Katastrophenschutz Coronavirus: Was der Katastrophenfall für Halle bedeutet

In der Stadt Halle ist wegen des Coronavirus am Dienstag der Katastrophenfall ausgerufen worden. Was bedeutet das für die Hallenser? Fragen und Antworten zum Katastrophenfall von MDR SACHSEN-ANHALT.

Die Stadt Halle hat am Dienstagabend den Katastrophenfall ausgerufen. Damit soll die Ausbreitung des Coronavirus weiter eingedämmt werden.

Was ein Katastrophenfall ist und welche Maßnahmen nach der Ausrufung ergriffen werden können, regelt in Sachsen-Anhalt das Katastrophenschutzgesetz. Ein Katastrophenfall ist diesem Gesetz zufolge "ein Notstand, bei dem Leben, Gesundheit oder die lebenswichtige Versorgung einer Vielzahl von Personen oder erhebliche Sachwerte gefährdet oder wesentlich beeinträchtigt werden".

#MDRklärt Katastrophenfall in Halle: Das ändert sich für Sie

Katastrophenfall Halle: Das ändert sich für Sie Hausmannstürme Marktkirche Halle
Bildrechte: imago/Köhn
Katastrophenfall Halle: Das ändert sich für Sie Hausmannstürme Marktkirche Halle
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Die Katastrophenschutzbehörde koordiniert die Behörden und Dienste.
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Damit soll schnell entschieden und gehandelt werden.
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Beispiel hierfür: Das Saale-Hochwasser 2013 ...  Hochwasser 2013 in Halle (Saale), Helfer fahren auf Bott durch die Straße
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Der Katastrophenfall betrifft auch Bürger.
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Alle Gaststätten werden geschlossen.
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Eine Polizei-Hundertschaft wird angefordert.
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Seperrgebiete können geräumt werden. Anweisungen müssen befolgt werden. Gebäude und Grundstücke dürfen betreten werden.
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Private Fahrzeuge können benutzt werden. Jeder ist verpflichtet, zu helfen.
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Warum hat die Stadt Halle den Katastrophenfall ausgerufen?

Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale)
Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand reichten die Maßnahmen des Landes Sachsen-Anhalt gegen das Coronavirus nicht aus. (Archivbild) Bildrechte: MDR

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass die jüngste Verordnung des Landes Sachsen-Anhalt nicht ausreichen würde. Zum Beispiel könnten große Ansammlungen von Menschen nicht konsequent unterbunden werden, teilte Wiegand mit.

In Halle hat sich außerdem die Zahl der bestätigten Infektionsfälle bis Mittwoch deutlich erhöht. Die Zahl stieg nach Angaben der Stadt auf 38 Personen. Eine dieser Personen, ein 66-Jähriger mit Vorerkrankungen, wird nun intensivmedizinisch in einem Krankenhaus behandelt. Die übrigen befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Schon am Dienstag hatte es einen sprunghaften Anstieg der Fälle von 8 auf 27 gegeben. Einer dieser Fälle betreffe das Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau, teilte die Stadt mit. Dort habe sich eine Mitarbeiterin infiziert. Eine Station des Krankenhauses stehe nun unter Quarantäne.

Die Feststellung des Katastrophenfalls ermöglicht laut Wiegand einen koordinierten Einsatz aller verfügbaren Kräfte und Mittel unter einer gemeinsamen Gesamtleitung. In der Regel ist zum Beispiel die Einrichtung einer gemeinsamen Einsatzleitung vorgesehen, unter anderem für Feuerwehr, Rettungsdienste oder Technisches Hilfswerk.

Was bedeutet die Ausrufung des Katastrophenfalls für Hallenser?

Oberbürgermeister Wiegand erklärte am Mittwoch in einer Video-Pressekonferenz, was der Katastrophenfall konkret für Halle bedeutet. Die Stadt Halle ergreift Maßnahmen, die über die Verordnung des Landes Sachsen-Anhalt vom 17. März hinausgehen.

