"Wenn wir etwas haben, dann Platz" Wie eine Zeitzer Initiative um Start-Ups und Künstler wirbt

Aus seinem Berufsalltag als Geschäftsführer einer Eventagentur kennt Martin Exler die Vorzüge und Probleme der Stadt Zeitz sehr gut. Im Verein für Stadtmarketing Zeitz setzt er sich dafür ein, die Innenstadt zu beleben. MDR SACHSEN-ANHALT hat ihn gefragt, wie der Verein junge Existenzgründer nach Zeitz locken will.

Ein Mann im Interview mit MDR-Reporter Duy Tran
Martin Exler im Interview mit MDR-Reporter Duy Tran. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT: Vielen Zeitzern, aber auch Besuchern der Stadt, blutet das Herz, wenn sie den Leerstand in der Stadt sehen. Was kann man dagegen tun?

Martin Exler: Ja, wir haben relativ viel Leerstand in der Stadt. Wir versuchen aktuell alle, die in der Stadt aktiv sind, besser zu vernetzen. Wir haben in unserem Verein für Stadtmarketing dafür verschiedene Arbeitsgruppen gegründet. Das ist ein sehr aktives Netzwerk, wo wir schauen, wenn jemand neu in die Stadt kommen möchte und was aufbauen will, dass wir da auch Hilfestellung geben können. Dass wir unsere ganzen Kräfte bündeln, um auch nach außen besser auftreten zu können.  

Ein Beispiel für dieses Netzwerken ist ein Projekt, mit dem die jetzt leerstehende Stadtbibliothek wiederbelebt werden soll. Was passiert da?

Das machen die Künstler in unserer Stadt, insbesondere die Initiative vom Kloster Posa. Die haben das Gebäude neu belebt, als Kunsthaus, in dem viele Aktionen gestartet werden. Das ist für uns ein echter Lichtblick, dass hier Menschen neu in die Stadt kommen, zum Beispiel auch aus der Leipziger Raum, die viel Platz brauchen. Und was wir hier ausreichend haben in Zeitz, das ist Platz! Das gilt nicht nur für Kunst, sondern auch für junge Start-Ups oder Industrieunternehmen.

Wie ist da die Unterstützung der Politik?

(lacht) Ja, da kann immer noch ein bisschen mehr gehen. Wir leben in den Zeiten des beginnenden Strukturwandels. Es gibt derzeit sehr viele Diskussionsforen und Ideen, die in der Welt sind. So richtig konkret ist aber noch nichts. Wir müssen da eine noch bessere Zusammenarbeit hinbekommen. Bei der Stadtverwaltung, aber auch mit der Kreis- und Landespolitik. Damit das Land Sachsen-Anhalt auch sieht, Zeitz braucht Unterstützung. Wir hatten in den letzten 20 Jahren eine nicht ganz so gute Entwicklung. Aber das Fünkchen Hoffnung ist da, dass die Talsohle durchschritten ist. Aber Hilfe brauchen wir immer noch, damit die solche Ecken wie die Rahnestraße mit dem Leerstand in 5 bis 10 Jahren nicht mehr das Stadtbild prägen.

Die Rahnestraße hat es ja sogar in den Abschlussbericht der Braunkohlekommission der Bundesregierung geschafft. Als sogenannte “Revitalisierungsmaßnahme”. Ist das realistisch, dass das jetzt gefördert wird?

Martin Exler: Also durch die Rahnestraße geht ja die Bundesstraße B180. Und dort wohnen die Leute ja sehr ungern, weil es viel Verkehr gibt, es sehr laut und dreckig ist. Hier kann die Bundesregierung ja schon mal viel tun, wenn sie versucht, den Durchgangsverkehr aus der Stadt rauszubekommen. Die Gebäude hier sind eigentlich sehr schön, da könnte man tolle Projekte ansiedeln, um den Strukturwandel etwas abzufedern.          

Die Fragen stellte MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Duy Tran.

Quelle: MDR/ld,cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 19:02 Uhr

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