#miteinanderstark Kontakt halten trotz Besuchsverbot: Was Altenheim-Bewohnern in Corona-Zeiten hilft

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

In Altenpflegeheimen in Halle gilt wegen des Coronavirus im Moment ein Besuchsverbot – so auch im Johannes-Jänicke-Haus. Martin Cimo arbeitet dort als Altenpfleger. Er erzählt, wie die Senioren sowohl durch die Heim-Mitarbeiter als auch Angehörige in diesen Zeiten unterstützt werden.

Altenpfleger Martin Cimo vor dem Johannes-Jänicke-Haus Halle
Altenpfleger Martin Cimo erzählt, dass die Senioren trotz Besuchsverbot über Telefon und Briefe Kontakt zu Angehörigen halten. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Seit knapp drei Wochen dürfen die etwa 130 Bewohner des Altenpflegeheim Johannes-Jänicke-Haus vom Diakoniewerk Halle keinen Besuch mehr bekommen. Vorübergehend dürfen sie ihre Kinder und Enkel nicht sehen. Der Grund: das Coronavirus. Während in Sachsen-Anhalt das Besuchsrecht lediglich eingeschränkt wurde, hat die Stadt Halle den Katastrophenfall ausgerufen und für Pflegeheime ein generelles Besuchsverbot verhängt. Der Besuchsstopp soll die Heimbewohner, die aufgrund ihres Alters eine Risikogruppe sind, vor einer Erkrankung durch das Virus schützen.

Für die Bewohner sei das Besuchsverbot nicht einfach, erzählt Altenpfleger Martin Cimo. Zusätzlich seien manche durch Medienberichte beunruhigt. "Sie haben Angst, selbst zu erkranken. Aber noch mehr sorgen sich darum, dass Angehörige erkranken könnten", schildert er. "Dagegen hilft nur, als Pfleger Ruhe zu vermitteln und Aufklärung zu leisten." Die etwa 70 Altenheim-Mitarbeiter hielten sich dabei vor allem an die Informationen des Robert-Koch-Instituts.

Beschäftigungsangebote besonders wichtig

Besuchsverbotsschild wegen des Coronavirus am Eingang zum Johannes-Jänicke-Haus Halle
Um die Heimbewohner vor einer Erkrankung zu schützen, ist Besuch verboten. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Im Seniorenheim gilt wegen Corona nicht nur ein Besuchsverbot: Die Bewohner dürfen das Gebäude derzeit auch nicht verlassen. "Das war für einige anfangs wirklich schwer zu verstehen, dass sie nicht einmal mehr ihren Spaziergang machen dürfen", erzählt Cimo. Selbst der sonnige Garten des Heims sei im Moment tabu. "Aber durch zwei große Balkone bekommen trotzdem alle genug Frischluft", sagt Cimo.

Durch das Besuchsverbot und die Ausgangssperre seien die Mitarbeiter des sozialen Diensts gerade ganz besonders wichtig, sagt Cimo. Denn die Mitarbeiter des sozialen Diensts würden mit den Bewohnern zum Beispiel Kuchen backen, Sport und Gedächtnistrainings machen. "Wir Altenpfleger könnten diese Betreuung nicht noch zusätzlich leisten", sagt er. "Den sozialen Dienst kann man also gerade gar nicht genug wertschätzen." Gespräche mit der Pfarrerin des Heims würden Bewohnern darüber hinaus bei Ängsten helfen.

Notfallplan, falls Coronavirus im Heim auftritt

Martin Cimo arbeitet seit November im Johannes-Jänicke-Haus. Das Coronavirus habe seine Arbeit als Altenpfleger nur wenig verändert, erzählt er. In Pflegeheimen hätten schon vor Ausbruch des Virus sehr strikte Hygienemaßnahmen gegolten, die nur geringfügig angepasst werden mussten. "Wir desinfizieren uns nun eben noch einmal mehr die Hände", so Cimo.

