Großaufgebot der Polizei vor Ort Rund 200 Menschen demonstrieren in Halle gegen Corona-Politik

Auf dem Hallmarkt in Halle haben am Montagabend rund 200 Menschen gegen die Corona-Politik von Bund und Land protestiert. Laut Polizei kamen rund 500 Gegendemonstranten. Laut Polizei gab es keine Zwischenfälle oder größere Verstöße gegen die Auflagen.

Teilnehmer einer Kundgebung der AfD protestieren unter dem Motto 'Stoppt die Corona-Diktatur' im Zentrum von Halle/Saale.
Auf dem Hallmarkt hatten sich laut Polizei rund 200 Menschen versammelt, um gegen die Corona-Politik von Bund und Land zu demonstrieren. Bildrechte: dpa

Im Zentrum von Halle sind am Montagabend rund 200 Menschen einem Aufruf der AfD gefolgt, gegen die Corona-Politik von Bund und Land zu protestieren. Das teilte ein Sprecher der Polizei mit. Ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT berichtete gegen 19 Uhr von einer "recht überschaubaren Lage" auf dem Hallmarkt. Die Demonstrantinnen und Demonstranten hielten die verordnete Maskenpflicht demnach weitgehend ein. Auch die Abstände stimmten weitgehend. Inzwischen ist die von der AfD gemeldete Kundgebung beendet. Die Partei hatte den Protest unter dem Motto "Stoppt die Corona-Diktatur" angemeldet.

Zum Gegenprotest, zu dem das Bündnis "Halle gegen Rechts" aufgerufen hatte, kamen nach Polizeiangaben von 19 Uhr etwa 500 Menschen. Die Initiatoren schrieben auf Twitter, man danke allen, die trotz Corona "rücksichtsvoll" auf die Straße gegangen seien.

Eine von einem Rechtsextremisten angemeldete Demonstration auf dem Marktplatz ist ebenfalls beendet. Für den Abend war noch ein Friedensgebet in der Marktkirche geplant.

 Linke Gegendemonstranten halten eine Flagge über der Kundgebung der AfD.
Zum Gegenprotest kamen laut Polizei rund 500 Menschen. Bildrechte: dpa

Gericht gibt Eilantrag der AfD statt

Im Laufe des Tages hatte es gerichtliche Auseinandersetzungen um die Teilnehmerzahl der AfD-Kundgebung gegeben. Die hallesche Polizeiinspektion als Versammlungsbehörde hatte nur 200 statt der 300 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlaubt, woraufhin die AfD Eilantrag beim Verwaltungsgericht in Halle eingelegt hatte. Das Gericht gab dem Eilantrag der Partei am Nachmittag statt. Zur Begründung hieß es, auf dem Hallmarkt sei auch bei 300 Personen ausreichend Platz zur Einhaltung des Mindestabstandes.

Bereits am Vormittag hatte die Polizei angekündigt, mit einem Großaufgebot in der Innenstadt präsent zu sein. So sollte verhindert werden, dass die Anti-Corona-Demo aus dem Ruder läuft oder es zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten kommt, hieß es. Damit sollen ähnliche Szenen wie bei der Querdenken-Demo in Leipzig vor gut einer Woche verhindert werden. Schon seit dem Nachmittag war die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften in der halleschen Innenstadt präsent.

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Außerdem hatten die Beamten im Vorfeld auf die geltenden Hygieneauflagen hingewiesen. Im Stadtzentrum von Halle musste demnach unter anderem ein Mund-Nasen-Schutz getragen und Abstand gehalten werden. Das regele die aktuelle Allgemeinverfügung der Stadt. Demonstrationszüge durch Halle wurden schon zuvor untersagt.

Straßensperrungen seit dem Nachmittag

Im Zusammenhang mit den Kundgebungen waren in der Innenstadt seit dem Nachmittag mehrere Straßen gesperrt. Betroffen davon waren der Hallmarkt, die Salzgrafenstraße und die Oleariusstraße. Auch Parkmöglichkeiten waren zeitweise eingeschränkt. Zudem müssen sich die Hallenserinnen und Hallenser seit dem Nachmittag auf Beeinträchtigungen im Straßen- und Öffentlichen Nahverkehr einstellen.

Fragen und Informationen

Die Polizei hat seit Montagnachmittag ein Bürgertelefon geschaltet. Hallenserinnen und Hallenser können sich mit Fragen rund um die Kundgebungen an die Telefonnummmer 0345/2241368 wenden. Zudem will die Polizei über ihren Twitter-Account aktuell informieren.

Quelle: MDR/cw,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. November 2020 | 17:00 Uhr

15 Kommentare

Ritter Runkel vor 14 Wochen

Der Schriftsteller Heinrich Böll, einer der Wortführer der Bewegung gegen die Notstandsgesetze, kritisierte:

„Das Bösartige an dieser Gesetzesvorlage ist außerdem, dass sie bis vor wenigen Tagen fast geheim gehalten, dass die Öffentlichkeit darüber gar nicht informiert wurde. Das Gesetz erscheint den meisten Bürgern dieses Staates als eine Art Verkehrsregelung bei Naturkatastrophen, während es in Wahrheit fast alle Elemente für eine fast vollständige Mobilmachung enthält.“

Karl Schmidt vor 14 Wochen

Naja, Viktor Orbán ist ja für die ebenso ein Held und Ungarn ein Vorbild.
Seit letzter Woche hat deren "Held" nächtliche Ausgangssperren im Land verhängt. Ob die AfDler das auch gerne so in Deutschland hätten?

Thommi Tulpe vor 14 Wochen

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet die Maßnahmen der Bundesregierung. Das ist Fakt. Wenn z. B. "Querdenker" für sich in Anspruch nehmen, breite Massen der Bevölkerung zu vertreten ("Wir sind das Volk!"), dann ist das trotz 20.000/ 30.000 Demonstrierenden letztens in Leipzig Blendung. Und genauso ist der Politik"stil" der populistischen AfD. Auch diese Partei missbraucht oft genug den Slogan der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Auch die AfD propagiert, breite Teile der Bevölkerung zu vertreten und ignoriert dabei völlig, dass sie bei derzeit 11 Prozent in den Wahlumfragen eben nur eine Minderheit vertritt. Beide "Bewegungen" "schreien" laut (sinnbildlich gesagt), weil sie versuchen, zu kaschieren, dass sie auch keine geeigneten Lösungen für die Probleme unserer Gesellschaft und der Welt haben.

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