Nachruf Halles langjähriger OB Rauen ist gestorben

Der langjährige hallesche Oberbürgermeister Klaus Rauen ist tot. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT starb der CDU-Politiker in der Nacht zum Mittwoch nach langer, schwerer Krankheit. Er wurde 83 Jahre alt. Für Halle hatte er nicht nur in der Zeit als Oberbürgermeister von 1991 bis 2000 viel geleistet und sich so die Hochachtung vieler Hallenser erworben.

Dr. Klaus Rauen
Der aus dem Rheinland stammende Klaus Rauen starb am 9. Mai 2018 in Bonn. Er war für Halle der zweite Oberbürgermeister nach der Wende. Bildrechte: dpa

Groß, schlank und meist lächelnd – so bleibt Klaus Peter Rauen wohl vielen Zeitgenossen im Gedächtnis. Nach Halle kam der Verwaltungsfachmann und studierte Jurist, weil in der Saalestadt der erste Nachwende-Oberbürgermeister als Stasi-Spitzel enttarnt worden war. Man wollte auf Nummer sicher gehen und holte sich einen Kandidaten aus dem Westen. Klaus Rauen (CDU) kam 1991 aus Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt und er enttäuschte nicht: Rauen brachte ein Stück Welt in die Provinz, forcierte den Stadtumbau, holte Investoren und sorgte nicht zuletzt auch für den Erhalt der Kulturlandschaft. Das gefiel den Hallensern.

Er begrüßte Gorbatschow und Kissinger in Halle

Häuser im halleschen Stadtteil Heide-Süd.
Die Veränderungen vom Kasernenstandort hin zum Stadtteil Heide-Süd gehen auf Rauen zurück. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

In den neun Jahren seiner Amtszeit setzte er deutliche städtebauliche Akzente. Er begann mit der umfassenden Sanierung der historischen Innenstadt und dem Umbau der Plattenbausiedlung Silberhöhe in eine Waldstadt. Auch die Neugestaltung des heutigen Stadtteils Heide-Süd geht auf sein Konto. Außerdem etablierte er als Rheinländer den Halleschen Rosenmontagsumzug. Rauen sprach fließend Englisch und Italienisch – und so konnte er souverän bei einer Eröffnung der Händelfestspiele in den 90er Jahren den italienischen Botschafter in seiner Landessprache begrüßen.

Viele werden ihn sympathisch in Erinnerung haben, weil er für die Saalestadt mit dem Herzen dabei war.

Theo M. Lies Redakteur MDR SACHSEN-ANHALT


MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Theo M. Lies erinnert sich an den volksnahen Bürgermeister, der nicht nur gut darin war, auf die Hallenser zuzugehen. "Er wusste auch mit den Medien umzugehen, er hat ja viele internationale Gäste hier begrüßen können – Gorbatschow und Kissinger", sagte Lies. Auch Helmut Kohl zählte oft zu Rauens Gästen. "Der legendäre Eierwurf auf den damaligen Bundeskanzler, da stand Rauen unmittelbar daneben und machte doch eine gute Figur."

Eine Welle der Sympathie

Im Stadtrat focht der damaligen Oberbürgermeister aber immer wieder heiße Kämpfe aus, wie er sich auch in einem Interview aus dem Jahr 2000 erinnerte. Nach seiner Pensionierung arbeitete Rauen als Rechtsanwalt in Halle und betreute vor allem Streitfälle mit Kommunen. Er kämpfte gegen die Schließung des Waggonbaus Ammendorf und unterstützte das 1.200-jährige Stadtjubiläum maßgeblich. Damals schlug ihm noch einmal ein Welle der Sympathie entgegen.

Publikum auf dem Marktplatz Halle.
Halle war die Lieblingsstadt von Rauen. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Danach zog er sich ins Private zurück – und hatte auch Schicksalsschläge zu verkraften. Er verlor seine zweite Ehefrau, eine hallesche Krankenschwester, was ihn deutlich zeichnete. Vor einigen Jahren zog er dann nach Bonn zurück. Dort hatte er mit 82 Jahren noch einmal geheiratet, war aber schon von seiner Krebserkrankung stark angegriffen. Mit seiner letzten Ehefrau besuchte er jedoch noch einmal Halle und zeigte ihr damit seine Lieblingsstadt, wie er sagte.

In der Nacht zum Mittwoch starb Rauen nach langer schwerer Krankheit. Er wurde 83 Jahre alt. Die ehemalige Hallesche Oberbürgermeisterin Szabados (SPD) zeigte sich von seinem Tod im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT tief betroffen. Noch im April habe sie ihm zum Geburtstag gratuliert. Halles CDU-Kreisvorsitzender Tullner schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, Rauen habe sich um die Stadt mehr als verdient gemacht. Die Bürger und die CDU würden ihn in dankbarer Erinnerung behalten. Die Einschätzung von MDR-Reporter Theo M. Lies: "Viele werden ihn deshalb auch sympathisch in Erinnerung haben, weil er für die Saalestadt mit dem Herzen dabei war."

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN ANHALT HEUTE | 10. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2018, 20:00 Uhr

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1 Kommentar

12.05.2018 09:02 Eumelino 1

Kann man machen.. Daß man immer Leute aus dem Westen holen muß.. In dem Falle (scheinbar) gut.. Dennoch hat sich in Halle- im Gegensatz zu anderen Städten im Osten- bis ca. 1998 kaum bzw. gar nicht verändert.. Und das ist (vieleicht) auch ok so.. Ich saß mal mit ihm und Peter Sodann zusammen> im alten Thalia Große Ulrichstraße> war ein interessanter Abend.. R.I.P.