Halle an der Saale: Marktplatz mit 'Marktkirche Unser Lieben Frauen' und Rotem Turm
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Kulturhauptstadt Europas 2025 Halle bewirbt sich nicht als Kulturhauptstadt

Halle wird sich nicht um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" bewerben. Das hat der Stadtrat am Mittwoch beschlossen. Für Halle wäre es der zweite Bewerbungsversuch als Kulturhauptstadt gewesen. Doch nach Unstimmigkeiten im Vorfeld sieht der Stadtrat von einer erneuten Bewerbung ab.

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Die "Kulturhauptstadt Europas" wird 2025 nicht Halle heißen. Der Stadtrat hat am frühen Mittwochabend entschieden, sich nicht um den Titel zu bewerben.

Ein Beirat hatte im letzten halben Jahr die Empfehlung für eine Bewerbung unter dem Motto "Halle (Saale): vernetzte Stadt" erarbeitet. Darüber wurde im Vorfeld eifrig gestritten. Kultur- und Hauptausschuss hatten sich für dieses Großereignis ausgesprochen, der Finanzausschuss war dagegen. Kritiker meinten, Halle habe genug damit zu tun, die bestehende Kulturlandschaft am Leben zu erhalten. Denn die Bühnen stehen finanziell alles andere als auf festen Beinen.

Themenwahl sorgt für Diskussion

Auch das Motto "Halle (Saale): vernetzte Stadt" gefiel nicht allen. SPD-Fraktionschef Johannes Krause beispielsweise konnte sich nicht damit anfreunden. Er kritisierte vor allem, dass die Themenfindung hinter verschlossenen Türen stattgefunden habe. Deshalb kam aus Reihen der SPD vorwiegend ein Nein für die Bewerbung.

Rudenz Schramm von den Linken sieht das anders: Er findet die Themenwahl spannend und sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Natürlich hat das auch einen Einfluss auf die kulturellen Fragen. Wie gehe ich mit dem Internet um? Haben wir eine digitale Spaltung? Werden alle in der Bevölkerung dran beteiligt?" Wenn aus dem Konzept am Ende die Kulturhauptstadt herauskäme, sei das sehr schön. Aber beschäftigen müsse man sich mit diesen Fragen so oder so.

Zweite Bewerbung um den Titel

Für Halle wäre es bereits der zweite Anlauf um den Titel "Kulturhauptstadt Europas" gewesen. Die Idee, dass sich Halle bewerben solle, kam im August 2016 auf. Oberbürgermeister Bernd Wiegand hatte das angeregt. Selbst der Stadtrat, der in vielem nicht mit dem Oberbürgermeister übereinstimmt, zeigte Interesse. Halle hatte sich bereits im Jahr 2005 um den Titel beworben, ihn am Ende aber nicht bekommen. Neben Halle bereitet sich auch Magdeburg seit Jahren auf die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 vor. Die Landeshauptstadt wird dabei vom Land unterstützt.

Die Kulturhauptstadt Europas: Die Europäische Union verleiht den Titel Kulturhauptstadt Europas seit 1985. Ziel der Initiative, die auf die damalige griechische Kulturministerin Melina Mercouri zurückgeht, ist laut EU-Kommission, den "Reichtum und die Vielfalt der Kulturen Europas hervorzuheben" oder auch den Tourismus zu fördern. Auch soll sie das Image der Städte verbessern, auch bei den Bewohnern selbst. Zudem soll das Gefühl der Europäer gestärkt werden, einem gemeinsamen Kulturkreis anzugehören.

Die erste Kulturhauptstadt war Athen. Kulturhauptstädte 2017 sind Aarhus in Dänemark und Paphos auf Zypern.

Aus Mitteldeutschland gehen zudem noch Dresden und Chemnitz ins Rennen. Außerdem bereiten Kassel, Nürnberg, Hildesheim, Hannover und Koblenz Bewerbungen vor. Die Entscheidung, welche deutsche Stadt 2025 zum Zug kommt, fällt nach einem ausführlichen Verfahren erst 2020. Neben Deutschland darf für 2025 auch Slowenien eine Stadt benennen.

Europäische Kulturhauptstadt waren aus Deutschland bislang 2010 Essen mit dem Ruhrgebiet, 1999 Weimar und 1988 Berlin. Den EU-Titel gibt es seit 1985.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21.06.2017 | ab 08:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/dpa/cw/ms

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2017, 19:25 Uhr

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3 Kommentare

23.06.2017 19:02 Andreas 3

@1
Magdeburg bereitet die Bewerbung schon seit Jahren vor. Da ist es mehr als legitim, wenn das Land MD unterstützt, zumal es zu der Zeit gar keinen weiteren Bewerber in Sachsen-Anhalt gab.
Wie heißt es so schön: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Als sich Halle vor Jahren erfolglos beworben hatte, hat Magdeburg auch, zugunsten Halles, auf eine weitere Bewerbung verzichtet.
Im übrigen braucht Halle keine Angst zu haben. bei Landesmitteln zu kurz zu kommen. Ich sage nur: Stadion!

22.06.2017 09:50 Lokalpatriot 2

Die beste Entscheidung des Stadtrates seit langem überhaupt, bravo! Zum Glück wurde wieder ein absurdes Szenario des eigenwilligsten OB gestoppt, den Halle je gesehen hat. Allein die Bewerbung an sich hätte Millionen verschlungen, bei Halles klammer Haushaltslage ein Desaster. Das Geld lieber in Bildung und Kultur stecken (siehe defizitäre Kultur GmbH), damit wir weiter mitspielen können - im wahrsten Sinn des Wortes. Ich freue mich auf den Tag von Neuwahlen in Halle, bin mir aber nicht sicher, ob es dann wirklich geeignete Kandidaten für das Amt des OB geben wird, die Kompetenz und Diplomatie an den Tag legen, derzeit leider eher peinlich. Aber vielleicht kommen ja Neuwahlen schneller auf uns zu als gedacht, wenn die Gerichtsbarkeit endlich die Machenschaften des Herrn Dr.W. aufdeckt.

22.06.2017 06:51 Gerd Mikler 1

Das ist schon sehr seltsam. Halle nicht, Magdeburg ja. Und Magdeburg als Landeshauptstadt wird sogar vom Land unterstützt. Will man da unbedingt aus dieser Möchtegernhauptstadt etwas zusammenschustern? Kann es sein, dass die Stadträte aus Gehorsam und Angst vor den Möchtegerns einknicken? Kopf nach unten, anstatt stolz erhoben? Schwach.