Fragen und Antworten Cyberagentur des Bundes startet in Halle

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Vor fast zwei Jahren hatte die Bundesregierung beschlossen, eine Agentur für Cybersicherheit zu gründen. Im vergangenen Jahr haben sich die politisch Verantwortlichen für Halle/Leipzig als Standort für die Cyberagentur entschieden. Jetzt ist sie gegründet und nimmt nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT diesen Montag ihre Arbeit auf. Das Verteidigungsministerium bestätigt dies derzeit nicht. MDR SACHSEN-ANHALT Reporter Marcel Roth begleitet die Gründung von Anfang an. Hier beantwortet er die wichtigsten Fragen.

Illustration von Binärcode und einem Virus
Forschung gegen Bedrohungen im Cyberraum: Von Halle soll die Cyberagentur des Bundes sie anstoßen. Bildrechte: IMAGO

Was soll die Agentur eigentlich machen?

Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH – so der offizielle Name – soll vor allem Forschung anstoßen. Forschung, die dazuführen soll, dass Deutschlands innere und äußere Cybersicherheit mittelfristig gesichert werden soll. Dort wird man zum Beispiel Forscher darüber nachdenken lassen, was Quantencomputer für die Sicherheit von IT-Systemen bedeuten können. Solche Computer werden in der Lage sein, die heutigen Verschlüsselungsstandards mühelos zu knacken. Das birgt für die IT-Sicherheit der öffentlichen Verwaltung, für die Bundeswehr und auch für uns Bürger Gefahren.

Geht es mit solcher Forschung jetzt direkt los?

Ganz so schnell wird es nicht gehen. Es gilt ja in den nächsten drei Jahren etwa 350 Millionen Euro an Forschungseinrichtungen zu verteilen. Das geht nicht ohne eine vernünftige Organisation. Dafür liegen sicher Finanzierungsprogramme in den Schubladen, die können jetzt hervorgeholt und angeschoben werden.

Der lange Weg zur Cyberagentur im Raum Leipzig-Halle

  • August 2018: Das Bundeskabinett beschließt die Gründung einer Cyberagentur, die als GmbH gemeinsam von Bundesverteidigungs- und Bundesinnenministerium getragen werden soll.
  • September 2018: Die Leiterin des Aufbaustabs im Verteidigungsministerium sagt, die Agentur soll noch 2018 gegründet werden.
  • Januar 2019: Bundesverteidigungsministerin von der Leyen und Bundesinnenminister Seehofer verkünden in Berlin, dass der Standort der Cyberagentur der Raum Halle/Leipzig werden soll.
  • Februar 2019: Die Leiterin des Aufbaustabs sagt MDR SACHSEN-ANHALT, um Fachkräfte anzulocken und marktgerecht zu bezahlen, sei für einen Teil der 100 Mitarbeiter einen Ausnahmeregel mit dem Finanzministerium vereinbart worden.
  • Juni 2019: Der Haushaltsausschuss des Bundestages und der Bundesrechnungshof erhalten 112 Seiten, in denen das Verteidigungsministerium Finanzrahmen, Ziele und Aufbau der Cyberagentur darlegt.
  • Juni 2019: Der Bundesrechnungshof stellt die Agentur infrage, kritisiert, dass es keine Erfolgskontrolle gibt, dass das Bundesinnenministerium sich finanziell nicht paritätisch beteiligt, fragt, wie hochqualifiziertes Personal angelockt werden soll und empfiehlt, die Cyberagentur als siebenjähriges Pilotprojekt anzulegen.
  • Juli 2019: Auf dem Flughafen Halle-Leipzig verkünden Bundesinnenminister Seehofer, das Verteidigungsministerium und die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, dass die Agentur in Halle gegründet werden und später auf den Flughafen Halle-Leipzig ziehen soll.
  • Juni 2019: Der stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, Dennis Rohde (SPD), kritisiert, dass keinerlei parlamentarische Kontrolle der GmbH vorgesehen ist.
  • November 2019: Nachdem die Cyberagentur immer wieder von der Tagesordnung des Haushaltsausschusses gestrichen wurde, einigen sich Vertreter der Regierungsfraktionen auf eine Lösung.
  • 14. November 2019: Erst in der letzten Sitzung für den Haushaltsplan 2019, der so genannten Bereinigungssitzung, kommt die Cyberagentur auf die Tagesordnung – die Gelder werden unter strengen Auflagen freigegeben.
  • Ende 2019: Der Vertrag mit einem ersten Geschäftsführer kommt nicht zustande.
  • Mai 2020: Das Bundeskabinett bestätigt Christoph Igel als Forschungsdirektor. Ein zweiter Geschäftsführer soll noch benannt werden.
  • Juni 2020: Die Cyberagentur wird als "Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH" gegründet.

