Projekt an Schulen in Halle Glücklich sein im Unterricht lernen

Neben Mathe und Deutsch steht bei Schülern in Halle derzeit auch "Glück" auf dem Lehrplan. In einem Projekt des DRK-Freiwilligendienstes vermitteln Studenten den Schülern, was Glück bedeutet. Der Glücks-Unterricht soll auch an anderen Schulen in Sachsen-Anhalt angeboten werden.

Schüler stehen in einem Kreis
Gemeinsame Übungen sollen Vertrauen innerhalb der Klasse aufbauen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hand in Hand stehen die Schüler der Sankt Mauritius-Sekundarschule in Halle auf dem Schulhof. Abwechselnd lehnen sie sich nach vorn und zurück. Dann lässt sich ein Schüler nach hinten fallen, andere fangen ihn auf. Es sind verschiedene Gruppenübungen, die die Schüler an einem Vormittag im Juni ausprobieren. Sie lernen, Vertrauen zu ihren Mitschülern aufzubauen.

Die Schule ist eine von mehreren in Halle, die sich an einem Pilotprojekt beteiligt. Einen Monat lang gibt es pro Woche bis zu zwei Unterrichtsstunden, in denen sich die Schüler mit dem Glückskonzept des Pädagogen Ernst Fritz-Schubert auseinandersetzen. Dabei steht die Förderung der Lebenskompetenz und Lebensfreude im Mittelpunkt. Zudem soll es den Schülern ermöglicht werden, ihre Persönlichkeit zu finden und zu entwickeln. Pädagogen gehen davon aus, dass Schüler somit lernen, zufriedener und selbstbewusster zu sein und einen freundlicheren Umgang untereinander pflegen. Initiiert wird das Projekt in Halle von den DRK-Freiwilligendiensten Sachsen-Anhalt, der Freiwilligenagentur Halle und der Martin-Luther-Universität.

Unterrichtsfach Glück

2007 führte der damalige Schuldirektor Ernst Fritz-Schubert das Schulfach Glück an einer Heidelberger Schule ein. Im Unterricht werden Identitätsfindung, Persönlichkeitsförderung und die Beziehungen zu anderen Menschen und der Umwelt betrachtet. Es werden unter anderem Konzentrations- und Kommunikationsübungen durchgeführt. Außerdem lernen Schüler durch Yoga, Klettern oder Pilates ihren Körper wahrzunehmen.

Schule soll Spaß machen

Eine Frau sitzt vor einem Bücherregal
Studentin Sophie Manderla Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sophie Manderla studiert im vierten Semester Lehramt und nimmt an dem Projekt freiwillig teil. Sie vermittelt den Schülern das Glückkonzept und hat dadurch die Möglichkeit, bereits vor ihrem Referendariat vor einer Schulklasse zu stehen. Sie erklärt, was die Schüler aus dem Projekt mitnehmen können: "Ziel dieses Glückkonzeptes ist, dass den Schülern die Schule Spaß macht, dass sie gerne in die Schule gehen. Das wollen wir über Spiele und Übungen schaffen, die wir meistens in Gruppen oder in der gesamten Klasse durchführen." Neben Manderla nehmen vierzehn weitere Lehramts-Studenten der Universität Halle an dem Projekt teil.

Annemarie Söder vom DRK Landesverband Sachsen-Anhalt sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass die Studenten von pädagogischen Mitarbeitern des DRK-Freiwilligendienstes im Glückkonzept geschult werden. Dieses werde bereits bei der Arbeit mit FSJlern angewendet. So kam schließlich die Idee auf, auch Studenten einzubinden und das Glückkonzept an Schulen zu integrieren. Hierbei handelt es sich jedoch um kein eigenes Unterrichtsfach Glück, sondern um Unterrichtseinheiten, die sich mit dem Thema Glück befassen.

