Triebwagen Nr. 51 (Baujahr 1972) vor dem Marientor
Der Triebwagen Nr. 51 (Baujahr 1972) vor dem Marientor – seit 2007 fahren die restaurierten Wagen wieder täglich durch Naumburg. (Archivbild) Bildrechte: Mike Ewald, NSB

Weiterbetrieb gesichert "Wilde Zicke" fährt bis mindestens 2035 durch Naumburg

Von den Naumburgern wird sie liebevoll Wilde Zicke genannt, der kleinste Straßenbahnbetrieb Deutschlands. Seit 1892 existiert die Tram. Und auch künftig soll sie weiterfahren – das wird am Dienstag festgesetzt werden.

Triebwagen Nr. 51 (Baujahr 1972) vor dem Marientor
Der Triebwagen Nr. 51 (Baujahr 1972) vor dem Marientor – seit 2007 fahren die restaurierten Wagen wieder täglich durch Naumburg. (Archivbild) Bildrechte: Mike Ewald, NSB

Die Naumburger Straßenbahn ist der kleinste Straßenbahnbetrieb Deutschlands. Betrieben wird die Tram, die die Naumburger selbst liebevoll als "Wilde Zicke" bezeichnen, seit 1994 von der Naumburger Straßenbahn GmbH. Und das soll auch weiter so bleiben. Deswegen unterschreiben die Stadt und die Naumburger Straßenbahn am Dienstag einen Vertrag, der den Betrieb bis Ende Dezember 2035 sichert. Der Weiterbetrieb der Wilden Zicke wird damit vorzeitig gesichert, denn regulär wäre der Vertrag erst Ende des Jahres ausgelaufen.

Kleines Netz mit großem Zulauf

Die Fahrgastzahlen zeigen, dass auch der kleine Straßenbahnbetrieb schon lange mit den großen mithalten kann. Alleine im Jahr 2018 konnte die Straßenbahn rund 178.000 Gäste verzeichnen. Das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut Stadt zeigen die Zahlen, dass die Zicke ein zuverlässiges und etabliertes Nahverkehrsmittel ist.

Ihre Jungfernfahrt startete die zunächst dampfbetriebene Naumburger Straßenbahn im Jahr 1892. Die Umstellung auf elektrischen Betrieb erfolgte 15 Jahre später. Mit Unterbrechungen fuhren die Bahnen bis 1991 als Ringstraßenbahn.

Seit 2007 wieder im täglichen Betrieb

Nach dem Mauerfall wurde der tägliche Betrieb der Wilden Zicke aus Kostengründen eingestellt und sie nur noch touristisch genutzt. Mittlerweile ist sie wieder Teil des Nahverkehrsnetzes in Naumburg: Seit 2007 fahren die restaurierten, historischen Wagen wieder täglich.

Naumburgs "Wilde Zicke" Die Geschichte des kürzesten Straßenbahnnetzes Deutschlands

