depot Halle (Saale) Teilen statt besitzen: Warum Halle eine Sharing-Plattform startet

Siegerpodest, Gartenschere oder gleich ein ganzes Bürgerhaus: Die Stadt Halle hat mit "depot Halle" eine Online-Plattform zum Teilen und Verleihen gestartet. Das Ziel: Durch Teilen die Gemeinschaft stärken. Vereine und Privatpersonen können kostenlos oder zu einem geringen Preis, Dienstleistungen und Gegenstände anbieten beziehungsweise buchen.

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Martin Paul, MDR SACHSEN-ANHALT

Die Plattform depot.halle.social bietet Dienstleistungen und Dinge zum Verleih an.
Auf der Internetseite von "depot Halle" kann man gemeinnützig Dinge und Dienstleistungen für Vereine anbieten. Bildrechte: screenshot/depot.halle.social

In Halle startet eine Internet-Plattform, die Vereinen und Privatleuten das Teilen von Dienstleistungen, Technik und anderen Dingen einfacher machen will – egal ob Bohrmaschine, Akkuschrauber oder Weihnachtsmann-Kostüm.

Petra Reinhardt von der Stadtverwaltung erklärt das Ziel der Plattform "depot Halle" so: "Uns ist wichtig, das Engagement in der Stadt zu fördern. Und das ist eine Möglichkeit, es Ehrenamtlichen einfacher zu machen, zum Beispiel ihr Stadtteilfest vorzubereiten".

Kostengünstige oder gebührenfreie Ausleihe

Die Plattform depot.halle.social bietet Dienstleistungen und Dinge zum Verleih an.
Das ist schon im Angebot: Weihnachtsmann-Kostüme, Gartenscheren, Kabeltrommeln, ein Bürgerhaus ... Bildrechte: depot Halle

Die meisten sogenannten Ressourcen auf der Plattform, also Gegenstände wie Flipcharts oder Kabeltrommeln, seien kostenfrei. "Aber einige kosten natürlich ein wenig", so Reinhardt. Wie etwa ein VW Transporter, der von gemeinnützigen Vereinen für 30 Euro pro Tag gebucht werden kann. Wichtig sei jedoch, Geld soll damit nicht verdient werden. Ziel sei, das Gemeinwohl zu stärken.

Und wie funktioniert das Ganze? "Als Privatperson kann man sich einfach anmelden. Als Verein weist man seine Gemeinnützigkeit nach", erklärt Reinhardt, die das Dienstleistungszentrum Bürgerengagement der Stadt leitet. "Das wird dann von uns so eingestuft und dann ist man in der Lage sehr kostengünstig oder gebührenfrei zu leihen", erklärt.

Halle ist damit der erste Regionalpartner der aus Leipzig kommenden Sharing-Plattform und kann damit das Web-Portal für die Stadt nutzen.

So funktioniert depot Halle

Depot Halle ist ein Ressourcenpool, also eine Plattform im Internet, auf der man Dingen und Dienstleistungen anbieten kann – von der Biertischgarnitur bis zu Malerarbeiten. Sachen, die sonst nur zu Hause herumliegen können so für andere nützlich werden.

Über die Plattform werden Verleihkalender, Verleih-Verträge und die Kommunikation mit den Nutzern angeboten.

Unter halle.depot.social sucht man sich den passenden Gegenstand heraus, prüft, ob er verfügbar ist, schickt eine Anfrage ab und vereinbart die Abholzeit. Danach holt man ihn ab und gibt es später wieder zurück.

Bei Fragen kann man sich direkt an das Dienstleistungszentrum Bürgerengagement der Stadt Halle am Marktplatz 1 wenden. Die Sprechzeiten sind Montag, Dienstag und Donnerstag von 09:00 - 18:00 Uhr – oder per Mail unter dlz-buergerengagement@halle.de.

Teilen als Kulturtechnik begreifen

Thorsten Mehnert aus Leipzig steht mit der Stiftung "Ecken Wecken" hinter dem Projekt. Sein Wunsch sei, dass möglichst viele Städte, Gemeinden und Vereine mitmachen – egal ob von  Stadtverwaltungen, Kirchengemeinden oder Bürgerstiftungen betrieben.

Je mehr wir das, was wir einzeln tun auch anderen zur Verfügung stellen, umso wirkungsvoller sind wir.

Thorsten Mehnert, Vorstand Stiftung "Ecken Wecken"
Thorsten Mehnert, von depot.social, Vorstand der Stiftung "Ecken wecken"
Thorsten Mehnert: "Man muss nicht immer alles besitzen, man kann auch teilen." Bildrechte: Sandra Ludewig

 "Viele Leute reden immer übers Teilen", erklärt er MDR SACHSEN-ANHALT am Rande der Auftaktveranstaltung in Halle. Aber dann sagen sie, es sei zu aufwendig. Das wollten sie ändern. Mit der Plattform könne das Teilen einfach, schnell und gut in den Alltag integrierbar gemacht werden. "Man kann Zeiten angeben, wann etwas abgeholt werden kann, man kann auch ablehnen, wenn jemand etwas buchen möchte."

Sein größter Wunsch sei, dass Teilen wieder mehr zur Kulturtechnik wird. "Früher war das vielleicht mal anders, dass gesagt wurde, man muss nicht immer alles besitzen, man kann auch teilen."

Mehnert will mit dem depot-Projekt zivilgesellschaftlich Infrastrukturentwicklung betreiben. "Das ist unser Ziel, dass Zivilgesellschaft gemeinsam Strukturen entwickelt, die von allen genutzt werden können. Je mehr wir das, was wir einzeln tun auch anderen zur Verfügung stellen, umso wirkungsvoller sind wir in unser aller Arbeit."

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Martin Paul im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Martin Paul ist Teil des Online-Teams von MDR SACHSEN-ANHALT – und ist begeistert von den Möglichkeiten und Ausdrucksformen des digitalen Journalismus – Daten und Code, Visualisierung und Video, Longread und Ticker, Social-Media und Dialog. Was ihn umtreibt? Besonders die Frage, wie man das Netz frei und offen gestalten und Teilhabe garantieren kann.

Online-Journalismus hat er im Studiengang Multimedia & Autorschaft an der Universität in Halle und bei der Mitteldeutschen Zeitung gelernt. An der Universität in Leipzig hat er Kulturwissenschaften und Literaturwissenschaft studiert.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Oktober 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 18:56 Uhr

1 Kommentar

Ines W. vor 19 Wochen

Ein guter Ansatz. Letztendlich besitzt jeder Verein Dinge die er nur selten braucht und die teuer angeschafft werden müssen. Wenn man diese Dinge sich unkompliziert leihen kann, dann bleibt mehr Geld für den Vereinszweck übrig.

Im Grunde genommen betrifft das viele Dinge die wir besitzen. Gerne leihen wir manche Sachen unseren Freunden aus, wenn diese frage, doch oft fragt keiner weil die Sachen schon seit Jahren unsichtbar im Keller stehen. Letztendlich kann man auch damit den Ressourcenverbrauch einschränken.

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