"Jungs nerven nicht mehr so"

Schüler sitzen in einem Kreis
Die Schüler lernen über ihre Gefühle zu sprechen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Den Schülern der Sankt Mauritius-Sekundarschule scheint der Glücks-Unterricht zunächst etwas befremdlich, aber dennoch Spaß zu machen. Einer der Schüler meint: "Wir sollen so im Unterricht ein bisschen mehr Glück empfinden und es soll uns mehr Spaß machen." Eine Schülerin findet, dass durch die Übungen die Klasse etwas zueinander gefunden hat: "Und die Jungs nerven mich jetzt nicht mehr so viel."

So glücklich ist Sachsen-Anhalt

Die Menschen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg zählen zu den unglücklichsten Menschen in Deutschland. Das zeigt der Glücksatlas 2018. Die Studie fragt unter anderem nach der Zufriedenheit mit dem Leben allgemein und speziell auch nach der Zufriedenheit in einzelnen Lebensbereichen wie "Wohnung und Freizeit", "Arbeit", "Gesundheit" und "Haushaltseinkommen".  Auf einer Skala von 0 bis 10 bewerteten die Sachsen-Anhalter ihre allgemeine Lebenszufriedenheit im Schnitt mit 6,88 Punkten. Die relativ niedrige Zufriedenheit führen die Autoren der Studie vor allem auf das vergleichsweise niedrige Einkommen im Land zurück. Am glücklichsten sind die Menschen in Schleswig-Holstein (7,44) vor Hamburg und Hessen. Seit 1984 wird die Lebenszufriedenheit jährlich gemessen.

Psychologin unterstützt die Idee

Dass Glück auf den Lehrplänen von Schulen gesetzt wird, unterstützt die Psychologin Elke Paul. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich möchte, dass wir alle glücklicher sind. Und ich denke, das sind Fähigkeiten, die man erlernen kann. Also warum nicht in der Schule beginnen?"

Der Psychologin sei es vor allem wichtig, dass sich Menschen mehr um soziale Beziehungen, als Freunde und Familie, kümmern. Das könne man lernen. Psychologin Paul betonte zudem, dass mentale Krankheiten immer stärker auch schon bei Kindern auftauchen: "Vier von 20 Kindern kämpfen heute mit einer mentalen Krankheit – die meisten nicht diagnostiziert." Außerdem treten Depressionen immer früher auf.

Wunsch auf Ausweitung des Projektes

Bislang wird der Glücks-Unterricht nur an Schulen in Halle gelehrt. Der DRK Landesverband hofft allerdings darauf, dass Projekt im nächsten Jahr in ganz Sachsen-Anhalt ausweiten zu können. Immerhin gibt es an anderen Schulen Deutschlands – wie in Berlin, Heidelberg und München – bereits das Schulfach Glück.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2019, 11:48 Uhr

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5 Kommentare

11.06.2019 07:45 Sabine 5

Traurig, dass man das hier nicht ernst nimmt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass jemand, der lächelt, sich automatisch besser fühlt. Genauso sollte man sich nicht mit negativen Menschen befassen. Die halten einen zurück. Die saugen einem quasi die Energie aus. Ich hatte einen Vater, der so negativ war, dass ich bereits mit 12 an Depressionen litt. Wenn diese Kinder dann besser auf andere Menschen zugehen können, weil sie eine positive Ausstrahlung haben oder Sachen mit Humor nehmen können, hätte das viele positive Folgen. Allein scho soziale Kontakte würde häufiger auftreten. Viele Eltern sind ja lieber arbeiten oder am Smartphone. Kaum Zeit für die Kinder. So etwas bereitet aufs Leben vor, genauso wie kritisches Denken oder genügend Wissen über Ernährung und Sport.
Ich gehe immer mit einem Lächeln vor die Tür und man wirkt völlig anders auf die Leute und man bekommt viel positives zurück. In einer Zeit in der viele Menschen offen über Einsamkeit reden, ist das ein guter Schritt.

09.06.2019 13:10 jackblack 4

Ich bin dafür, dass JEDEM Schüler eine Psychologin, ein Sozialarbeiter und ein Butler bereitgestellt wird, so ist man dann PERFEKT zukunftsfähig. ( Ironie aus )

09.06.2019 12:01 B 3

dies brauchten wir zu DDR- Zeiten nicht und unsere Kinder auch nicht, weil bei uns das Leben noch normal war , im Gegensatz zu heute !