A143 Letzte Arbeiten an Westumfahrung von Halle gestartet

Die Westumfahrung von Halle soll 2025 fertig sein. Bei Salzmünde begannen am Dienstag die Bauarbeiten am letzten Teilstück. Klimaschützer halten das Projekt für unsinnig und kündigten Proteste an. Befürworter der Autobahn sind verärgert über den anhaltenden Widerstand.

Luftaufnahme der Bundes-Autobahn 143 Kreuz Halle Neustadt
Die A143 endet bisher bei zwischen Bennstedt. Bildrechte: imago images / VIADATA

Die Bauarbeiten für das letzte Stück der A143 Richtung A14 westlich von Halle sind gestartet. Bis 2025 sollen die Arbeiten fertig sein und der Verkehr über das 13 Kilometer lange Verbindungstück im Saalekreis rollen. Wenn der Bau abgeschlossen ist, bilden die A38 und die A143 gemeinsam mit der A9 und der A14 die sogenannte Mitteldeutsche Schleife um die Städte Halle und Leipzig.

Westlich von Halle
Spatenstich mit Ministerpräsident Haseloff (v.l.), Bundesverkehrsminister Scheuer und Landesverkehrsminister Webel Bildrechte: MDR/Tino Wiemeier

Zum Spatenstich am Dienstag bei Salzmünde waren Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dabei.

Das südliche, rund neun Kilometer lange Teilstück der Autobahn ist seit 2004 fertig. Jahrelang wurde um den Weiterbau des noch fehlenden Abschnitts gestritten.

So klagte vor mehr als zehn Jahren der Naturschutzbund Deutschland gegen das Projekt, weil er seltene Tiere und Pflanzen in dem Naturschutzgebiet gefährdet sah. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig gab dem Recht. Die Planer hatten gegegen Umweltschutz-Richtlinien verstoßen. Das Land besserte seine Pläne nach.

So wurde etwa ein rund 300 Meter langer Tunnel mit modernster Lüftungstechnik nachträglich hinzugefügt, um den streng geschützten Lebensraum zu entlasten.

Pro: Verkehrsentlastung der Stadt Halle

Bei Salzmünde, westlich von Halle, ist der erste Spatenstich für die Nordverlängerung der A143 gesetzt worden. Im Bild unter anderem Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) am Mikrofon, links daneben Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU)
Verkehrsminister Thomas Webel ist vom Nutzen der Autobahn überzeugt. Bildrechte: MDR/Tino Wiemeier

Verkehrsminister Webel sagte dem MDR, man habe sehr viel für den Umweltschutz getan. "Wir bauen einen Tunnel von 300 Metern Länge und wir tun alles dafür, das Porphyrkuppengebirge dort bei Halle zu schützen – und auch insbesondere die Orchideenart, das Kleine Knabenkraut. Webel betonte, wie wichtig die westliche Umfahrung für die Verkehrsentlastung der Stadt Halle sei.

Außerdem sei Infrastruktur wichtig für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes. "Es gab sogar Unterschriftsammlungen für die A143. Und da sieht man schon, dass die Hallenser diese A143 zu 99 Prozent herbeisehnen", sagte Webel.

Dirk Neumann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle sagte MDR SACHSEN-ANHALT, andere Städte würden den Verkehr schon längst um die Städte herumführen. "Wir haben das in Sachsen-Anhalt auf Grund der Aktivität verschiedener Organisationen einfach verschieben müssen. Das war sogar kontraproduktiv."

