungen
• 1976: Innenstadt und Markt werden zur Fußgängerzone
• 1981: nach zwei Jahren Pause Wiederinbetriebnahme der neuen Ringstrecke
• 1986: erneut 18 Monate Betriebspause
• 1992: Einstellung des regelmäßigen Betriebs, danach teilweiser Rückbau von Gleisen

Zuletzt konnte die historische Straßenbahn steigende Passagierzahlen verzeichnen. Aufgrund dessen hat der Burgenlandkreis in Abstimmung mit der Straßenbahn und der Stadt Naumburg im vergangenen Jahr eine Untersuchung dreier sogenannter Ringschlussvarianten in Auftrag gegeben. Die Studie wird an der TU Braunschweig erstellt. Die Ergebnisse sollen kommende Woche vorgestellt werden.  

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Bildrechte: MDR/Max Schörm

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Oktober 2020 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

Lothar Thomas vor 3 Wochen

Hier kann man nur eines sagen, an dieser Stelle wurden die Fördergelder an der RICHTIGEN STELLE investiert.

Es geht doch schließlich nicht nur um die Förderung um eine alte Straßenbahn zu restaurieren, hier in Naumburg gibt es auch Aufschwung endlich wieder den "Ring" zu schließen und einen Komplettbetrieb einzurichten.

Die Ringbahn selbst hat doch schon ein Alleinstellungsmerkmal, da werden auch Touristen damit fahren, die vielleicht nur mal zum Dombesuch in Naumburg weilen.

Eigentlich kann man dem Verein nur Danken, dass sie sich so aufopfernd für die Straßenbahn einsetzen.

Macht weiter so, dann wird es auch noch klappen mit dem "Ring von Naumburg".

Fördergelder Richtig investiert.


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