Wo genau in Halle soll die Cyberagentur sein, lange Zeit war ja das alte EnviaM-Gebäude im Gespräch?

Den genauen Standort der Immobilie will noch niemand nennen – aus Gründen der Sicherheit. Das ist auch nachvollziehbar. Aber spätestens, wenn die GmbH im Handelsregister eingetragen wird, kann natürlich jeder die Anschrift erfahren. Nach meinen Informationen soll es ein Immobilie in der Innenstadt von Halle sein, also ziemlich zentral liegen. Der offizielle Plan ist ja, dass die Cyberagentur später dann auf das Gelände des Flughafen Leipzig-Halle zieht. Aber so richtig kann ich daran nicht glauben, denn dort müsste neu gebaut werden, das kostet und wer will auf einem Flughafen arbeiten, wenn es zentral in einer Stadt einen Standort gibt?

Wie viele Arbeitsplätze entstehen in Halle?

Das ist schwer zu sagen. Vorgesehen sind insgesamt bis zu 100 Arbeitsplätze bei der Cyberagentur. Aber ob die alle in Halle entstehen werden, ist nicht ganz klar. Denn die Cyberagentur kann auch Büros an den Standorten eröffnen, an denen dann die eigentliche Forschung stattfinden soll.

Wer ist der Chef?

Ein Mann in Hemd und Jackett
Christoph Igel ist einer von zwei Chefs der Cyberagentur. Bildrechte: Jörg Riethausen

Es gibt zwei Chefs. Der Forschungsdirektor ist Christoph Igel, er wurde auch vom Bundeskabinett bestätigt. Igel hat in den vergangenen neun Monaten für die Bundeswehr im "Kommando Cyber-Informationsraum" in Bonn gearbeitet. Davor war er beim "Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz" und hatte mehrere Professuren inne. Er ist gebürtiger Saarländer, 51 Jahre alt und verheiratet. Igel bekommt noch einen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite gestellt. Sein Name ist noch unbekannt.

Ist die Cyberagentur eine gute Einrichtung?

Ja. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren niemanden getroffen, der die Idee der Agentur grundsätzlich abgelehnt hat. Natürlich muss Deutschland auf Bedrohungen im Cyberraum vorbereitet sein – das gilt sowohl für die innere als auch für die äußere Sicherheit. Aber Kritiker treffen schon einen wunden Punkt, wenn sie sagen, dass es auch andere Behörden und Akteure in Bund, Ländern und der EU gibt, die sich um sehr ähnliche Aufgaben kümmern. Die Stiftung ″Neue Verantwortung″, eine gemeinnützige Denkfabrik u.a. zur IT-Sicherheit, sagt das zum Beispiel. Im Bundestag hatte es ja vor allem Bedenken gegeben, dass die Parlamentarier die GmbH nicht kontrollieren können. Da gab es einen Kompromiss und wir werden sehen, wie transparent die Cyberagentur arbeiten wird und kann.

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Über den Experten Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben" - E-Mail: digitalleben@mdr.de

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Juni 2020 | 07:00 Uhr

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