Daten und Fakten zum Ausbau der A143

  • Die Nordverlängerung der A143 wird von der Anschlussstelle Halle-​Neustadt bei Bennstedt zum Autobahndreieck Halle-​Nord bei Gimritz verlaufen. Insgesamt müssen 12,6 Kilometer Autobahn gebaut werden.
  • Prognostiziertes Verkehrsaufkommen: Die Landesstraßenbaubehörde rechnet mit durchschnittlich 43.500 bis 47.000 Kfz täglich. Beim Schwerverkehr 9.600 bis 9.700 Kfz geschätzt.
  • Lärmschutzmaßnahmen: im Bereich Bennstedt wird eine fünf Meter hohe  und 800 Meter lange Lärmschutzwall  gebaut. Im Bereich Salzmünde gibt es einen 210 Meter langen Lärmschutztunnel und anschließender "Einhausung" der Saalebrücke auf 72 Metern. Danach schließen sich noch einmal 96 Meter Lärmschutzwände an. Westlich und östlich der Saalebrücke wird eine Lärmschutzwand mit einer Höhe von 4 Metern und einer Länge von 200 Metern gebaut.
  • Besonderheiten: Grünbrücken gibt es bei Zorges, den Muschelkalkhänge der Nietleber-Bennstedter Mulde und Gimritz. Eine sogenannte "Grünspange" am Köllmer Weg. Bei Benkendorf wird eine Brücke die Senke überspannen. Ein Landschaftstunnel durchquert das Fauna-​Flora-Habitat "Porphyrkuppenlandschaft". Die Saale wird mit einer 968 Meter langen Brücke überquert. Die Autobahn nähert sich den Fauna-​Flora-Habitaten "Dölauer Heide und Lindbusch" und "Muschelkalkhänge" an.
  • Details, Visualisierungen und alle geplanten Maßnahmen können auf den Seiten der Projektmanagementsgesellschaft Deges nachgelesen werden.

Grafische Darstellung der geplanten Streckenführung der A143.
Mitteldeutsche Schleife: der geplanten Streckenführung der A143 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kritik: Mehr Straßen führen zu mehr Verkehr

In einer Mitteilung von Fridays for Future Halle betonten Gegner der Autobahn dagegen: "Das Urteil zementiert wider besseren Wissens ein veraltetes Mobilitätskonzept, denn mehr Straßen führen zu mehr Autoverkehr." Mit den Baukosten von 350 Millionen Euro könnte der Öfentliche Nahverkehr in Halle und im Saalkreis ausgebaut und für Jahre kostenfrei sein.

Proteste beim Spatenstich 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Di 03.12.2019 19:00Uhr 02:16 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

"Ein Verzicht auf die Autobahn zugunsten einer zukunftsweisenden Mobilitätswende in Halle und Saalkreis wäre ein starkes Zeichen für Klima- und Artenschutz", so die Bewegung. Sie will gegen den Weiterbau demonstrieren.

Auch die Bürgerinitiative Saaletaal hat zu Protesten aufgerufen.

Das Bauvorhaben Lückenschluss der A143 ist das letzte Teilstück des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit 13. Für die Bauarbeiten sind rund 350 Millionen Euro vorgesehen.

Ziehen sie den Anfasser nach rechts und links Benkendorfer Senke – Die Visualisierung der geplanten Brücke

Die Benkendorfer Senke bei Halle.
Bildrechte: DEGES
Die Benkendorfer Senke bei Halle.
Bildrechte: DEGES
Visualisierung einer Brücke in einer Landschaft.
Bildrechte: DEGES
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Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Dezember 2019 | 15:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 20:44 Uhr

2 Kommentare

Steffen 1978 vor 2 Tagen

Ich kann nur hoffen das dieses Projekt schnellstmöglich abgeschlossen wird und endlich eine Entlastung der Straßen die jetzt die A38 und A14 verbinden stattfindet an die Menschen die an den Straßen heimisch sind denken alle Gegner nämlich überhaupt nicht Orchideen und Kleintiere sind diesen Personen ja wichtiger

PrideBird vor 2 Tagen

Und warum braucht man jetzt für 12,6km nochmal 6 Jahre? Ach ja, richtig! Da ist ja noch der BER! Wenn was gebaut wird, dauert's in Deutschland so richtig schön lange und teuer muß es auf jeden Fall werden. Nur was richgtig teuer ist, taugt was.

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