Wissenschaft Corona-Krise: Leopoldina in Halle empfiehlt Masken-Pflicht in Bus und Bahn

Wann kehrt die Gesellschaft zum normalen Leben zurück? Forscher der Leopoldina in Halle legen in einer Stellungnahme konkrete Ideen vor – und empfehlen, einige Schulen so bald wie möglich wieder zu öffnen. Außerdem schlagen sie eine Masken-Pflicht in Bus und Bahn vor.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle empfiehlt, unter bestimmten Voraussetzungen so bald wie möglich zuerst Grundschulen und die Sekundarstufe I schrittweise zu öffnen. In einer am Ostermontag veröffentlichten Stellungnahme der Wissenschaftler heißt es unter anderem zu den Voraussetzungen, die Infektionen müssten auf niedrigem Niveau stabilisiert werden. Auch müssten die bekannten Hygieneregeln weiterhin eingehalten werden.

Ein Mann mit einer Schutzmaske wartet am fast leeren Hauptbahnhof auf einen Zug
Forscher der Leopoldina in Halle schlagen eine Schutzmasken-Pflicht in Bussen und Bahnen vor. Das Archivbild entstand in Belgien. Bildrechte: dpa

In der Stellungnahme "Die Krise nachhaltig überwinden" sagen die Experten, dass auch viele weitere Teile des öffentlichen Lebens schrittweise unter bestimmten Voraussetzungen wieder normalisiert werden können. Zunächst könnten etwa der Einzelhandel, das Gastgewerbe und Behörden öffnen. Die Experten sprechen sich zudem für eine Masken-Pflicht etwa in Bussen und Bahnen aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Studie der Leopoldina zuvor als "sehr wichtig" für das weitere Vorgehen bezeichnet. Sie will gemeinsam mit den Ministerpräsidenten kommenden Mittwoch über das weitere Vorgehen beraten.

Was die Leopoldina im Einzelnen vorschlägt

Stühle stehen in einem leeren Klassenzimmer
Die Forscher der Leopoldina schlagen vor, zunächst jüngere Kinder wieder in den Klassenzimmern zu unterrichten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Nach Ansicht der Forscher hat die Krise im Bildungswesen für eine Verschärfung sozialer Ungleichheit geführt. Das gelte es abzufedern, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Stellungnahme. Bildungseinrichtungen müssten daher so bald wie möglich wieder geöffnet werden. Das gelte insbesondere für Grundschulen und die Sekundarstufe I. Zur Sekundarstufe 1 gehören etwa Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen bis Klasse 10 sowie Gymnasien bis einschließlich der Klassen 9 beziehungsweise 10. Vor allem Jüngere bräuchten persönliche Betreuung, Anleitung und Unterstützung, schreiben die Wissenschaftler zur Begründung.

Ältere Schüler dagegen könnten dagegen eher digital lernen. Der Betrieb in Kitas und Horten soll laut Leopoldina dagegen "nur sehr einschränkt" wiederaufgenommen werden. Grund sei, dass kleinere Kinder sich nicht unbedingt an Schutzmaßnahmen und den nötigen Abstand zueinander hielten.

Charles Robert Darwin
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Die Forscher der Leopoldina sind damit anderer Auffassung als Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Tullner hatte bei MDR SACHSEN-ANHALT am Wochenende dafür plädiert, vorerst ältere Jahrgänge wieder in der Schule zu unterrichten. Nur so könne es ein normales Abitur geben.

Wann das öffentliche Leben normalisiert werden kann

Eine junge Frau legt eine selbstgemachte Schutzmaske an
In Bussen und Bahnen sollte es laut Leopoldina Pflicht sein, eine Schutzmaske zu tragen. (Archivfoto) Bildrechte: imago images/Marius Schwarz

Um Schritt für Schritt zum gewohnten öffentlichen Leben zurückzukehren, müssen laut Leopoldina mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Die Neuinfektionen müssten sich "auf einem niedrigen Niveau" stabilisieren. Zudem müssten notwendige Reservekapazitäten in Kliniken aufgebaut und die Versorgung anderer Patienten wieder regulär aufgenommen werden. Wenn darüber hinaus Schutzmaßnahmen wie der gegenseitige Abstand eingehalten würden, könnten in einem ersten Schritt der Einzelhandel und Gaststätten wieder öffnen.

