Kloster Neuwerk "Archäologische Sensation": Überreste von Hunderte Jahre alter Kirche in Halle entdeckt

Sie wurde im 12. Jahrhundert gebaut – und Mitte des 16. Jahrhunderts wieder abgerissen: In Halle haben Archäologen nun die Überreste einer Kirche gefunden, die Teil des bedeutenden Klosters Neuwerk gewesen ist. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie spricht von einer "Sensation".

Teilnehmer eines Pressegesprächs des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie stehen inmitten einer archäologischen Grabung im Botanischen Garten.
Am Donnerstag haben Archäologen den Fund von Überresten einer Kirche in Halle der Presse präsentiert. Bildrechte: dpa

Im Botanischen Garten in Halle haben Archäologen die Hunderte Jahre alten Überreste einer Kirche entdeckt. Wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Donnerstag mitteilte, handelt es sich dabei um Überreste der Kirche des Klosters Neuwerk. Der genaue Standort der Kirche war bis zuletzt unklar gewesen. Sie war aber näher an der Saale vermutet worden.

Die nun freigelegten Fundamentreste seien zweifelsfrei die letzten verbliebenen Spuren der Kirche, sagte Projektleiterin Caroline Schulz. Schulz sprach von einer "archäologischen Sensation", die auch über Halle hinaus von Bedeutung sei.

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Kloster im Jahr 1116 gegründet

Konkret haben die Archäologen nach eigenen Angaben einzelne Steine des Fundamentes sowie die südliche Seitenapsis und die Hauptapsis der Kirche gefunden und freigelegt. Die Kirche war demnach Teil des Augustinerchorherrenstifts Neuwerk, das im Jahr 1116 gegründet wurde. Das Kloster sei bis zu seinem Niedergang in der Reformationszeit das mächtigste Kloster im Süden des Magdeburger Erzbistums gewesen, hieß es. Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Kirche und das Kloster abgerissen worden.

Bei den Grabungen wurden demnach auch 117 Gräber von Frauen, Männern und Kindern aus der Zeit des Mittelalters entdeckt.

Fundamentmauer von Hunderte Jahre alter Kirche freigelegt

Ein Mann in Warnweste gräbt auf einer Baustelle in der Erde.
Im Botanischen Garten in Halle haben Archäologen Überreste einer Jahrhunderte alten Kirche freigelegt. Am Donnerstag wurden die Funde der Öffentlichkeit präsentiert. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Ein Mann in Warnweste gräbt auf einer Baustelle in der Erde.
Im Botanischen Garten in Halle haben Archäologen Überreste einer Jahrhunderte alten Kirche freigelegt. Am Donnerstag wurden die Funde der Öffentlichkeit präsentiert. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Das Bild zeigt Teile einer freigelegten Fundamentmauer einer Kirche in Halle.
In den vergangenen Monaten sind die Archäologen unter anderem auf eine Fundamentmauer der Kirche gestoßen. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Teilnehmer eines Pressegesprächs des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie stehen inmitten einer archäologischen Grabung im Botanischen Garten.
Das Gotteshaus im Kloster Neuwerk wurde laut Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie 1116 gebaut und in der Mitte des 16. Jahrhunderts abgerissen. Bildrechte: dpa
Blick auf eine Grabungsstätte im Botanischen Garten in Halle.
Bislang war unklar gewesen, wo genau die Kirche gestanden hatte. Sie war näher an der Saale vermutet worden. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Funde einer archäologischen Grabung liegen auf einem Tisch.
Neben den Überresten der Kirche wurden Tausende weitere Funde gemacht. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Funde einer archäologischen Grabung liegen auf einem Tisch.
Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.05.2020 | 06:30 Uhr

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: MDR/Andreas Manke
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Grabungen vor Neubau von zwei Gebäuden

Grund für die Grabungen im Botanischen Garten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist der geplante Neubau von zwei Gebäuden, in denen später das Institut für Geobotanik einziehen soll. Bevor neu gebaut wird, waren aber die Archäologen an der Reihe: Seit vorigem Jahr legten sie nach Angaben des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie rund 583 Befunde frei und bargen fast 30.000 Funde.

Hintergrund: Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat die Aufgabe, Kulturdenkmale als "Quellen und Zeugnisse menschlicher Geschichte" zu schützen. Das regelt das Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt. Danach gehört zu den Aufgaben der Archäologen auch, die Kulturdenkmale und prägende Bestandteile der Kulturlandschaft zu erhalten, zu pflegen und wissenschaftlich zu erforschen.

Das Landesamt hat seinen Sitz in Halle. Angeschlossen ist das Landesmuseum für Vorgeschichte, in dem unter anderem die Himmelsscheibe von Nebra zu sehen ist.

Quelle: MDR, dpa/epd/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Mai 2020 | 06:30 Uhr

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