Strukturwandel und seine Folgen Staatssekretärin Zieschang über Zukunftsinstitut: "Zeitz hat die ideale Lage"

Mal was ganz Großes wagen. So könnte man die Idee eines 500 Millionen Euro teuren, durch eine Stiftung getragenen "Zukunftsinstituts" bezeichnen, das in Zeitz im Zuge des Strukturwandels entstehen könnte. Als Erste öffentlich gemacht hatte die Idee Tamara Zieschang (CDU), Staatssekretärin im Innenministerium. Neben Lob aus der Region erntete sie zunächst auch viel Kritik von Wissenschaftlern und Wirtschaftsexperten.  

Tamara Zieschang
Wünscht sich ein Zukunftsinstitut für Zeitz: Staatssekretärin Tamara Zieschang Bildrechte: Tamara Zieschang

MDR SACHSEN-ANHALT: Frau Zieschang, wie kam es zu der Idee mit dem Zukunftsinstitut?

Tamara Zieschang: Wenn wir über den Strukturwandel und den Ausstieg aus der Braunkohle diskutieren, dann ist das ja noch fast 20 Jahre hin. Und woher sollen wir heute wissen, wie wir in 20 Jahren leben? Das andere ist, dass uns allen klar sein muss, dass die Zukunft stärker digital sein wird. Und es fällt ja auf, dass viel über "smart cities" geredet wird, aber die meisten Menschen, gerade in Sachsen-Anhalt leben immer noch in kleineren Städten oder auf dem Land. Und deshalb benötigen wir dafür digitale Lösungen.

Und was soll da erforscht werden?

Ich habe heute früh in den Kühlschrank geschaut und habe festgestellt, ich habe keine Milch mehr. In 20 Jahren bestellt vielleicht mein Kühlschrank automatisch die Milch. Und die Drohne sagt mir vielleicht nur noch, wann sie die Milch vorbeibringt. Welche technischen Lösungen und Unternehmen es in 20 Jahren gibt, darüber sollen sich im Zukunftsinstitut Zeitz unterschiedliche Menschen Gedanken machen: Existenzgründer, Unternehmer, Wissenschaftler. Alle gemeinsam und interdisziplinär, um wirtschaftliche und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Nehmen wir zum Beispiel den ganzen Bereich der Telemedizin, die benötigen wir vor allem auf dem Land. Und dafür Ideen und Produkte zu entwickeln, das ist dann die Aufgabe für das Zukunftsinstitut.

Welche Rolle spielt dabei das Konzept der "smart cities"?

Eigentlich geht es gar nicht um "smart cities", sondern um "smart region". Um die Kombination der Stadt Zeitz mit der ländlichen Region, auch sehr kleinen Dörfern drum herum. Und dafür Lösungen zu finden, auch für neue Formen von Logistik und Mobilität, das ist die Idee. Und dabei müssen wir den Transfer hinbekommen. Von wissenschaftlichen Ideen zu ganz konkreten unternehmerischen Lösungen. Deshalb soll das Institut ja am Ende eine Plattform sein, man kann auch sagen eine Art digitales Bauhaus. Zeitz hat dafür auch die ideale Lage im Dreiländereck zwischen Halle, Leipzig und Jena mit einem engen Netz an Hochschulen und Universitäten.

Kritik an der Idee kam vor allem aus der Wissenschaft und vom Dresdner Ifo-Institut. Wie soll denn Zeitz mit San Francisco, Berlin oder München konkurrieren?

Es gab vielleicht am Anfang das Missverständnis, dass plötzlich ein Spitzenforschungsinstitut für künstliche Intelligenz nach Zeitz kommen soll. Nachdem aber klar war, dass schon geforscht werden soll, der Schwerpunkt aber darauf liegt, marktfähige Lösungen zu entwickeln, da war der Zuspruch aus der Wissenschaft sehr, sehr hoch. Auch die Martin-Luther-Universität Halle hat schon Kooperation angeboten. Start-Ups benötigen eine gute Infrastruktur und die wollen wir hier aufbauen. Indem das Institut ein wissenschaftliches Netzwerk aufbaut aber auch eines zu den Unternehmen, wie BMW, Porsche oder DHL. Die digitalen Lösungen aus dem Labor sollen direkt in der Region getestet werden, zum Beispiel vielleicht mit autonom fahrenden Linienbussen in Zeitz.

Wie geht's jetzt konkret weiter?

Unser Fokus für das Zukunftsinstitut richtet sich auf das Strukturstärkungsgesetz, das der Bund gemeinsam mit den Braunkohleländern erarbeitet. Und hier hatten wir den Auftrag sogenannte "Leuchttürme" zu entwickeln. Sachsen-Anhalt wird unter anderem die Modell- und Laborregion Zeitz mit dem Zukunftsinstitut vorschlagen, um es in dem Gesetz zu verankern. Der Gesetzentwurf soll noch vor der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden. Richtig beginnen werden wir aber erst, auch weil wir ja das entsprechende Stiftungsvermögen brauchen, wenn es grünes Licht vom Bund gibt.          

Die Fragen stellte MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Duy Tran.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. April 2019 | 19:00 Uhr

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