Auch private und dienstliche Reisen sowie gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Veranstaltungen könnten wieder stattfinden, wenn die Voraussetzungen erfüllt seien.

Die Wissenschaftler schlagen darüber hinaus eine Pflicht von Schutzmasken bei der Nutzung von Bussen und Bahnen im öffentlichen Personennahverkehr vor.

Staat sollte sich nur im Notfall an Unternehmen beteiligen

Die Forscher sprechen sich in ihrer Stellungnahme auch dafür aus, nur im "äußersten Notfall" staatliche Beteiligungen zur Stabilisierung von Unternehmen einzusetzen.

Die Corona-Krise erfordere in höchstem Maße ein europäisch-solidarisches Handeln. Die Experten rufen zudem dazu auf, an der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung festzuhalten. So sei an der Schuldenbremse im Rahmen ihrer derzeit geltenden Regeln festzuhalten. Dies erlaube gerade in so besonderen Zeiten wie der Corona-Krise eine deutlich höhere Verschuldung, verlange aber bei der Rückkehr zur Normalität wieder deren Rückführung.

Haseloff lobt Empfehlungen der Leopoldina

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte am Montag, die Stellungnahme der Leopoldina sei die bislang fundierteste und plausibelste wissenschaftliche Empfehlung zur Corona-Krise. Es würden klare Kriterien und konkrete
Handlungsabläufe beschrieben. "Die Stellungnahme sollte eine wesentliche Grundlage für die am Mittwoch zu treffenden politischen Entscheidungen von Bund und Ländern darstellen." Das betreffe besonders eine an exakte Vorgaben gebundene schrittweise Normalisierung des öffentlichen Lebens und die vorsichtige Öffnung des Bildungsbereiches. Haseloff warnte zugleich aber vor einer vorschnellen und generellen Aufhebung von Maßnahmen.

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. April 2020 | 13:00 Uhr

32 Kommentare

Ernst678 vor 28 Wochen

Die Empfehlungen der Leopoldina sind aufgewärmtes Altbekanntes, unvollständig (z.B. Finanzierung durch wen) und Schnee von gestern (wie zum Beispiel Mundschutz, wissen kennen und anwenden andere schon lange). Aber es sind jetzt urplötzlich Merkels Chefberater, die Leopoldina. Was läuft hier eigentlich? Wo hat sich denn rot-grün versteckt und wer versucht hier masiv politisches Kapital aus der Krise zu schöpfen? Wielang kann der Finanzcrash noch vertuscht werden? Wer zahlt am Ende die Zeche? Wozu wird die Coronakrise noch mißbraucht. Wann platzen die Blasen, denn Corona ist nicht die Ursache sondern nur der Auslöser der Offenlegung des Versagens vieler Politiker die aus der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008-9 NICHTS gelernt haben!

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 28 Wochen

"Ist also ein solches Ereignis wirklich relevant für die Beurteilung der Arbeit von Herrn Spahn? "

Ach Gottchen Peter,
das ist bezeichnend und zieht sich wie ein roter Faden durch seine Ministerarbeit.
99,99 Prozent der Deutschen erkennen das!

Peter vor 28 Wochen

Ach Gottchen Sonnenseite: Sind Sie unfehlbar?
Herr Spahn hat seinen Fehler sofort öffentlich bedauert. Ich glaube, außer Ihnen nimmt ihm das wohl jeder Deutsche ab.
Ist also ein solches Ereignis wirklich relevant für die Beurteilung der Arbeit von Herrn Spahn? Für Diejenigen, welche permanent das Haar in der Suppe suchen, scheinbar schon.

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