Johannes-Jänicke-Haus in Halle
Das Johannes-Jänicke-Haus ist gut gegen das Coronavirus aufgestellt, findet Martin Cimo. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Eine Kleinigkeit habe sich durch die Corona-Krise verändert: "Die Mitarbeiter halten jetzt noch mehr zusammen." Cimo findet, dass das Johannes-Jänicke-Haus gut aufgestellt ist: "Wir haben genug Ausrüstung, genug Mundschutze zum Beispiel." Die Burg-Apotheke stelle für das Altenheim Desinfektionsmittel her. Die Diakonie habe darüber hinaus einen Krisenstab zusammengestellt. Für den schlimmsten Fall – wenn also wie etwa in Jessen im Heim das Virus festgestellt werden sollte – gebe es einen Katastrophenplan. "Ansonsten gilt im Altenheim schon immer: Wenn jemand krank ist, bleibt er oder sie zu Hause."

Kontakt zu Angehörigen über Telefon und Briefe

Bisher sei kein Mitarbeiter durch Krankschreibung oder durch die nun eingeschränkte Kinderbetreuung ausgefallen, berichtet Cimo. Er habe daher bisher auch nicht mehr Schichten als sonst übernehmen müssen. "Meine Frau kann im Homeoffice arbeiten und passt auf unser kleines Kind auf, nach meiner Schicht übernehme ich." Jeden Tag würden sie einen kleinen Spaziergang machen. "Ich denke, durch das Coronavirus ist für viele die Familie wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt", sagt Cimo.

Trotz Besuchsverbot halten Bewohner und ihre Familien Kontakt: über Telefonate, die jederzeit möglich seien, und Briefe. Angehörige würden auch Päckchen schicken, erzählt Cimo. "Es ist schön zu sehen, dass manche nun Briefe neben ihrem Bett liegen haben." Wer ein eigenes Handy habe, könne außerdem mit Video telefonieren.

Nicht nur Angehörige können Briefe an Senioren schreiben

Eine Aktion fand Martin Cimo besonders schön: "Eine Familie hat einen Brief geschickt, in dem mehrere Gruß-Postkarten lagen, die die Enkel geschrieben hatten. Auch mit Fragen wie 'Hast du auch Enkel?' und einer Adresse für die Antwort." Diese Postkarten seien unter den Bewohnern verteilt worden. "Das hat vielen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert", erzählt Cimo. Die Idee dürfe also gerne kopiert werden – nicht nur von Angehörigen:

Wer Bewohner in Altenpflegeheimen während des Besuchsverbots unterstützen möchte, kann ihnen Briefe oder Karten schreiben. So können sie den Kontakt nach außen halten.

Martin Cimo, Altenpfleger
Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT – in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

4 Kommentare

Dreibeiner vor 24 Wochen

Oma im SLK würde sich auch freuen. Vllt. macht sich MDR schlau und veröffentlich Tel. + eMail. von Hilfsbereiten
Senioren >80 [oft mit Rollator] sind aus den Straßen verschwunden

Mala 1968 vor 24 Wochen

Liebe Kollegen und Kolleginnen Einrichtungsleitung.
Es ist eine schwere Zeit für unsere Bewohnern und deren Angehörigen.
Sängerin baute Ihre Musikanlage vor der Tür und im Nachgang in Garten auf und sang. Wir haben alle Fenster der Bewonher Zimmer geöffnet, damit Sie Musik hören konnten. Das kam sehr gut an. Presse hatte ich informiert.
Unter Evangelische Kirchengemeinde Homberg Ratingen sehen Sie das Video

3. Unser Pfarrer hat per Video Gottesdienst abgehalten. Wir spielen es ab
5. Per Handy kleine Nachrichten aufgenommen und an Angehörige gesendet. Alle waren gerührt.

7. Psychologische Hilfe für Personal und Bewohner per Telefon. Eine Psychologin bietet sich kostenlos an.
8. Für das Immunsystem : verteilen wir Ingwer Tee, frischen I-Saft und erfüllen Bewohner Essenswünsche

10. Essen und Pizza für Personal

Es gibt unzählige Ideen.
Viel Spaß beim umsetzen.
Liebe Grüße Malahat Dinkelmann
Diakonie im kirchenkreis Düsseldorf
Haus Wichern Ratingen Homberg

Mooie geest vor 25 Wochen

welche Eisläden beliefern frei Haus an die Wohnungstür in Sachsen, Türingen und Sachsen-Anhalt
Studenten und Schüler so ab 5-6 Klasse könnten Einkäufe für Rewe, Penny, Netto, Edeka und Lidl in der vielen freien Zeit älteren Leuten an die Wohnungstür bringen

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