Eine Badewanne steht auf einem Podest in einem Raum.
In dieser Wanne wurde der Rentner gebadet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ermittlungen gegen Pflegerinnen Rentner wird zu heiß gebadet und stirbt

Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen zwei Mitarbeiterinnen eines Pflegeheims in Beyernaumburg im Kreis Mansfeld-Südharz. Die Frauen sollen einen Mann in einem Pflegeheim zu heiß gebadet haben. Die Obduktion ergab, dass der Mann an den schweren Verbrühungen gestorben ist.

Eine Badewanne steht auf einem Podest in einem Raum.
In dieser Wanne wurde der Rentner gebadet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen zwei Mitarbeiterinnen eines Pflegeheims in Beyernaumburg in der Einheitsgemeinde Allstedt. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Das hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle, Klaus Wiechmann, dem MDR bestätigt.

Die beiden Pflegerinnen sollen Ende Februar einen halbseitig gelähmten Mann viel zu heiß gebadet haben. Der 79-Jährige erlitt schwere Verbrühungen. Er konnte wegen eines Schlaganfalls nicht sprechen und somit keine Hilfe rufen. Als die Pflegerinnen den Vorfall bemerkten, wurde ein Notarzt gerufen. Er hat den Mann in eine Spezialklinik nach Halle bringen lassen, wo er etwa eine Woche später verstarb. Die Obduktion ergab, dass der Mann an den schweren Verbrühungen gestorben ist.

Pflegerinnen waren neu im Betrieb

Pflegeheim in Beyernaumburg im Kreis Mansfeld-Südharz.
Das betroffene Pflegeheim in Beyernaumburg. Bildrechte: MDR/Peter Heller

Die Geschäftsleitung des betroffenen Heims "Villa Terra" sei schockiert, berichtete ein MDR-Reporter. Die beiden Pflegerinnen sind 49 und 53 Jahre alt und waren noch nicht lange in der Einrichtung. Die eine Frau ist laut Angaben des Heims ausgebildete Krankenschwester und war seit Dezember 2016 angestellt. Ihre dreimonatige Probezeit wurde nicht verlängert. Die andere Frau war eine Hilfspflegekraft. Sie hatte erst seit 1. Februar dort gearbeitet hat. Ihr wurde nach Bekanntwerden des Vorfalls gekündigt.

Einrichtung bekam Bestnoten

Träger des Pflegeheims ist nach MDR-Recherchen die Projekt 3 gGmbH, die insgesamt zehn Heime im Südharz und auch in der Eifel betreibt. Dazu zählen neben Altenheimen auch Heime für Menschen mit Suchterkrankung oder geistiger Behinderung. Die Einrichtungen in Beyernaumburg, "Villa Aura" und "Villa Terra", bekam vom AOK Pflegeheimnavigator Bestnoten.

Der Träger sagte dem MDR, in "Villa Aura" und "Villa Terra" würden derzeit 100 Menschen von 75 Mitarbeitern betreut. Zudem stellte er klar, dass nicht gegen den Träger ermittelt werde, sondern gegen die ehemaligen Mitarbeiterinnen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01.03.2017 | 06:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2017, 09:09 Uhr

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40 Kommentare

03.03.2017 15:00 Wilfried 40

Sehr geehrte Damen und Herren Redakteure,
vielen Dank und viel Erfolg. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie etwas erreichen werden, denn die Medien sind nunmal eine Macht, wenn nicht die stärkste überhaupt. Warum sonst werden z.B. in der Türkei Journalisten inhaftiert?
Einen abschließenden Gedanken zu den technischen Bedingungen möchte ich noch (sinngemäß) nennen: Technische Einrichtungen sind so zu fertigen und nutzen zu können, dass diese zu keiner Zeit eine Gefahr für die Gesundheit und das Leben darstellen. Ich denke, das sagt alles. Zu dessen Umsetzung und Einhaltung gibt es u.a. für die Zulassung und Vermarktung neuer Produkte die bundesweite Marktaufsichtbehörde und z.B. den TÜV, die Berufsgenossenschaften für die bauliche Überwachung. Wie schon in meinem 1. Beitrag erwähnt habe, haben die beiden Pflegerinnen (vielleicht) ihre Aufsichtspflicht verletzt, aber wenn jemand zu entlassen war, dann meiner Meinung nach zuerst die Heimleitung bzw. die wirklich Verantwortlichen!

03.03.2017 09:33 Wilfried 39

Sehr geehrte Damen und Herren Redakteure,

ich habe mich an Sie gewand, weil ich keine Adresse von den beiden Pflegerinnen habe und gehofft, dass Sie meine Gedanken an Sie weiterreichen würden. Ansonsten hätte ich die Pflegerinnen selbst angeschrieben. Wie ich schon schrieb, ist es aus meiner Sicht nicht korrekt, nur die Pflegerinnen zur Verantwortung ziehen zu wollen und außerdem bleiben ja ohne eine Aufarbeitung der Geschehnisse diese "Zustände" in den Heimen auch für die Zukunft bestehen, soll heißen, wenn mal wieder jemand unachtsam ist, ist der Nächste tot. Aber genau weil keiner von uns unfehlbar ist, gibt es Vorschriften. Würden diese eingehalten, hätte die Wanne auch überlaufen können und es wäre trotzdem keiner zu Schaden gekommen. Die Technik dafür gibt es. Und schlussendlich bin ich der Meinung, dass es keinen Sinn macht hier einen Kommentar abzugeben, wenn er nur der Unterhaltung dient. Ich kann leider nicht viel tun, aber Sie, die Presse, schon!

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Leider haben auch wir die Anschrift der Pflegerinnen nicht. Wir bleiben aber an dem Thema dran!

02.03.2017 23:29 Daniela 38

Ich bin sowas von entsetzt über diesen tragischen Vorfall. Ich kann es mir nicht erklären das 2 erwachsene Menschen die täglich im Rahmen ihrer Arbeit immer wieder Menschen baden, nicht bemerken das mit der Temperatur des Badewassers etwas nicht in Ordnung ist !? Immerhin waren sie zu zweit. Das Wasser muss doch gedampft haben bzw. hätte mit einem Thermometer nachgemessen werden müssen. Wenn man die Hand ins Wasser gehalten hätte selbst da hätte man es gemerkt. Ich bete für diesen armen hilflosen Mann der solche schlimmen Qualen zu seinem Leiden noch zusätzlich ertragen musste. Der Familie wünsche ich viel Kraft diesen Verlust zu verarbeiten. Fast jeder steht irgendwann vor der Entscheidung einen Angehörigen in vertrauensvolle Hände der Pflege zu übergeben weil es keine andere Möglichkeit gibt. Das dieses Vertrauen so derartig missbraucht wurde dafür gibt es keine Entschuldigung. Ich hoffe das diese beiden Damen die gerechte Strafe erhalten werden !!!