Festakt Naumburger Dom ist offiziell Weltkulturerbe

Der Naumburger Dom ist im Juli nach einer langen Antragsgeschichte in die Welterbe-Liste der Unesco aufgenommen worden. Am Sonntag wurde der Titel nun offiziell verliehen – mit der Übergabe einer Urkunde. Gefeiert wurde das in der Saalestadt mit viel Politprominenz und einem Bürgerfest.

Michelle Müntefering und Reiner Haseloff halten im Naumburger Dom die Urkunde zum Weltkulturerbe in den Händen.
Seit Sonntag trägt der Naumburger Dom offiziell den Titel "Unesco-Weltkulturerbe". Bildrechte: dpa

Mit einem Festakt ist in Naumburg der Dom mit seinen weltberühmten Stifterfiguren offiziell in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen worden. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nahm die Urkunde entgegen und sagte, es sei eine große Ehre für Sachsen-Anhalt. Die Aufnahme in die Welterbeliste sei Ansporn und Verpflichtung zugleich.

Friedrich Schorlemmer
Friedrich Schorlemmer, Theologe Bildrechte: MDR/Axel Berger

Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, sagte, der Naumburger Dom gehöre jetzt zum Erbe der Menschheit. Damit sei der Auftrag verbunden, ein entsprechendes Bildungskonzept zu erarbeiten. Das sei eine Chance, gerade junge Menschen für das Welterbe zu begeistern.

Zum Auftakt der Feiern gab es am Vormittag einen Gottesdienst. Die Predigt hielt der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Am Nachmittag stand ein großes Welterbefest mit kostenlosen Führungen durch den Dom, Livemusik und einer Feuershow im Domgarten auf dem Programm.

Langwieriger Weg zum Welterbe

Die Dechantin der Vereinigten Domstifter, Karin von Welck, sagte MDR SACHSEN-ANHALT vor den Feierlichkeiten, es sei schön, nun Danke sagen zu können. "Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen, die uns begleitet haben, da sind", sagte von Welck und verwies auf die langwierige Bewerbung des Naumburger Doms. Sie hatte erst im dritten Anlauf zur Auszeichnung als Unesco-Weltkulturerbe geführt. In den Jahren 2015 und 2017 war die Bewerbung noch zurückgewiesen worden.

Galerie Der Naumburger Dom und seine Stifter

Mit seinem Westlettner und den Stifterfiguren gilt der Naumburger Dom als eines der wichtigsten Bauwerke der Frühgotik.

Lettner und Westchor vom Naumburger Meister
Der Westlettner: Er bildet die Schwelle zum Westchor. Beides wurde vom Naumburger Meister gebaut. Das Relief am Lettner zeigt die Passionsgeschichte. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Lettner und Westchor vom Naumburger Meister
Der Westlettner: Er bildet die Schwelle zum Westchor. Beides wurde vom Naumburger Meister gebaut. Das Relief am Lettner zeigt die Passionsgeschichte. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Lettner im Naumburger Dom
Der gekreuzigte Jesus am Eingangstor wirkt auf den darunter stehenden Besucher sehr eindrucksvoll. Unter ihm hindurch führt der Weg in den Chor. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Blick in den Westchor des Naumburger Doms
Der nordöstliche Teil des Westchors mit den Stifterfiguren Konrad, Gepa, Ekkehard und Uta, Timo und Wilhelm (von rechts). Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Stifterfiguren Ekkehard und Uta des Naumburger Meisters
Markgraf Ekkehard und seine Frau Uta. Das Paar verkörpert die Vorstellung vom Adel im 13. Jahrhundert. Utas Mimik wirkt kühl, beherrscht, unnahbar. Das Menschliche liegt in der Art, wie sie mit der verdeckten Hand ihren Mantel schutzsuchend hoch zieht. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Stifterfigur Timo
Stifter Timo von Kistritz und von Wettin lebte in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Eine Wissenschaftlerin prüft eine Bauzeichnung im Naumburger Dom
Doktorantin Ilona Dudzinski fertigt eine genaue Zeichnung der Passionsgeschichte am Lettner an. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Lampenarme vom Mikroskop am Steinrelief
Mit Hilfe von Mikroskop, Licht, Röntgen und moderner Computertechnik versuchen die Wissenschaftler, die Entstehung des Reliefs nachzuvollziehen. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Wissenschaftlerin mikroskopiert am Westlettner des Naumburger Doms
Restauratorin Dr. Bernadett Freysoldt findet immer wieder neue faszinierende Details am Relief, aber kaum Spuren von Werkzeugen. Sie dokumentiert eine beeindruckend kunstfertige Arbeit. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
Wittchen
Friedhelm Wittchen ist Domrestaurator. Er möchte alles so gut wie möglich erhalten. Deshalb sorgt er sich, dass durch die Bauarbeiten im Dom Figuren Schaden nehmen könnten. Doch Lärm, Staub, Hektik gehören dazu. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende
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Der Stiftsdirektor der Domstifter, Holger Kunde, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er freue sich, sich bei den Botschaftern der Unesco für ihre Unterstützung bedanken zu können. Zwölf Botschafter aus aller Welt, die den Antrag des Doms bei der Sitzung in Bahrain unterstützt haben, sind bei der Festveranstaltung dabei. Bislang kannten sie den Dom nur von Bildern und Beschreibungen. Stiftsdirektor Kunde freut sich, nun mit dem echten Dom Eindruck schinden zu können.

