Keine Flüge nach Frankfurt Was die Lufthansa-Streichungen für die Passagiere am Flughafen Halle/Leipzig bedeuten

Thomas Tasler
Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Mit der Route von Leipzig/Halle nach Frankfurt setzt die Lufthansa eine historische Flugverbindung aus. Das hat natürlich auch Auswirkungen für die Passagiere, die künftig öfter auf den Zug umsteigen müssen. MDR-Flughafen-Experte Thomas Tasler erklärt, was sich für die Menschen konkret ändert und wie der Flughafen Leipzig/Halle bislang durch die Corona-Zeit gekommen ist. Die wichtigsten Auswirkungen im Überblick:

Flughafen Leipzig/Halle, 2006
Vom Flughafen Halle/Leipzig wird Frankfurt auch weiterhin nicht angeflogen. Bildrechte: imago/blickwinkel

Lufthansa will erstmal nicht mehr von Leipzig/Halle nach Frankfurt fliegen: Was bedeutet das für die Zukunft?

Sollte die Flugverbindung nach Frankfurt auch nach der überstandenen Coronakrise nicht mehr angeboten werden, würde der Flughafen Leipzig/Halle eine seiner wichtigsten Flugverbindungen verlieren. Vor Beginn der Coronakrise hat die Lufthansa den größten mitteldeutschen Airport bis zu fünf Mal am Tag mit ihrem internationalen Drehkreuz verbunden. Ein Großteil der Passagiere ist aber in Frankfurt nicht aus- sondern umgestiegen. Denn die Fluggesellschaft betreibt in Frankfurt ihr größtes Drehkreuz und bedient von hier aus einen Großteil ihrer internationalen Flugziele. Die Verbindung zwischen Frankfurt und Leipzig/Halle war daher vor allem ein Zu- und Abbringerflug für die Langstreckenflüge der Lufthansa.

Die Lufthansa hat aber angekündigt, ab 7. September wieder elf Mal in der Woche von Leipzig/Halle nach München zu fliegen. Mit 86 Flugzielen innerhalb Europas und 113 Langstreckenzielen in Nordamerika, Nahost und Asien ist München für viele Fluggäste sicherlich auch ein attraktiver Umsteigeflughafen. Allerdings gibt es zahlreiche Langstreckenziele – vor allem in Südamerika und Afrika – die nur über den Flughafen Frankfurt erreichbar sind. Leipzig/Halle würde mit dem dauerhaften Wegfall der Flüge nach Frankfurt also einen seiner beiden direkten Anschlüsse zum Interkontinentalflugverkehr der Lufthansa und ihrer Partnerairlines verlieren.

Zug steht 2005 am Bahnsteig des Bahnhofs Flughafen Leipzig/Halle
Lufthansakunden sollen künftig auf die Deutsche Bahn umsteigen. Bildrechte: IMAGO

Zudem wäre es der Verlust einer historische Strecke. Denn die Lufthansa bediente die Strecke seit dem 10. August 1989. Für die Kranichlinie war es damals die erste innerdeutsche Flugverbindung zwischen Ost und West – ein wichtiges Zeichen für die Annäherung beider deutscher Staaten. Weil vor dem Mauerfall aber keine deutsche Airline die damalige innerdeutsche Grenze überfliegen durfte, mussten die ersten Flüge noch einen Umweg über die Tschechoslowakei fliegen.

Als Alternative werden nun ICEs angeboten. Wie soll das in der Praxis ablaufen, was hat die Lufthansa noch damit zu tun?

Die Fluggäste in Richtung Frankfurt können in einem gewöhnlichen Zug der Deutschen Bahn mitfahren, nicht in einem speziellen Zug nur für Lufthansa-Kunden. Allerdings werden in den ICE-Zügen der Linie 50 bestimmte Bereiche speziell für die Lufthansa-Kunden reserviert. Die Fluggäste fahren mit ihrer Lufthansa-Bordkarte dann im ICE direkt zum Frankfurter Flughafen. Ein Vorteil für die Reisenden: Sollte es zu Verspätungen oder Ausfällen kommen, werden sie automatisch auf den nächsten verfügbaren Flug umgebucht.

