Attentat auf Synagoge Anschlag von Halle: Überwachungsvideo wirft Fragen zum Verhalten der Polizei auf

Ein Überwachungsvideo vom Anschlag auf die Synagoge in Halle wirft Fragen zum Vorgehen der Polizei auf. Das Video zeigt unter anderem, dass der Täter nochmal zur Synagoge zurückkehrte, als die Polizei schon vor Ort war. Niemand stoppte ihn.

Die Tür der Synagoge in Halle weist Spuren von Beschuss auf.
Antisemitischer Anschlag im Oktober: Aufnahmen der Überwachungskamera am Eingang zur jüdischen Gemeinde Halle werfen neue Fragen zur Polizeiarbeit auf. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Ein Überwachungsvideo vom Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019 wirft neue Fragen zum Vorgehen der Polizei auf. Über die Aufnahmen berichteten die "Süddeutsche Zeitung" sowie WDR und NDR. In dem Video der Überwachungskamera der jüdischen Gemeinde ist demnach zu sehen, wie die Polizei vor der Synagoge eintrifft. Eine Beamtin laufe um die niedergeschossene Frau herum, leiste aber keine erste Hilfe. Auch andere Passanten helfen ihr den Aufnahmen zufolge nicht.

Der Attentäter sei zudem später noch einmal an der Synagoge vorbei gefahren, ohne dass ihn jemand stoppte. Sein Kennzeichen sei zu diesem Zeitpunkt aber bereits über den Polizeifunk verbreitet worden. Die Videoaufnahme aus einer Überwachungskamera hatte das Bundeskriminalamt bereits kurz nach dem Anschlag sichergestellt.

Auf Anfrage teilte ein Sprecher des Innenministeriums MDR SACHSEN-ANHALT lediglich mit, wegen der aktuellen Ermittlungen könnten keine weiteren Auskünfte zu den Geschehnissen im Video erfolgen.

Untersuchungsausschuss zur Polizeiarbeit

Im Dezember hat ein Untersuchungsausschuss im Landtag begonnen, sich mit der Arbeit der Polizei am Tag des Anschlags auseinanderzusetzen. Es geht auch um die Frage, warum die hallesche Synagoge am 9. Oktober, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, nicht von der Polizei geschützt wurde. Die für Januar angesetzte erste Sitzung des U-Ausschusses wurde abgesagt. Es fehlten von der Landesregierung angeforderte Akten, die von den Behörden und Ministerien noch nicht zur Verfügung gestellt worden seien, sagte Ausschusschef Sebastian Striegel (Grüne).

Rüdiger Erben (SPD), ebenfalls im Untersuchungsausschuss vertreten, teilte mit, dass verstörend sei, was aus dem Video berichtet werde. Daher sei es wichtig, dass der Untersuchungsausschuss in zwei Wochen zum Arbeiten komme. Erben geht davon aus, dass bei dieser Sitzung bereits Beweisbeschlüsse beantragt werden könnten.

Attentäter tötete zwei Menschen

Am 9. Oktober 2019 hatte ein Rechtsextremer versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Als das misslang, weil die Tür dem Angriff standhielt, erschoss er zwei Passanten – eine Frau vor der Synagoge und einen jungen Mann in einem Döner-Imbiss.

Quelle: MDR/mh,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Februar 2020 | 09:00 Uhr

8 Kommentare

Ein Hallenser vor 16 Wochen

Ich finde es unerträglich wie immer auf der Polizei herumgehackt wird. Wir verhalten uns immer, vor allen in Extremsituationen, richtig? Auch bei der Personenrettung geht erstmal die eigene Sicherheit vor, auch muss erstmal die Lage sondiert werden. Möglicherweiße war die Frau auch schon Tot und eine Erste Hilfe daher nicht mehr notwendig! Auch die Passanten und die Augenzeugen, es gab ja ein paar, haben keine Erste Hilfe geleistet.

Wie ein vorbeifahrendes Auto mit einem um sich schießenden Fahrer gestoppt werden kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch hier muss man ja erstmal wissen, wie war die Lage, wo war die nächste Polizei?

Zu diesem Zeitpunkt wusste keiner so Recht was los war. Und hinterher schlau reden ist immer einfach. Der Polizeieinsatz gehört aufgearbeitet und die Fehler die man gemacht hat müssen analysiert werden, um sie in Zukunft nicht mehr zu machen. Aber ohne Vorwürfe an die handelnden Polizisten, denn Sie halten jeden Tag für unsere Sicherheit den Kopf hin!

Simone vor 16 Wochen

Wie wäre es einmal mit einem konstruktiven Beitrag statt herumheulerei und sich in die Schmollecke zu verkriechen?

In einer Demokratie kann, darf und muss man die Handlungen von staatlichen Akteuren hinterfragen dürfen und wenn die Polizei Fehler gemacht hat, dann sind diese zu benennen und ihre Ursachen zu benennen. Vom sich selbst auf die Schulter Klopfen hat weder die Polizei noch die Gesellschaft etwas.

Oder sind sie der MEinung die Polizei macht keine Fehler oder hat bereits alles ihre Verfahren und Vorgehensweisen optimiert?

Jakob T. vor 16 Wochen

Zum Prinzip der Gewaltenteilung gehört auch ein ständiges kritisches Hinterfragen des Handelns anderer Staatsorgane. Insbesondere desjenigen der Polizei, die ja als einzige physische Macht und Gewalt ausüben darf.
Zur Gewaltenteilung gehört es auch, dass nicht jedes Dokument sofort jedem zugänglich ist, und Entscheidungen und Bewertungen daher lange dauern. Warum das Video jetzt zur Sprache kam, ist im Artikel skizziert.
Seien Sie froh, dass das dauert, das sind nämlich die gleichen Mechanismen, die Sie und mich vor Willkür einzelner Staatsorgane oder ihrer Vertreter schützen sollen.
Noch wurde übrigens kein Schuldiger benannt. Reines Aufzeigen von Fragen und Widersprüchen ist in einem Rechtsstaat noch keine Verurteilung der betreffenden Beamten.
Also: Einfach etwas gedulden, nach dem ERGEBNIS des Untersuchungsausschuss können wir hier gerne diskutieren, wer Schuldiger oder Sündenbock ist.

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt