Einbruchschutz Ungebetene Gäste in Halle

Die Kriminalitätsstatistik 2017 für Sachsen-Anhalt ist vorgestellt worden. Im Land ist die Zahl von Wohnungseinbrüchen zurückgegangen. In Halle sorgen sich die Anwohner dennoch vor Einbrechern und Dieben. Ein Bericht aus der Saalestadt.

von Luise Kotulla, MDR SACHSEN-ANHALT

Frank Labitzke hatte sein Fahrrad angeschlossen. Es stand auf seinem Grundstück im halleschen Stadtteil Heide-Süd. Da sollte es sicher sein – könnte man denken. War es aber nicht. Das 900 Euro teure Rad verschwand – genauso wie der 600 Euro teure Fahrradanhänger für sein Kind. "Man fühlt sich in seiner Sicherheit eingeschränkt", sagt Labitzke MDR SACHSEN-ANHALT. Erst am Morgen hatte er den Diebstahl bemerkt. "Auf der Straße lag ein gammeliges Fahrrad – mit dem muss der Dieb gekommen sein", vermutet er.

Die Erfahrung haben auch schon andere in der Nachbarschaft gemacht: Sobald irgendwo ein altes Fahrrad steht, waren Diebe wieder erfolgreich. Vorzugsweise würden Schuppen oder Garagen aufgebrochen und die teuersten Fahrräder geklaut, erzählen die Anwohner. Wertlose bleiben stehen. Bei einem Nachbarn sind die Spuren des Brecheisens noch an der Schuppentür zu sehen, die nächste war nur zwei Minuten unaufmerksam und hatte ihr Rad am helllichten Tag vor dem Haus stehen gelassen. Ein Fehler.

Unbehagliches Gefühl entsteht

Finanziell sei das einigermaßen zu verkraften. Doch Frank Labitzke weiß, wie es ihm und vielen seiner Nachbarn geht: Es bleibt Unbehagen. "Das Gefühl: 'Vielleicht kommen sie wieder, um dann ins Haus einzubrechen.'"

In Heide-Süd gab es im Jahr 2015 94 Einbrüche, im Jahr 2016 waren es 70 Einbrüche. Für 2017 lägen die Zahlen laut Polizei "über dem Trend der letzten Jahre", Fahrraddiebstähle noch nicht mit eingerechnet. Die aktuellen Zahlen der polizeilichen Kriminalitätsstatistik aus dem Bereich Halle will die Polizei nächste Woche bekanntgeben.

Tatverdächtiger aus Rumänien

Das Polizeirevier Halle teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass bereits mehrere Tatverdächtige ermittelt werden konnten. "Hierbei lässt sich feststellen, dass für die Diebstähle insbesondere im Deliktsbereich der Einbrüche in Keller oder Nebengelasse wie Schuppen/Garagen etc. vorrangig Intensivtäter aus dem Bereich der Beschaffungskriminalität verantwortlich sind", so Polizeisprecherin Lisa Wirth. Für einen Einbruch von Dezember 2017 in ein Einfamilienhaus sei beispielsweise ein Tatverdächtiger ermittelt worden: ein 28-jähriger Mann aus Rumänien.

Was die Polizei zum Schutz unternimmt – Wohngebiete werden durch Regionalbereichsbeamte und reguläre Streifen verstärkt bestreift, auch unterstützt durch Kräfte anderer Dienststellen
– durch Polizisten in Zivil will man Täter auf frischer Tat stellen
– Polizeiliche Beratungsstelle im Ritterhaus Halle bietet technische Beratung zum Thema Einbruchsschutz, auch zu Hause oder am Telefon
– mehrmals pro Woche Bürgersprechstunden der Regionalbereichsbeamten
– Präventionsmobil der Polizei ist unterwegs

Fragen an die Polizei auf der Messe Halle

Bei der Zunahme an Einbrüchen wundert es nicht, dass der Stand der Polizei auf der Saalebau-Messe in Halle am Wochenende nahezu überrannt wurde. Die größte Bau-Messe Sachsen-Anhalts hatte das Thema Sicherheit für sich entdeckt. Besonders am Sonnabendvormittag war das sogenannte Präventionsmobil der Polizei voll – zum Teil mit sechs Polizisten und vielen Familien, die sich beraten ließen. Mit dem Präventionsmobil will die Polizei zeigen, wie Täter vorgehen – und so die Bürger auf Schwachstellen hinweisen.

Das Aufklärungsmobil der Polizei auf der Messe Saalebau in Halle
Das Präventionsmobil der Polizei auf der Saalebau-Messe in Halle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Besucher beobachteten besonders interessiert, wie in dem Polizei-Truck ein extra für solche Zwecke eingebautes Fenster aufgehebelt wurde – von einem Beamten des Landeskriminalamts. "Da können Sie mal schauen: So greift der Täter das Fenster an, bricht es recht schnell auf", erklärt der Fachberater für Kriminalprävention in Halle, Alexander Junghans. Mit einem Brecheisen setzte sein Kollege nur drei Mal an und hatte das Fenster in wenigen Sekunden geöffnet. "Das ging aber fix", staunt eine Besucherin.

"Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben"

Junghans empfiehlt sogenannte Pilzkopfzapfenverriegelungen, die sich rundum im inneren Beschlag des Fensters befinden. "Der Täter hat es sehr schwer, dieses Hindernis zu überwinden", sagt er den Zuschauern. Was sie von ihrer Polizei aber auch zu hören bekamen: "Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben."

Das Präventionsmobil wurde vor mehr als 20 Jahren angeschafft und fährt seitdem durch Sachsen-Anhalt. Die Besucher der Messe Halle fühlen sich in ihrem Zuhause zwar noch recht sicher, wollen aber alle vorsorgen. Der Tenor bei vielen Menschen, die die Polizei um Rat fragen: Man höre in der Nachbarschaft oder den Medien immer wieder von Einbrüchen. "Ich komme oft mit dem Gefühl nach Hause: 'Hoffentlich ist alles noch in Ordnung'", sagt ein Mann.

Einbruchsicherung Messebesucher am Präventionsmobil der Polizei

Auf der Messe Saalebau in Halle hat die Polizei Besucher beraten, wie sie ihr Haus vor Einbrechern schützen können. Diese Fragen haben die Messegäste interessiert.

Eine junge Frau mit Blumenschal wird interviewt
"Wir wollen ein neues Haus bauen und dementsprechend suchen wir Möglichkeiten, uns vor Einbrechern zu schützen. Deswegen sind wir hier. Man hört immer wieder, dass bei Leuten eingebrochen wird und da möchte man sich schon irgendwie schützen, gerade, wenn es um das eigene Haus geht. Aus einer Mietwohnung kann man schneller wieder ausziehen, wenn jemand eingebrochen ist und man sich nicht mehr wohlfühlt. Aber aus einem eigenen Haus ist das nicht mehr so leicht möglich." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine junge Frau mit Blumenschal wird interviewt
"Wir wollen ein neues Haus bauen und dementsprechend suchen wir Möglichkeiten, uns vor Einbrechern zu schützen. Deswegen sind wir hier. Man hört immer wieder, dass bei Leuten eingebrochen wird und da möchte man sich schon irgendwie schützen, gerade, wenn es um das eigene Haus geht. Aus einer Mietwohnung kann man schneller wieder ausziehen, wenn jemand eingebrochen ist und man sich nicht mehr wohlfühlt. Aber aus einem eigenen Haus ist das nicht mehr so leicht möglich." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann mit Brille wird interviewt
"Ich sorge mich sehr. Wir haben vor 20 Jahren im Saalekreis ein neues Haus gebaut und da sind noch keine großen Sicherheitsmaßnahmen drin. Es ist viele Jahre her, da haben wir in Halle-Neustadt gelebt und da haben wir schon einmal einen Wohnungseinbruch erlebt. Das bekommen Sie einfach emotional nicht mehr weggewischt. Und da das jetzt immer wieder aktuelles Thema ist, beunruhigt mich das sehr. Die Aufklärungsrate steigt nicht, die Einbrüche nehmen zu, in der Konsequenz sinken prozentual gesehen die Aufklärungsraten." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann mit brauner Jacke wird interviewt
"Ich wohne in einer Mietswohnung in Halle-Neustadt und bei der Kriminalität kann man zugucken, wie die steigt. Abends ist es schon schwierig in unserer Gegend. Und da war die Frage an die Polizei: Was kann man tun, um der Wohnungsgenossenschaft vielleicht einmal einen Tipp zu geben. Ich fühle mich verhältnismäßig sicher, ich habe mir persönlich einen Profilzylinder gekauft und selber einmontiert, eine hohe Sicherheitsstufe. Da ist die Wohnungstür gesichert." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Familie, Sohn, Vater, Mutter, wird interviewt.
"Wir haben gefragt, wie man ein Haus sicher machen kann und wie der kleine Mann hier sein Fahrrad ordentlich anschließt – und was er für ein Schloss braucht. Anlass ist ein anstehender Hauskauf. Und, dass die Einbrüche immer ein bisschen mehr geworden sind. Bei unseren Nachbarn hatten sie eingebrochen gehabt und mal gucken, was möglich ist. Wir haben vor, in dem Haus umzubauen, dazu gehören auch Fenstersicherung und Türensicherung. Das war jetzt unser Anliegen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau mit gestreiftem Pullover wird interviewt
"Wir suchen neue Fenster, weil unser Haus schon 20 Jahre alt ist. Wir suchen Fenster, die einbruchsicher sind, die man mit einem Stein nicht einwerfen kann. Deswegen sind wir hier und wir haben in Erfahrung gebracht, dass es so etwas gibt. Das wäre eine Dreifachverglasung. Durch die Medien wird man sensibilisiert. Wir hatten schon einmal einen Einbruch, ungefähr vor 25 Jahren. Das vergisst man nicht wieder. Wir hoffen, dass es nicht wieder vorkommt, aber jetzt wollen wir, wo die Einbrüche immer mehr werden, unser Eigentum sichern."

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20.03.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mh
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Polizei gibt Sicherheitsberatung

Mehrmals pro Woche sind Polizeikommissar Junghans oder seine Kollegen bei Hausbesuchen. Sie zeigen den Bewohnern dann vor Ort die Stellen, die für Einbrecher besonders interessant sind – so wie bodentiefe Terrassenfenster. "Die Nachfrage zur technischen Beratung ist seit Jahren sehr hoch und ich bin der Auffassung, dass das auch in den kommenden Jahren so gefragt sein wird", sagt Junghans MDR SACHSEN-ANHALT.

Was er nicht oft genug wiederholen kann: Die Menschen sollen in den sozialen Medien oder auf dem Anrufbeantworter nicht kommunizieren, dass sie nicht da sind und immer zwei Mal abschließen – egal wie kurz sie Wohnung oder Haus verlassen. Das Wichtigste: Fenster niemals angekippt lassen. "Ein angeklapptes Fenster ist ein offenes Fenster", so Junghans. Dann helfe auch die Pilzkopfverriegelung nichts mehr.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2018, 19:57 Uhr

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1 Kommentar

20.03.2018 14:53 Siegfried 1

ei Gott wie zu DDR -Zeiten ...............
da haben wir vergessen ab und zu Nachts die Haustüre abzuschließen , nie was weggekommen damals es ist grauenvoll geworden mit dem Diebstahl jeden Tag bei uns ,sogar jetzt schon auch im DG , feine Gesellschaft mit die Banden die es jetzt gibt , Vielen Dank an Merkel und Konsorten , wird da auch gemaust ?????