Drei Faltboote stehen in einem Regal.
Neue Farben und neue Materialien sollen die Poucher Faltboote wieder flott machen. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Traditionsunternehmen Frischer Wind für Poucher Faltboote

Poucher Faltboote sind weltbekannt. Zur DDR-Zeit produzierten 180 Beschäftigte in dem Werk bei Bitterfeld pro Jahr 7.000 Boote und Zelte. 2016 musste das 1950 gegründete Unternehmen Insolvenz anmelden. Da sah es gar nicht gut aus für die traditionsreiche Faltboot-Werft. Inzwischen tut sich aber wieder etwas im Unternehmen: Es gibt einen neuen Geschäftsführer, eine moderne Werkstatt und frische Ideen.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Drei Faltboote stehen in einem Regal.
Neue Farben und neue Materialien sollen die Poucher Faltboote wieder flott machen. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Helmar Becker blättert aufmerksam die Auftragsbücher durch. Dabei nickt der Geschäftsführer der Poucher Faltboot GmbH zufrieden: "Wir haben in diesem Jahr schon Faltboote nach Abu Dhabi, Chile und in die USA verkauft, viele Boote gingen auch nach Schweden, Österreich und in die Schweiz. Die meisten Bestellungen kommen aber natürlich aus Deutschland."

Becker ist ein Kerl wie ein Baum, 48 Jahre alt, verheiratet. Er kommt aus Bitterfeld-Wolfen und ist der neue Kapitän in der traditionsreichen Faltbootwerft. "Ich bin Wassersportler von Kindheit an, ich bin auch heute noch als Regatta-Segler aktiv und natürlich kenne ich die Poucher Boote."

Neue Farben für die Boote

Also hat Helmar Becker nicht lange gezögert, als das Angebot kam. Nun hat er das Ruder bei den Poucher Faltbooten übernommen und schon so einiges verändert: "Wir haben die Reparaturdauer deutlich verkürzen können. Neue Boote liefern wir inzwischen schon nach etwa acht Wochen aus. Das Ziel ist, dass wir Boote direkt vom Lager verkaufen können, da sind wir auf einem guten Weg."

Eine Frau arbeitet an einem Faltboot.
Montiert werden die Boote nicht mehr in Pouch, sondern in Bitterfeld. Bildrechte: MDR/Martin Krause

In neue Werkzeuge und Maschinen sind laut Becker mehrere tausend Euro geflossen. Die Tischlerei befindet sich noch am alten Traditions-Standort in Pouch. Montiert werden die Faltboote aus bis zu 1.000 Einzelteilen nun aber in einer Werkstatt in Bitterfeld. Dort ist, so Becker, auch viel frische Farbe eingezogen. "Wir verwenden neue Materialien für die Verdecke. Die gibt es nicht mehr nur in blau. Es gibt Boote nun auch in den Farben beige, anthrazit und terrakotta – das kommt sehr gut an bei den Kunden."

Derzeit hat das Unternehmen zehn Mitarbeiter. Vier verschiedene Modelle werden aktuell gebaut. Beliebt seien die Drei- und Zweisitzer, so Becker.

Neues Modell im Herbst

Derweil tüfteln die Poucher Bootsbauer an einem neuen Kanu für bis zu vier Personen, sagt Werkstattleiter Ronny Rückauf: "Sechs Wochen brauchen wir für den groben Schnitt. Das Boot soll ja auch faltbar sein. Daher darf es nicht zu groß und nicht zu schwer sein. Die ersten Entwürfe werden immer wieder in der Praxis getestet und dann mehrfach überarbeitet. Das Kanu muss ja auch gut aussehen und stabil sein."

Das neue Modell soll im Herbst auf einer Bootsmesse vorgestellt werden. Geschäftsführer Helmar Becker will dann auch weitere Näherinnen einstellen. Künftig sollen pro Jahr etwa 150 Boote in Handarbeit gefertigt werden. Die Poucher Boote GmbH ist eine von nur noch zwei Faltbootmanufakturen in Deutschland.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17.07.2017 | 15:10 Uhr

Quelle: MDR/ms

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 09:27 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.