Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Gedenkstätte Roter Ochse in Halle zeigt Schüler-Werke zum KZ Auschwitz

Heute vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages zeigt die Gedenkstätte Roter Ochse in Halle Zeichnungen und Fotos von von Schülerinnen und Schülern, die bei Fahrten zu Gedenkstätten nach Auschwitz und Krakau entstanden sind.

In der Gedenkstätte Roter Ochse in Halle eröffnet am Montag die Ausstellung "Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen". Die Schau zeigt unter anderem Fotografien und künstlerische Arbeiten von Schülerinnen und Schülern des Hans-​Dietrich-Genscher-Gymnasiums Halle.

Die Werke entstanden während Fahrten zu Gedenkstätten nach Auschwitz und Krakau in den Jahren 2018 und 2019. Außerdem werden Bildcollagen des halleschen Fotoskünstlers Knut Müller gezeigt. Bis zum 27. März sind die Werke zu sehen.

Dem Holocaust wird nicht zu viel gedacht

Die 19-jährige Emma hat sich 2018 dafür entschieden, an der Gedenkstätten-Fahrt teilzunehmen – statt an einer normalen Studienfahrt, bei der Spaß im Vordergrund steht. Auschwitz habe sie nachhaltig beschäftigt. "Wir haben so viel gesehen, was man eigentlich nicht sehen möchte, was aber zur Geschichte dazugehört und was man eigentlich sehen muss", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT. Sie glaube nicht, dass man zu viel an den Holocaust gedenken kann. "Wenn man an den 9. Oktober im letzten Jahr denkt, sieht man, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht verstanden haben, was da passiert ist – oder es nicht verstehen wollen."

Die 20-jährige Carlotta hat gemeinsam mit Emma die Gedenkstätten besucht. Danach hat sie über ihre Eindrücke Bilder gemalt. "Man denkt nachher noch sehr viel drüber nach", sagt sie. Sie findet überhaupt nicht, dass dem Holocaust zu viel gedacht wird. Wenn ihr Lehrer die Fahrt nicht angeboten hätte, wüsste sie jetzt vieles von dem, was sie dort gelernt habe, nicht. In ihrer Familie werde nur ungern über den Holocaust gesprochen und von allein beschäftige man sich damit nicht. "Deswegen ist es sehr wichtig, dass in der Schule so etwas angesprochen wird", sagt Carlotta.

Privorozki: Holocaust darf nicht zu Seite im Geschichtsbuch werden

Max Privorozki, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Halle, bei der Eröffnung der Ausstellung "Auschwitz" in der Gedenkstätte Roter Ochse.
Max Privorozki, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Halle Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Der Vorsteher der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, sprach zur Ausstellungseröffnung ein Grußwort. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT erinnerte er daran, dass die Zeit komme, in der keine noch lebenden Augenzeugen mehr über die Holocaust-Zeit erzählen könnten. Der Holocaust werde dann endgültig zu einem Kapital der menschlichen Geschichte.

Der Holocaust müsse mehr als nur eine Seite im Geschichtslehrbuch sein. "Deswegen ist es wichtig, dass sich junge Menschen damit auseinandersetzen", erklärt Privorozki. "Alle tragen die Verantwortung, dass so etwas nicht mehr möglich ist", ergänzt er. "Noch kürzer heißt es: Nie wieder."

Alle tragen die Verantwortung, dass so etwas wie der Holocaust nicht mehr möglich ist.

Max Privorozki, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde zu Halle

Aber das zu sagen, reiche nicht. Man müsse auch etwas tun – nicht nur an den Gedenktagen, sondern nachhaltig, sagt Privorozki. Auch die Ausstellung vorzubereiten und aufzubauen, sei ein längerer Prozess gewesen. Und im Laufe dieser Arbeit hätten die Schüler etwas gelernt. Daher ist Privorozki sich sicher, dass sie nie etwas tun würden wie der Attentäter von Halle am 9. Oktober.

Werke von Schülern Eindrücke der Ausstellung "Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen"

Eingang zur Ausstellung Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen. im Roten Ochsen Halle
Seit Montag stellt die Gedenkstätte Roter Ochse in Halle Werke von Schülern und einem Künstler aus. Der Titel der Ausstellung: "Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eingang zur Ausstellung Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen. im Roten Ochsen Halle
Seit Montag stellt die Gedenkstätte Roter Ochse in Halle Werke von Schülern und einem Künstler aus. Der Titel der Ausstellung: "Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Werk der Ausstellung Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen.
Gezeigt werden unter anderem Fotografien von Gymnasiasten, die 2018 oder 2019 Gedenkstätten in Auschwitz und Krakau besucht haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Werk der Ausstellung Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen.
Auch Bildcollagen des halleschen Künstlers Knut Müller werden gezeigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ausstellungseröffnung von der Ausstellung Auschwitz. 75 Jahre danach. Gedenken und Lernen. im Roten Ochsen Halle.
Die Ausstellung eröffnete am Holocaust-Gedenktag. Die Werke sind noch bis zum 27. März zu sehen.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27.01.2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mh
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Veranstaltungen in Gedenken an den Holocaust

Die Ausstellungseröffnung ist eine Veranstaltung im Rahmen des Holocaust-Gedenktages, dem 27. Januar. In ganz Sachsen-Anhalt fanden am Montag Gedenkveranstaltungen statt. In Merseburg eröffnete in der Willi-Sitte-Galerie ebenfalls eine Ausstellung zur Befreiung des KZ-Lagers Auschwitz, an der sich Schüler sowie Künstler beteiligt haben. Am Mahnmal des KZ-Außenlagers Magda in Magdeburg wurde an die Ermordeten erinnert. Im Landtag von Sachsen-Anhalt gab es eine Gedenkstunde.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will, dass alle Schüler mindestens einmal ein ehemaliges KZ oder eine andere Gedenkstätte für NS-Opfer besuchen. Karliczek sagte am Sonntag, damit gerade junge Menschen begreifen, was geschehen ist, sei es notwendig, die Orte der Gräuel zu besuchen und angesichts der Verbrechen innezuhalten. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich im Tagesspiegel für verbindliche Gedenkstättenbesuche von Schulklassen ausgesprochen, die in der Schule angemessen vor- und nachbereitet würden. Davon hänge ab, was sie bewirkten.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2020, 15:42 Uhr

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