Bislang mussten sich die Flugreisenden selbst um Alternativ-Verbindungen kümmern, wenn sie wegen einer Bahnverspätung den Flug verpasst haben. Das als "Lufthansa Express-Rail" beworbene Angebot ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Bahn und der Lufthansa und kann bereits von 14 deutschen Städten genutzt werden. Lufthansa und Deutsche Bahn haben zudem angekündigt, das Angebot in Zukunft noch deutlich auszubauen. Beide Konzerne erklärten, man wolle durch die Verknüpfung des Bahn- und Luftverkehrs die nachhaltige Verkehrswende in Deutschland unterstützen. Das Gepäck können die Fluggäste aber erst im Terminal in Frankfurt einchecken.

Flughafensprecherin Schuster sagte, die Normalität am Flughafen Leipzig/Halle werde wohl erst in einigen Jahren einkehren: Was genau bedeutet das und gibt es neben Lufthansa weitere Airlines, die Verbindungen ab Leipzig/Halle streichen?

Bereits jetzt ist das Angebot vom Flughafen Leipzig/Halle stark eingeschränkt. Aktuell heben nur einige wenige Ferienflieger täglich ab. Einen weiteren Linienflug hat nun Eurowings angekündigt. Die Lufthansa-Tochtergesellschaft will Leipzig/Halle ab Sonntag wieder täglich außer Sonnabends mit Düsseldorf verbinden.

Ob und wann die anderen Flugverbindungen nach Wien und Moskau sowie die zahlreichen Ferien-Destinationen wieder aufgenommen werden, lässt sich aktuell nur schwer einschätzen. Denn klar ist, kaum eine Branche wurde von der Coronakrise so hart getroffen wie die Luftfahrt.

Ehe der Flugverkehr wieder Fahrt aufnehmen kann, muss zunächst die Coronakrise in den Griff bekommen werden. Dafür sind auch international einheitliche Regelungen im Gesundheitswesen verantwortlich, meint auch der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Peter Gerber: "Die Erholung unseres Geschäfts hängt davon ab, einigermaßen behinderungsfrei von A nach B zu reisen, vor allem im Interkontinental-Bereich."

Wie ist der Flughafen Leipzig/Halle bislang durch die Coronakrise gekommen?

Der Passagierflugverkehr in Leipzig/Halle kam wie an den meisten anderen Airports auch völlig zum Erliegen. Wochenlang ist keine einzige Maschine mit Fluggästen gelandet oder gestartet. Allerdings lief das wichtige Luftfrachtgeschäft am Flughafen normal weiter. So ist Leipzig/Halle der einzige der vier umsatzstärksten Luftfracht-Flughäfen, der im Krisenzeitraum von März bis Mai seine Frachtmenge im Vorjahresvergleich ausbauen konnte. Und zwar um 3,7 Prozent. München, Frankfurt/Main und Köln/Bonn verzeichneten hingegen zum Teil deutliche Rückgänge. Mitte April war das DHL-Drehkreuz an einem Tag sogar der verkehrsreichste Flughafen Europas.

Thomas Tasler
Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Über den Autor Thomas Tasler arbeitet seit Juni 2019 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Er schreibt in der Online-Redaktion und ist als Reporter im Radio zu hören. Bevor der gebürtige Südthüringer nach Magdeburg kam, hat er in Leipzig bei MDR AKTUELL und mephisto 97.6 Station gemacht. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Luftfahrt – kein Wunder, dass er bei diesem Thema Ansprechpartner Nummer eins im Funkhaus ist.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 31. Juli 2020 | 06:00 Uhr

1 Kommentar

beyer vor 1 Wochen

Ein klitzekleiner Schritt in die richtige Richtung....

Mehr aus Sachsen-Anhalt