Linder- und Rekotriebwagen an der Ausweiche Markt (damals Wilhelm-Pick-Platz) in Naumburg in den 1970er Jahren
Im Juni 1892 wurde die "Naumburger Straßenbahn-Aktiengesellschaft" gegründet. Kurze Zeit später trafen erste Schienen ein und Gleise wurden verlegt. Ihre Jungfernfahrt feierte die Naumburger Dampfstraßenbahn am 15. September 1892. Nur drei Jahre später werden bereits jährlich 170.000 Personen befördert. Bildrechte: Herr Ross, Sammlung Andreas Plehn
Linder- und Rekotriebwagen an der Ausweiche Markt (damals Wilhelm-Pick-Platz) in Naumburg in den 1970er Jahren
Im Juni 1892 wurde die "Naumburger Straßenbahn-Aktiengesellschaft" gegründet. Kurze Zeit später trafen erste Schienen ein und Gleise wurden verlegt. Ihre Jungfernfahrt feierte die Naumburger Dampfstraßenbahn am 15. September 1892. Nur drei Jahre später werden bereits jährlich 170.000 Personen befördert. Bildrechte: Herr Ross, Sammlung Andreas Plehn
Historische Aufnahme der Straßenbahn Naumburg an der Haltestelle vor dem Hauptbahnhof aus dem Jahr 1952
1900 erwirbt die Stadt Naumburg die Bahn. Im Jahr 1907 wird von Dampf- auf elektrischen Betrieb umgestellt. Bildrechte: Naumburger Straßenbahn GmbH
Beiwagen Nr. 1 am Naumburger Stadtpark im Jahr 1967
1909 werden die Gleise bis zum Naumburger Bahnhof verlängert. Damit kann die Bahn den Ringbetreib auf einer 4,6 Kilometer langen Strecke um den Dom aufnehmen. Bildrechte: Günter König, Sammlung A. Plehn
Ein kleiner, roter Straßenbahnwagen fährt auf neuen Schienen.
Im Jahr 1912 befördert die Naumburger Straßenbahn 820.000 Personen, 1928 hat die Tram 1,5 Millionen Fahrgäste. Bildrechte: MDR/SAVIDAS
Naumburger Straßenbahn vor ihrem Depot
Stillstand im Zweiten Weltkrieg: Zwischen April und September 1945 wird der Straßenbahnbetrieb kriegsbedingt eingestellt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Wilde Zicke in den 1980er Jahren vor dem Naumburger Hauptbahnhof
Die Öl-Kriese in den Siebzigerjahren rettet die Naumburger Straßenbahn zunächst vor der Stilllegung. Bildrechte: Hans-Joachim Kirsche, Hans Müller: "Eisenbahnatlas DDR"
Triebwagen 17 vor dem historischen Straßenbahndepot von 1840
Mit der Wiedervereinigung geht ein Einbruch der Fahrgastzahlen einher. Am 19. August 1991 wird der Betrieb dennoch eingestellt und auf Busverkehr umgestellt. Bildrechte: Andreas Plehn
Im Innern eines alten Straßenbahnwagens.
Bis 1994 Enthusiasten die Bahn zunächst auf 300 Metern wieder fahren lassen. Sie gründen die Naumburger Straßenbahn GmbH und betreiben die Tram seitdem. Bildrechte: MDR/SAVIDAS
Ein Lokführer einer historischen Straßenbahn in Naumburg bei der Arbeit im Führerstand
Zehn Jahre später wird eine 2,3 Kilometer lange Trasse wieder in Betrieb genommen; seit 2007 fährt die Bahn wieder täglich – allerdings im Pendel- und nicht mehr im Ringverkehr. Bildrechte: MDR/Maria Selchow
Triebwagen Nr. 51 (Baujahr 1972) vor dem Marientor
2017 wird die Strecke um 440 Meter verlängert. Bildrechte: Mike Ewald, NSB
Linienplan der Naumburger Straßenbahn GmbH
Nach vier Monaten Bauzeit kann die Bahn bis zur neuen Endhaltestelle Salztor fahren. Ziel sei aber weiterhin, die ringförmige Strecke in Gänze wiederherzustellen, so damals der Geschäftsführer der Naumburger Straßenbahn, Andreas Plehn. Bildrechte: Naumburger Straßenbahn GmbH
Ältester (Nr. 17, Baujahr 1928) und jüngster Triebwagen (Nr. 51, Baujahr 1972) der NSB an der Haltestelle Curt-Becker-Platz
Im Juli 2019 wird zwischen Stadt und der Naumburger Straßenbahn GmbH vertraglich die Zukunft des Straßenbahnbetriebs gesichert – zumindest bis 2035.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23.07.2019 | 9:30 Uhr

Quelle: MDR/cw
Bildrechte: Mike Ewald, NSB
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Heute pendelt sie zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt. Die Strecke wurde 2017 um 440 Meter verlängert. Dennoch bleibt  sie mit ihren neun Haltestellen und 2,8 Kilometer Länge das kürzeste Straßenbahnnetz Deutschlands. Seit gut zwei Jahren  befördert zudem der älteste Straßenbahnwagen Deutschlands wieder Fahrgäste. Zuvor wurde er 25 Jahre restauriert. Der "Lindner"-Wagen ist im Jahr 1928 gebaut worden.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Juli 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2019, 11:10 Uhr

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3 Kommentare

24.07.2019 09:54 Bernd 3

Aber man sollte sich auch mal bei Herrn Plehn und seinem Team bedanken. Man hat etwas tolles geschaffen bzw. wiederbelebt. Und bei der Erweiterung zum Salztor haben viele gespendet. Das sind keine Leute die sagen 'das wird nie was' sondern welche die selbst am Wochenende fuer die Bahn da sind.

23.07.2019 15:15 Bernd 2

Habe Fragen zu den Bildern. Bild 11 wenn es um die Verlaengerung zum Salztor geht warum zeigt man das Marientor? Bild 6 nehme ich an es sind B u s linien gemeint. Denn bei der Strassenbahn gab es 'nur' 2. Und auch nicht durch die Schoenburger Strasse


Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Vielen Dank für die Hinweise. Wir haben die Bildtexte – die nicht stimmig mit den Bildern waren –angepasst. Bei den drei Linien war selbstverständlich von Bus-Linien die Rede. Bitte entschuldigen Sie die Verwirrung.

23.07.2019 14:44 Bernd 1

na sagen wir mal "die Medien nennen sie liebevoll Wilde Zicke", eingesessene Naumburger sagen eher "Ille" aber der Begriff "Wilde Zicke" setzt sich wohl immer mehr durch. Aber eine gute Meldung denn die Strassenbahn ist eine Attraktion der Stadt Naumburg. Und es sind ja immerhin 16 weitere Jahre. Nun noch hoffen dass eine Verlaengerung kommt.

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