Folgende Regeln gelten zusätzlich zur Landesverordnung in Halle:

  • Sämtliche Gaststätten werden geschlossen
  • öffentliche und nicht-öffentliche Veranstaltungen jeder Art sind untersagt
  • Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind verboten. Ausnahmen gelten für Palliativpatienten und jungen Patienten unter 13 Jahren
  • Eine Polizei-Hundertschaft wird angefordert, um die Maßnahmen durchzusetzen
  • Bei der Bundeswehr wird vorsorglich um medizinische Unterstützung gebeten
  • Die Stadt Halle hat beim Land Sachsen-Anhalt Schutzsets gegen das Coronavirus bestellt

Eine Ausgehsperre gibt es dagegen zunächst nicht. Wiegand sagte, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sei es nötig, die Stadt für zwei bis drei Wochen einzufrieren. "Der Eintritt des Katastrophenfalls ist keine Katastrophe", so Wiegand. "Im Gegenteil: Er soll uns alle vor einer Katastrophe schützen." Die Katastrophenfall-Anordnungen gelten zunächst bis zum 19. April.

Täglich ab 13 Uhr informiert die Stadt Halle in einer Pressekonferenz, die auf dem Youtube-Kanal der Stadt live übertragen wird.

Welche Regelung gilt allgemein im Katastrophenfall?

Das Katastrophenschutzgesetz von Sachsen-Anhalt regelt allgemein, welche Maßnahmen im Katastrophenfall ergriffen werden können. Diese Regeln gelten auch für Halle. So können zum Beispiel betroffene oder gefährdete Gebiete zu Sperrgebieten erklärt werden. Es kann angeordnet werden, dass etwa Bewohner diese Sperrgebiete verlassen müssen.

Menschen in einem Gebiet, in dem der Katastrophenfall festgestellt wurde, sind unter anderem dazu verpflichtet, Anweisungen von Einsatzleitern zu befolgen. Dazu gehört auch, dass sie zulassen müssen, dass Katastrophenabwehrkräfte ihre Grundstücke oder Gebäude betreten. Außerdem sind sie verpflichtet, wenn erforderlich, ihre Fahrzeuge und andere Geräte zur Katastrophenabwehr zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sind Hallenser verpflichtet, bei der Abwehr der Katastrophe – in diesem Fall das Coronavirus – zu helfen, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Wurde in Halle schon einmal der Katastrophenfall ausgerufen?

Es ist nicht das erste Mal, dass in Halle ein Katastrophenfall festgestellt wurde. Zuletzt hatte Halle – und weitere Landkreise, zum Beispiel Stendal – beim Hochwasser 2013 den Katastrophenfall ausgerufen.

Hochwasser 2013 in Halle (Saale), Helfer fahren auf Bott durch die Straße
Auch das Hochwasser 2013 war ein Katastrophenfall in Halle. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Wo ist wegen des Coronavirus noch der Katastrophenfall ausgerufen worden?

Halle ist nicht der einzige Ort in Deutschland, in dem nun wegen des Coronavirus der Katastrophenfall ausgerufen worden ist. Bayern hat sich bereits in der vergangenen Woche für das gesamte Bundesland zu diesem Schritt entschieden.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. März 2020 | 19:00 Uhr

17 Kommentare

konstanze vor 16 Wochen

Die Ministerpräsidenten in Mitteldeutschland werden gebeten eindeutige Ansagen zu machen, Ausgangssperre sofort !
"Unsicherheit im Befehlen erzeugt Unsicherheit im Gehorsam." (v. Moltke)

Bernd65 vor 16 Wochen

Bei allen Aktionismus den unsere Hoppypolitiker veranstalten, wird leider nie die Verhältnismäßigkeit gewahrt. Keiner unserer Politiker stellt sich sich mal die Frage wer hinterher den Schaden bezahlen soll. Es wird die gesamte Wirtschaft lahmgelegt und das ohne darüber nachzudenken wie die Betriebe das überleben sollen. Da werden Kredite angeboten, jedoch nicht mal darüber nachgedacht wie diese von den Firmen zurückgezahlt werden können. Da ja die meisten Firmen jetzt erst einmal keine Aufträge haben.

huebi52 vor 16 Wochen

Die Maßnahmen die für UNSERE Stadt getroffen wurden sind genau richtig. Wer dagegen spricht, ist sich des Ernstes der Lage nicht ganz im Klaren. Was soll denn noch passieren? Ein riesen Lob an unseren Bürgermeister Herrn Wiegand und seine Kollegen. Daumen hoch an ALLE, die in dieser Situation alles daran setzen, das nichts Schlimmeres passiert. Erinnert Euch an das Hochwasser 2013. Gemeinsam haben wir es doch auch damals geschafft! Und gemeinsam werden wir auch diesen Virus bekämpfen und überstehen!

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