Burgenlandkreis 170 Corona-Infizierte im Schlachtbetrieb Tönnies in Weißenfels

In Weißenfels im Burgenlandkreis sind rund 170 Beschäftigte des Schlachtbetriebs Tönnies positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen nun in einer gesonderten Quarantäneeinrichtung untergebracht werden. Der Landkreis hat zurzeit die höchste Zahl an Neuinfektionen in ganz Sachsen-Anhalt.

Ein Lkw fährt mit einem Anhänger der Firma Tönnies aus einem Zerlegebetrieb von Tönnies
Der Burgenlandkreis hat die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt. Positiv Getestete im Schlachtbetrieb Tönnies in Weißenfels sind mit dafür verantwortlich. Bildrechte: dpa

In dem Schlachtbetrieb Tönnies in Weißenfels sind mehr als 170 Beschäftigte positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Das teilte der Burgenlandkreis mit. Zuvor habe es einen großangelegten Reihentest bei den Beschäftigten des Unternehmens gegeben.

Der Landkreis habe daher Gespräche mit der Firma aufgenommen. Das Unternehmen wolle die Betroffenen nun in einer gesonderten Quarantäneeinrichtung unterbringen. Zudem soll es Ende der Woche erneute Tests geben.

Nach Angaben des Landkreises bleibt das Werk aber weiter geöffnet.

Burgenlandkreis mit höchsten Corona-Zahlen in Sachsen-Anhalt

Laut Sozialministerium hat der Burgenlandkreis die mit Abstand höchste sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz. Sie liegt aktuell bei 248,26. Der Warnwert von 50 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner sollte eigentlich nicht überschritten werden, damit Gesundheitsbehörden Kontakte nachverfolgen können und Krankenhäuser nicht überlastet werden. Daher sind am Mittwoch neue Schutzmaßnahmen im Burgenlandkreis in Kraft getreten – unter anderem eine Maskenpflicht im Stadtgebiet von Weißenfels.

Die Kreisverwaltung hat am Mittwoch ihre Anordnung der Maskenpflicht damit begründet, dass hier die "Infektionsketten noch nicht durchbrochen worden" seien.

Schlechte Arbeits- und Wohnbedingungen: Corona-Ausbruch im Sommer

Im Sommer hatte ein Corona-Ausbruch am Tönnies-Stammsitz in Nordrhein-Westfalen zu einem Lockdown geführt. Das betraf 650.000 Menschen in zwei Landkreisen. Seitdem wurden vor allem die Arbeits- und Produktionsbedingungen des Schlachtbetriebes kritisiert.

Auch am Unternehmensstandort Weißenfels waren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden.

Experten waren davon ausgegangen, dass die Bedingungen im Schlachthof die Verbreitung des Virus begünstigen – unter anderem, weil die Mitarbeiter beim Schlachten von Schweinen eng beieinander arbeiten. Dazu kommen die Lebensbedingungen der vielen osteuropäischen Arbeiter, die in Sammelunterkünften untergebracht sind.

Bei Tönnies in Weißenfels arbeiten rund 2.200 Menschen. Das Unternehmen ist der größte Arbeitgeber der Stadt. Täglich werden hier bis zu 20.000 Schweine geschlachtet.

#MDRklärt So arbeitet Tönnies

So arbeitet Tönnies
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Tönnies setzt Werkverträge ein. Das sind Verträge  zwischen einem Auftraggeber und einem Werkvertragsnehmer.
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Tönnies arbeitet mit On-Site-Werkverträge. Hier findet die erbrachte Leistung auf dem Betriebsgelände des Auftraggebers statt.
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Fast die gesamte Produktion ist über Werkverträge an sogenannte Subunternehmen ausgegliedert. Beispielsweise übernimmt eine Firma das Schlachten, eine andere das Zerlegen…
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Dadurch können sich Auftraggeber ihrer Verantwortung für die Arbeitsbedingungen entziehen, bspw. Arbeits- und Gesundheitsschutz.
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Tönnies beschäftigt überwiegend Arbeiter von Subunternehmen aus Osteuropa, wie Polen Bulgarien und Rumänien. Es gelten dann die Arbeitsbestimmungen des jeweiligen Subunternehmens.
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Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Dezember 2020 | 07:30 Uhr

6 Kommentare

Bernd_wb vor 6 Wochen

Mich wuerden 2 Dinge interessieren. Wenn der Schlachthof hier riesigen Anteil an den Corona Infizierten hat welche Massnahmen werden dort getroffen ausser Infizierte in Jugendherbergen unterzubringen? Wie waeren die Zahlen im BLK ohne Toennies. Was ich gut finde die absolute Mehrheit haelt sich an die Maskenpflicht in Weissenfels

MDR-Team vor 6 Wochen

Sie haben recht, die Zahl der Neuinfektionen sind nicht bekannt. Man kennt lediglich die Zahl der positiven Fälle. Falsch ist, dass der Corona-Test auf Grippeviren reagiert. Die COVID-19-PCR erfasst keine Influenzaviren, da es sich bei Grippeviren um eine andere Virusgruppe handelt.

Original Taste vor 6 Wochen

Mein reden...
Zumal überall von Neuinfektionen gesprochen wird. Nein, es sind positiv getestete. Dazu sollte man wissen, dass der PCR Test auch auf grippale Infekte (bzw. die vielen verschiedenen Virenarten die ihn auslösen) anspricht.
Daher auch das abfallen der Zahlen im Frühjahr und der Anstieg im Herbst.

Quellen dazu gibt es, die werde ich jetzt nicht verlinken. Über sie wird nur nicht in den Mainstreammedien berichtet.

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