Eine der bedeutendsten Kathedralen des Hochmittelalters

Der Naumburger Dom St. Peter und Paul zählt zu den bedeutendsten Kathedralbauten des Hochmittelalters. Die spätromanisch-frühgotische Architektur ist bis heute weitgehend unverändert geblieben. Weltbekannt sind etwa die Stifterfiguren des sogenannten Naumburger Meisters im Westchor des Doms, darunter die Uta von Naumburg.

Anfang Juli hatte das Unesco-Welterbekomitee in Bahrain entschieden, das Gotteshaus als Weltkulturerbe aufzunehmen. Es  ist die vierte 44. Unesco-Welterbestätte in Deutschland. In Naumburg hatte diese Entscheidung große Freude ausgelöst. Ministerpräsident Haseloff sagte etwa, sie untermauere Sachsen-Anhalts Ruf "als das Welterbeland".

In Sachsen-Anhalt gehören bereits das Bauhaus Dessau, die Luthergedenkstätten in den Lutherstädten Eisleben und Wittenberg sowie das Gartenreich Dessau-Wörlitz zum Weltkulturerbe. Auch die Stiftskirche, das Schloss und die Altstadt von Quedlinburg tragen den Unesco-Titel.

Unesco-Liste Weltkulturerbestätten in Sachsen-Anhalt

Nirgendwo ist die Dichte an Unesco-Welterbestätten so groß wie in Sachsen-Anhalt. Nach Dessau, Eisleben, Wittenberg und Quedlinburg freut sich nun auch Naumburg über einen solchen Titel.

Der Marktplatz von Eisleben mit dem Rathaus, dem Luther-Denkmal und der Sankt Andreas Kirche
Sachsen-Anhalt ist reich an Unesco-Welterbestätten. Luthers Geburts- und Sterbehaus in Eisleben gehören genauso dazu, ... Bildrechte: dpa
Der Marktplatz von Eisleben mit dem Rathaus, dem Luther-Denkmal und der Sankt Andreas Kirche
Sachsen-Anhalt ist reich an Unesco-Welterbestätten. Luthers Geburts- und Sterbehaus in Eisleben gehören genauso dazu, ... Bildrechte: dpa
Schlosskirche Wittenberg
... wie die Schlosskirche ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Lutherhaus Wittenberg
.... und das Lutherhaus in Wittenberg. Gemeinsam sind diese Orte als Luthergedenkstätten bekannt. Bildrechte: IMAGO
Die Stiftskirche in Quedlinburg
Mittelalterliche Gassen, die Stiftskirche und das Schloss stehen gemeinsam für das Weltkulturerbe in Quedlinburg. Bildrechte: IMAGO
Bauhaus in Dessau
Das Bauhaus Dessau steht für moderne Wohnsiedlungen, Kunst und Design. Im kommenden Jahr feiert das Bauhaus seinen 100. Geburtstag. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Blick über die Stadt Naumburg (Sachsen-Anhalt) auf den Dom St. Peter und Paul
Als nächstes wird nun der Naumburger Dom auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Dem vorausgegangen war ein jahrelanger Antragsprozess. Bildrechte: dpa
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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Oktober 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 09:54 Uhr

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16 Kommentare

23.10.2018 14:02 Generation 55+ 16

Naumburg war schon immer Reise wert. Glückwunsch dem Ministerpräsidenten, Stadt- und Domverantwortlichen.

22.10.2018 23:25 Robert Sommerkamp 15

Eine sehr gute und würdige Entscheidung. Möge sie im heutigen Sinn zu mehr Konzentration (weniger Handy-Nutzung und eben auch auf heuteneudeutsch: Einklang im Gebet) beitragen und den Besuchern Freude, Erkenntnis und Entspannung bringen. Diese in Stein gewordenen Weinblätter im Dom und im Kloster Pforta ... herrlich für alle Genuss-Freunde...

22.10.2018 15:54 Wo ist das Lobbyregister? 14

@22.10.2018 15:13 Chuonnasuan

(Glückwunsch Naumburg, unser Ministerpräsident Reiner Haseloff untermauere zutreffend: Sachsen-Anhalts Ruf "als das Welterbeland". Sachse-Anhalt wird trotz rechtsextreme Miesmacher Weltkulturerbestadt und neben Dom, Galerie im Schlösschen, Kösener Spielzeugmanufaktur, Max-Klinger-Haus, Nitschehaus, Romanisches Haus und Stadtmuseum weitere Demokraten begrüßen und erfreuen. Das ist unser Heimat unser Land indem wir keine Nazis wollen! Demokraten sind das Volk!)

Sag' mir wo du steeehst... Sie sollten sich ihren Text laut vorlesen lassen. Wie damals auf der Parteiversammlung.