Person hält Beutel mit gespendetem Blut
Die Uniklinik Halle braucht mehr Blutspenden. Bildrechte: imago/PhotoAlto

Weltblutspendetag Jahr für Jahr weniger neue Spender in Halle

Am Freitag ist Weltblutspendetag. Im Süden von Sachsen-Anhalt gibt es 5.700 Dauerspender, ähnlich sind die Zahlen um Magdeburg. Doch die Spendenbereitschaft reicht nicht aus. Deshalb gibt es für Halle jetzt eine neue Idee, um Studenten zum Spenden zu animieren. Dr. Julian Hering, Ärztlicher Leiter des Blutspendedienstes des halleschen Uniklinikums, im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT. Er erklärt auch, wie eine Spende noch vor 20 Jahren ablief und ob es Alternativen zum menschlichen Blut gibt.

Person hält Beutel mit gespendetem Blut
Die Uniklinik Halle braucht mehr Blutspenden. Bildrechte: imago/PhotoAlto

MDR SACHSEN-ANHALT: Kommen tatsächlich weniger Menschen in Halle zum Spenden als nötig wären?

Dr. Julian Hering, Ärztlicher Leiter des Blutspendedienstes des halleschen Uniklinikums: Wir merken, dass die Zahl der Neu-Spender von Jahr zu Jahr weniger wird. Trotz Werbeaktionen können wir die Spendemengen, die wir hier eigentlich bräuchten, nicht ausreichend mobilisieren. Auch wenn wir zusätzliche Aktionen machen, wo man Eintrittskarten für den Zoo oder Schwimmbäder bekommen kann, zieht das trotzdem nicht die entsprechenden Mengen an Publikum zu uns. Manchmal, gerade in Phasen wie Pfingsten, Ostern, Sommer, wird es dann einfach auch knapp.

Was lassen Sie sich gegen die sinkende Spendenbereitschaft einfallen?

Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, richten wir jetzt an der Universität im Stadtzentrum eine Dauermöglichkeit zum Blutspenden ein. Dann zählt zumindest für Studenten die Ausrede nicht mehr, erst in die Klinik fahren zu müssen. Ein kostenloses Mittagessen ist danach auch garantiert. Im Dezember soll alles in Betrieb gehen.

Der Standort Ihres Blutspendezentrums ist das Uniklinikum Halle. Was machen Spender, die dort nicht hinkommen können?

Dr. Julian Hering, Leiter Transfusionsmedizin am Unkiklinikum Halle.
Dr. Julian Hering, Ärztlicher Leiter des Blutspendedienstes des halleschen Uniklinikums Bildrechte: Karsten Möbius/MDR WISSEN

Unser Team ist auch in der Lage, zwei Mal pro Woche komplett mit dem gesamten Equipment Halle zu verlassen und in einem Umkreis von etwa 60 Kilometern an etwa 20 verschiedenen Orten mehrfach im Jahr Blutspenden zu nehmen – um die Blutspender betreuen zu können, die nicht nach Halle kommen. Ganz häufig werden wir vor Ort zum Beispiel durch die Freiwillige Feuerwehr oder Vereine angesprochen, die aus einer Aktion heraus sagen: 'Wir möchten als Verein etwas Besonderes machen'. Wenn genug Leute zusammenkommen, fährt unser Team raus. Haben wir große Spende-Orte, wo wir innerhalb von fünf Stunden 100 Spenden abnehmen können, dann fahren ein Arzt, fünf Schwestern und etwa drei oder vier ehrenamtliche Personen für die Hilfsarbeiten darum herum – sodass zehn Leute unterwegs sind.

Wie war das Equipment damals, wie heute?

Eine Ärztin hält 2013 einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat. 1 min
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Di 28.05.2019 15:00Uhr 01:00 min

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Vor 20 Jahren hat man noch mit Glasflaschen angefangen und musste die Materialien anschließend sterilisieren – die Nadeln wurden mehrfach verwendet. Da hat sich natürlich maßgeblich etwas getan. Es sind alles Einmal-Materialien, die anschließend vernichtet werden, sodass für den Spender keine Gefahr besteht. Dazu versucht man auch, die Entnahmemengen für den Spender so gering wie möglich zu halten. Früher hatte man viel mehr Menge für die Blutspender-Testungen abnehmen müssen. Durch verbesserte Testverfahren konnte man die zusätzlichen Mengen, die man dem Spender abnimmt, verringern.

Warum dürfen manchmal auch noch weit über 70-Jährige Blut spenden?

Für die Dauerspender gibt es keine Grenze mehr – sodass man sagt, wer mit 70 noch Marathon läuft, den muss man nicht von der Blutspende ausschließen. Das entscheiden die Spende-Ärzte vor Ort. Man sagt generell: Wenn jemand noch nie gespendet hat, dann sollte man mit 65 oder 68 Jahren eine Grenze ziehen, denn dann ist das Knochenmark, also das Blutbildungsorgan, nicht gewöhnt, diese zusätzliche Belastung auszuhalten. Die Spende könnte für den eigenen Körper schädigend sein. Wenn ein Dauerspender das aber über viele Jahre gemacht hat, ist sein Organismus an die Blutspenden und an den Verlust gewöhnt.

Wann kann man Blut endlich künstlich herstellen?

Nach wie vor ist es so: Die pharmazeutische Industrie versucht fieberhaft, künstliche Blutprodukte herzustellen. Es gibt auch Ansätze, aber das Blut in seiner Gänze kann man noch nicht ersetzen. Wir sind auf die Blutspende und eben auf das 'Arzneimittel Blut' angewiesen, um Patientenleben zu retten. Es gibt keine Alternativen.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT | 14. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2019, 15:25 Uhr

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3 Kommentare

15.06.2019 09:55 Otto02 3

wen wunderts?
Das ist die Folge der Erziehung und unserer Bildungpolitik. Wie heißt es da: Jeder ist sich selbst der Nächste! Und: Jeder ist seines Glückes Schmied! Oder: Ich - dann eine Weile nichts.
Wir ernten, was wir gesäat haben...

14.06.2019 22:32 Sabrina 2

Warum schreiben Sie nicht, dass die Blutspenden in erster Linie für die Herstellung von Medikamenten verwendet werden und nicht zur Versorgung von Unfallopfern?

Die machen den großen Reibach und appelieren an die angebliche Pflicht der Leute, ihren Körper hinzuhalten.

Als ich bei einer Op auf Eigenblutspende bestand, wurde ich noch angegangen, ob ich das nicht hätte früher sagen können.

Glaubt diesen Leuten nicht !

14.06.2019 19:10 Ex-Anhaltinerin 1

Ich darf nicht, weil ich 92/93 > 6 Monate in Großbritannien war, könnte ja Rinderwahnsinn haben. Laut Website des Blutspendedienstes statistisch gesehen kein Verlust. Na, dann eben nich...

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