Heißwasser Wie Weißenfels Unkraut ohne Glyphosat bekämpft

Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat ist EU-weit noch bis Ende 2022 zugelassen. Weißenfels im Burgenlandkreis hat beschlossen, freiwillig auf das Mittel zu verzichten. Stattdessen entfernt die Stadt Unkraut ohne Chemie – mit heißem Wasser.

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist der am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichter. Doch das chemisch wirkende Mittel ist aufgrund unterschiedlicher Studien zur Wirkung auf Mensch und Tier umstritten. Doch die Stadt Weißenfels bekämpt Unkraut nicht mehr mit Glyphosat. Den Grund für den Verzicht auf Glyphosat erklärt der Fachbereichsleiter für Städtische Dienste, Dominik Schmidt: Es gehe vor allem um Umweltschutz. Studien deuteten darauf hin, dass Glyphosat die Artenvielfalt gefährde und möglicherweise auch Bienen schädige.

Stattdessen setzt Weißenfels nun auf eine sogenannte thermische Methode: Seit Dienstag ist ein Gerät im Einsatz, das Unkraut verbrüht. Bei der Heißwasser-Unkrautbekämpfung werden die Pflanzen mit 100 Grad heißem Wasser besprüht. Durch die Hitze gerinnt das Eiweiß in der Pflanze, die dadurch eingeht. Weißenfels hat dafür ein Gerät mit einem 1.000 Liter Wasser fassenden Tank angeschafft.

Kosten zu sparen war nicht der Grund für den Glyphosat-Verzicht: 40.000 Euro hat die Stadt für das Gerät bezahlt. Und statt nur ein- bis zweimal im Jahr Glyphosat anzuwenden, muss das Heißwasser drei- bis viermal jährlich versprüht werden, um Unkraut zu vernichten.

Einhaltung des Verbots schwer zu kontrollieren

Unkrautvernichtung mit Heißwasser Weißenfels
Mit dampfend heißem Wasser geht die Stadt Weißenfels nun gegen Unkraut vor. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weißenfels verzichtet bereits seit 2016 bei den von der Stadt bewirtschafteten Flächen auf Glyphosat. Der Stadtrat Weißenfels hat im Juni 2018 beschlossen, dass Verbot auch auf verpachtete Flächen auszudehnen. Das Verbot wird seit Anfang 2019 nach und nach in neue und verlängerte Pachtverträge aufgenommen.

Der Oberbürgermeister von Weißenfels, Robby Risch, räumt ein, dass das Verbot schwer zu kontrollieren sei. Auch Sanktionen seien nicht einfach. Man könne lediglich einen Pachtvertrag nicht verlängern, sollte ein Verstoß gegen das Verbot festgestellt werden.

Es sei auch schon vorgekommen, dass Bürger der Stadt meldeten, wenn auf Feldern etwas aufgetragen werde, sagt Risch. Aber das sei nicht immer Glyphosat. Außerdem handele es sich dabei auch nicht immer um städtische Flächen. Das Verbot habe also eine Sensibilisierung erreicht.

Glyphosat-Verbot für Kleingärtner kein Problem

Löwenzahn blüht in einer Kleingartenanlage in Weißenfels
Kleingärtner setzen in Weißenfels laut Verbandsvorsitzendem Beiersdörfer ohnehin nicht auf Glyphosat. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Zu den Pächtern der städtischen Flächen gehören unter anderem Kleingärtner mehrerer Gartenverbände. Auch sie betrifft das Glyphosat-Verbot. Der Vorstandsvorsitzende des Regionalverbands der Gartenfreunde Weißenfels, Peter Beiersdörfer, sagt, dass das Verbot für Kleingärtner eigentlich keine Rolle spiele: Gärtner entfernten Unkraut ohnehin eher mit der Hacke als mit einem Unkrautvernichter.

Allerdings befürchtet Beiersdörfer, dass einige Gärtner auch zu anderen, ebenfalls umweltschädlichen Methoden greifen könnten und beispielsweise Salz streuen würden. Er findet, die Stadt hätte auf die möglichen, umweltfreundlichen Alternativen zu Glyphosat in ihrem Informationsschreiben vom Januar direkt hinweisen sollen.

Großer Mehraufwand für Landwirte

Etwa 240 Hektar der städtischen Flächen werden landwirtschaftlich genutzt. Aus Datenschutzgründen hat die Stadt Weißenfels abgesehen vom Gartenverband jedoch keine Angaben zu ihren Pächtern. Daher konnte kein betroffener Landwirt zum Glyphosat-Verbot befragt werden.

Schmidt kann die Landwirte verstehen, die wegen des Verbots Bedenken haben. Denn für sie bedeute es einen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand. Denn sie müssen den Acker mehrfach pflügen, was nicht so effektiv gegen Unkraut wirke wie Glyphosat. Aber: "Bei der ökologischen Landwirtschaft klappt es ja auch", so Schmidt. Oberbürgermeister Risch ergänzt, dass der Konsument entscheidend sei – und die Frage, wie viel er für Lebensmittel ausgeben wolle.

Weißenfels nehme mit dem Glyphosat-Verbot in Sachsen-Anhalt eine Vorreiterrolle ein, sagt Schmidt. Abgesehen von der Stadt im Burgenlandkreis verzichten noch Magdeburg und Haldensleben in der Börde auf Glyphosat. Andere Kommunen im Land interessierten sich für das Verbot, berichtet Schmidt. So habe sich zuletzt Dessau-Roßlau erkundigt, wie der Verzicht umgesetzt werde. Bürgermeister Risch hofft, dass das Verbot eine Signalwirkung habe.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 13:37 Uhr

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5 Kommentare

17.04.2019 21:55 Arthur 5

Soweit mir bekannt, ist die Ausbringung von Herbiziden, wozu auch Glyphosathaltige gehören, auf Wege und Plätzen verboten bzw. bedarf einer Sondergenehmigung. Denn von Wege und Plätzen kann das Herbizid in die Oberflächengewässer gelangen und dort Algen abtöten und damit die Nahrungskette in den Gewässern zerstören.
Glyphosat darf nur auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebracht werden. Wo bitte sind in einer Stadt Landwirtschaftsflächen? Also ist dieses Städtische Verbot Augenwischerei.
Unkräuter mit Dampf, heißem Wasser oder Flammen zu bekämpfen ist ist förderlich für die Wurzelunkräuter. Einjährige sterben zwar ab, ausdauernte Unkräuter wachsen gleich wieder nach und haben nun keine Konkurrenten mehr.
Das heißt mindestens aller 3 Wochen mit dem Dampfstrahl über das Unkraut gehen.

17.04.2019 16:51 Fragender Rentner 4

Wenn das Gas verbrennt, wird da auch CO2 oder ähliches freigesetzt?

Jetzt kommt noch die Trockenheit dazu, und es hatte auch schon gebrannt wie im Fernsehen kam.

Da wollte jemand an seiner Hecke etwas abbrennen und am Ende waren 2 Wohnhäuser betroffen.

17.04.2019 15:41 Klarheit 3

man will ein angebliches Übel vermeiden und produziert noch mehr ..... wie Kommi 2 schon beschreibt - populistischer Unfug !

erinnert mich an den Diesel Unfug wo Strassenabschnitte (500m) gesperrt werden und erzwungene Umwege von 5000m mit dem entsprechenden mehr an Abgasen, Lärm, ... als gut befunden werden .... der Umwelt zu liebe......

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