Tönnies-Werk Coronatests im Weißenfelser Schlachthof gestartet

Die Coronatests am Schlachthof Weißenfels laufen. Mithilfe der Bundeswehr sollen 2.500 Mitarbeitende überprüft werden. Auslöser für die Kontrollen war eine Vielzahl von Corona-Fällen an westdeutschen Schlachthöfen.

Mitarbeiterinnen des Burgenlandkreises bereiten sich in einem Zelt auf den Start des Corona-Screenings vor.
Seit Donnerstag laufen die Coronatests am Schlachthof in Weißenfels. Bildrechte: dpa

Der Burgenlandkreis hat am Donnerstag damit begonnen, die etwa 2.500 Mitarbeitenden der Tönnies-Fleischwerke in Weißenfels auf Corona zu testen. Dafür wurde extra ein mobiles Testzentrum aufgebaut. Bis zu 500 freiwillige Tests will der Landkreis nun täglich in den Zelten in der Nähe des Betriebsgeländes durchführen.

Getestet wurden zunächst Mitarbeiter des Veterinäramtes. Anschließend folgten die ersten Mitarbeitenden. 421 Tests lagen bis Freitagmittag vor. Die Ergebnisse sollen am Samstag feststehen. Bis zum kommenden Mittwoch soll die Testreihe abgeschlossen werden

Unterstützung durch die Bundeswehr

Die Prozedur ist aufwändig: Drei Mitarbeiter des Landkreises sitzen jeweils in Schutzanzug und Maske in einem Testraum. Zwei davon sind für die Dokumentation zuständig, der dritte macht den eigentlichen Test. Dafür wird mit einem Wattestäbchen Speichel entnommen und in ein Reagenzglas mit einer Nährlösung gesteckt.

Ein Labor untersucht die Probe dann auf den Erreger Sars-CoV-2. Insgesamt 15 solcher Teams stehen für die Tests bereit. Die Bundeswehr schickte 16 Soldatinnen und Soldaten zur Unterstützung der Aktion nach Weißenfels.

Ohne die Unterstützung der Bundeswehr wären die Tests nicht möglich, erklärte der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich: "Wir wollten bei einer so großen Personenzahl nicht mit fünf oder sechs Teams antreten und lange Warteschlangen provozieren. Weil es freiwillige Tests sind, hätten sich womöglich viele nicht angestellt und länger gewartet. Deshalb brauchten wir viele Teams." Weil vier Teams nicht abgedeckt werden konnten, sei eine Anfrage an die Bundeswehr gestellt worden, so Ullrich.

Corona-Ausbrüche in westdeutschen Schlachtbetrieben

Grund für die prophylaktische Untersuchung sind Ausbrüche in Schlachtbetrieben anderer Bundesländer. Etwa im westfälischen Coesfeld und im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt waren Corona-Infektionen bei einer Vielzahl von Beschäftigten festgestellt worden.

Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind dadurch ebenso in den Blickpunkt gerückt wie die oft überfüllten Sammelunterkünfte der zahlreichen osteuropäischen Leiharbeiter. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatte daraufhin angekündigt, auch die Belegschaft von großen Schlachtbetrieben in Sachsen-Anhalt durchzutesten.

Gewerkschaft und SPD üben Kritik

Infektionen würden vor allem in den Sammelunterkünften und in überfüllten Fahrzeugen stattfinden, glaubt der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) im Landesbezirk Ost, Uwe Ledwig. Die Betriebe selbst seien dagegen einigermaßen sicher, weil dort Schutzkleidung getragen würde. Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie werden seit vielen Jahren immer wieder moniert.

Kritik an der Situation der Arbeiter kam auch aus dem Landtag. "Die aktuelle Corona-Krise macht für die Öffentlichkeit Missstände sichtbar, die wir seit langem beklagen", teilte der Sprecher der SPD-Fraktion für Arbeitsmarktpolitik, Andreas Steppuhn, mit. Die Tests seien richtig, dabei dürfe es aber nicht bleiben. "Ziel muss es sein, sowohl die Unterbringungs- als auch die Arbeitsbedingungen für die Zukunft zu verbessern."

Quelle: dpa,MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Mai 2020 | 15:00 Uhr

2 Kommentare

Steffen 1978 vor 18 Wochen

Freiheiten Lockerungen ?
Ich sehe den massiven Eingriff in unsere Grundrechte ohne jegliche gerichtliche Entscheidungen ein Hohn jetzt von Lockerungen zu sprechen
Wir können uns nicht frei bewegen unsere Arbeit nicht ausführen und unsere Kinder?
Leider muß man täglich feststellen das viele Menschen an Realitätsverlust leiden alle bis jetzt getroffenen Entscheidungen und Verordnungen sind das Fundament von Mutmaßungen und Schätzungen das darf man nicht vergessen so etwas hat es noch nie in einer Demokratie gegeben
Man kann nur feststellen das wir uns in einer Kleinstaaterei befinden wo nicht kompetente Leute Entscheidungen treffen die das Volk an den Rand des Abgrunds treiben

ossi1231 vor 18 Wochen

Lars Schaade, Vizepräsident Robert Koch-Institut
Coronavirus
RKI: Gestiegener R-Wert geht auch auf Ausbrüche in Schlachthöfen zurück

... warum diese Meldung als Betrug gewertet wird, weil die Zahl der mit Lungenembolie und 40 Fieber sowie die per Leichenwagen abtransportierten Opfer der Seuche mit einer Zahl von irgendwo nahe Null zu beziffern.

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