Clubs und Corona Wie eine Disko in Halle das Ende der Corona-Pause feiern will

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Das Land Sachsen-Anhalt hat beschlossen, dass Clubs und Diskos ab 1. November wieder öffnen dürfen – zumindest, wenn sie bestimmte Corona-Auflagen einhalten. In der Schorre Halle soll am erstmöglichen Tag wieder gefeiert werden. Wie die Party ablaufen soll und welche Hoffnungen der Veranstalter hat.

Eingang der Schorre in Halle
Seit März herrscht am Eingang zur Disko Schorre in Halle wegen Corona gähnende Leere. Im November soll sich das wieder ändern. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Gut anderthalb Monate noch, dann soll in Sachsen-Anhalts Clubs wieder gefeiert werden. Das Land hat als erstes Bundesland in der neuen, achten Corona-Verordnung entschieden, dass Diskotheken ab dem 1. November unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Der Eventmanager für die Disko Schorre in Halle, Uwe Helm, bereitet seine Location schon jetzt auf diesen Tag vor. Am 1. November, Punkt 0:00 Uhr, will er mit einer Re-Opening-Party "reinfeiern". "Die Leute sind heiß darauf", sagt er – und meint sowohl Gäste als auch DJs, die ab November wieder auflegen wollen. "Und ehrlich gesagt: Wir brauchen jeden Cent."

Kontaktlisten, begrenzte Gästezahl und Tanzkreise

Menschen feiern in der Disko Schorre in Halle
Ganz so wie vor Corona werden die Parties in der Schorre zunächst nicht ablaufen können. Es gelten Abstandsregeln. (Archivbild) Bildrechte: Schorre Halle

Völlig ausgelassen feiern können die Partygäste ab November aber noch nicht. Das Coronavirus ist schließlich noch immer da und einen zugelassenen Impfstoff gibt es noch nicht. Deshalb müssen die Clubs und die Gäste bei der Wiedereröffnung bestimmte Regeln einhalten. Die Auflagen der Landesregierung: eine Höchstauslastung von 60 Prozent, Anwesenheitsliste der Feiernden sowie Abstände von 1,5 Metern. Dieser Mindestabstand darf aber in "Tanzkreisen" mit höchstens zehn Personen unterschritten werden.

In der Schorre sollen die Kontaktdaten der Gäste mit den Personalausweisen abgeglichen werden, erklärt Helm. So sollen korrekte Angaben sichergestellt werden, was in Bars und Restaurants in Halle schon zu Problemen geführt hat.

Laut Betriebserlaubnis dürften in der Schorre etwa 900 Personen feiern. Damit ist sie Helm zufolge die größte Disko Sachsen-Anhalts. 60 Prozent davon entsprechen etwa 500 Gästen. Die Besucherzahl soll durch Zählungen am Einlass kontrolliert werden. Ist das für die Schorre überhaupt noch wirtschaftlich? Ja, sagt Helm. "Ich hatte noch weniger erwartet. Mit den 60 Prozent kommen wir am Anfang gut klar." Wegen Corona seien Neuanschaffungen wie Hygienespender nötig, für die häufigeren Reinigungen brauche es zusätzliches Personal. Um das zu bezahlen, werde der Eintrittspreis wohl um ein oder zwei Euro angehoben. Die Getränkepreise sollen laut Helm aber gleich bleiben. "Man wird nicht an die Umsätze vor Corona herankommen, aber es rechnet sich."

Größte Schwierigkeit: Abstandsregel einhalten

Die Schorre ist in einer ehemaligen großen Villa mit hohen Decken untergebracht. Die Disko erstreckt sich über zwei Etagen. Die Gäste haben also viel Platz. "500 Personen, das verläuft sich hier", meint Helm. Er weist auch auf das gute Lüftungssystem hin. Da das Coronavirus auch über Aerosole verbreitet wird, geht er davon aus, dass das von Vorteil ist.

Trotz der Größe des Clubs macht sich Helm Gedanken, wie die vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden können. Eine Überlegung sei, Markierungen auf dem Boden der Tanzfläche aufzubringen, innerhalb der die höchstens zehn Gäste tanzen dürfen. Wie sinnvoll das sei, müsse aber noch mit dem Gesundheitsamt geklärt werden. Für die Einhaltung der Abstände könne das Sicherheitspersonal sorgen. Auch der DJ könne etwa alle 30 Minuten in einer Durchsage an die Regeln erinnern. "Wir setzen auf die Vernunft der Gäste." Helm wartet jetzt ab, ob es vor der Wiedereröffnung noch zusätzliche Auflagen geben werde.

Schließzeit für Umbau genutzt

Die letzte Party vor der Corona-bedingten Schließung ist in der Schorre am 6. März gefeiert worden. Seither war die Disko dicht, auch Open-Air-Veranstaltungen hat es nicht gegeben. Die Betreiber haben die Zeit der Schließung für Umbauarbeiten genutzt. Diese sind noch immer in vollem Gange, wie Helm bei einem Rundgang durch die Schorre zeigt. So soll beispielsweise der Boden der großen Tanzfläche bis zur Wiedereröffnung noch komplett erneuert werden. "Wir haben die acht Monate also nicht nur geschlafen."

Kleine Tanzfläche im Obergeschoss der Schorre Halle
Während der Schließung ist in der Schorre umgebaut worden. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Mit Soforthilfen über die Runden gekommen

Finanziell hielt sich die Schorre laut Veranstaltungsmanager Helm mit Grundsicherung und Soforthilfen über Wasser. "Eine super große Hilfe", sagt er – kritisiert aber auch, dass lediglich 80 Prozent der Fixkosten übernommen worden seien. "90 bis 95 Prozent wären realistischer gewesen." Die festangestellten Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. Das Barpersonal auf Honorarbasis, vor allem Schüler und Studierende, hätten dagegen kein Einkommen gehabt. "Für sie ist das sehr schwer. Sie arbeiten ja auch nicht nur zum Spaß hier, sondern weil sie das Geld brauchen." Zur Wiedereröffnung wolle das Personal, um die 30 Personen, wieder einsteigen.

Vor allem für die kleineren Clubs in Halle sei es nach nun etwa acht Monaten Schließung sehr eng geworden, erzählt Helm. Er wisse von keinem Vermieter, der den Betreibern bei der Miete entgegengekommen sei. Und eine Öffnung unter den Corona-Bedingungen mache für kleine Locations wirtschaftlich keinen Sinn.

Nicht alle Clubs wollen ab November öffnen

Nicht alle Clubs in Sachsen-Anhalt wollen daher direkt im November unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen öffnen. Der Betreiber des Prinzzclubs in Magdeburg, Guido Schwirzke, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass er glaube, dass sein Club bis über den Jahreswechsel geschlossen bleibe. Für seine Location seien die Anforderungen nur schwer umsetzbar. Zudem wisse er nicht, ob er schnell genug wieder an gutes Personal komme.

Dem Team der Schorre ist laut Uwe Helm klar: Die Öffnungserlaubnis für Sachsen-Anhalts Clubs könnte je nach Infektionsgeschehen auch ganz schnell wieder zurückgenommen werden. Bis November könne noch viel passieren, sagt Helm. Seine größte Befürchtung: dass die Schorre zu einem Corona-Hotspot werden könnte. Helm appelliert daher an die Gäste der geplanten Parties ab November, sich an die Regeln zu halten.

Plakat vor der Schorre in Halle, das in Corona-Zeiten zu Solidarität aufruft.
Seit Ende März hängt dieses Plakat vor der Schorre. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke
Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT – in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

1 Kommentar

Simone vor 9 Wochen

Schön, dass die Disko wieder öffnen kann, aber ich werde mich sicher nicht ohne Not irgendwelchen Menschenmassen aussetzen. Hoffen wir, dass nicht die jungen Menschen mit fehlendem Risikobewusstsein die Fallzahlen nach oben schnellen lassen.

Es ist ja nicht so, dass ein junger Mensch wenn er sich infiziert nicht auch Kontakt zu älteren Menschen in der Familie oder auf Arbeit hat und diese gefährdet. So manche Freizeitgestaltung ist halt in Zeiten eines durch die Luft übertragenden hochansteckenden und hochgefährlichen Virus nicht wirklich zielführend.

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