Werkstattbericht Wie sich der Feinstaubsensor in der Praxis schlägt

Studierende der Uni Halle wollten wissen, wie hoch die Feinstaubbelastung in ihrer Umgebung ist. Dafür haben sie den Sensor SDS011 benutzt. Doch um die Messergebnisse realistisch einzuschätzen, müssen die Schwächen des Sensors berücksichtigt werden. Das kann dieses Gerät: ein Gastbeitrag.

Ann-Sophie Henne
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von Ann-Sophie Henne

Der Feinstaubsensor SDS011 misst nach Angaben des Herstellers Partikelgrößen von PM2,5 und PM10.
Der Feinstaubsensor SDS011: Sieht ein bisschen aus wie ein Telefon aus einer anderen Galaxie Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Journalistische Datenprojekte sind eine schöne Sache, doch hinter jedem Datensatz stehen Messwerte. Und hinter jedem Messwert steht ein Messgerät mit Stärken – und Schwächen. Deshalb soll hier in diesem Artikel der Feinstaubsensor SDS011 vorgestellt werden. Mit ihm haben Studenten des Studiengangs Multimedia & Autorschaft der Uni Halle an verschiedenen Orten in der Region Feinstaubwerte gemessen.

Schwankungen bei Luftfeuchte, -druck und -temperatur

Der Feinstaubsensor SDS011 misst anch Angaben des Herstellers Partikelgrößen von PM2,5 und PM10.
Mit "Staubi", dem Feinstaubsensor SDS011, waren die Studierenden in Halle unterwegs. Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Was auf den ersten Blick eher nach altertümlicher Kamera mit Kabel-Chaos aussieht, hat in der Praxis einige sehr nützliche Funktionen. Der Feinstaubsensor misst, sofern er mit dem Internet verbunden ist, im Minutentakt die Feinstaubwerte in der Luft und überträgt die Daten online an eine sich ständig aktualisierende Feinstaub-Karte. Tausende "Sensorpaten" in ganz Deutschland haben den kleinen Sensor an ihrer Hauswand hängen und tragen so dazu bei, den Feinstaub in ihrer Stadt präsenter zu machen. Das Ganze ist ein sogenanntes Citizen Science Projekt des OK Labs Stuttgart.

Doch wie verlässlich misst das kleine Gerät den Feinstaubgehalt in der Luft? Eine Studie der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz zeigt, dass der Sensor empfindlich auf Schwankungen von Luftfeuchte, Luftdruck und Lufttemperatur reagiert, was die Messergebnisse verfälschen kann. Das gilt hauptsächlich für Außen-, aber auch für Innenbereiche.

Keine Überprüfung der Werte

Wenn man den kleinen SDS011 nun für amtliche Messungen einsetzen wollte, würde man momentan an den strengen Richtlinien scheitern. Denn der Sensor erfüllt viele der Kriterien noch nicht, wie zum Beispiel die Messunsicherheit von 25 Prozent und eine Mindestdatenerfassung von 90 Prozent. Vor allem ist bei den Messungen der Studierenden zu beachten, dass keine Überprüfung der Messergebnisse mithilfe von Referenzmethoden stattgefunden hat.

Die erforderlichen Kriterien für die Anbringung des Sensors sind bei den Projekten dagegen nach Möglichkeit eingehalten worden: Hierzu zählen zum Beispiel, dass die Einlassöffnung des Sensors freigehalten, mit gebührendem Abstand von Emissionsquellen gemessen und eine Messhöhe zwischen 1,5 und 4 Meter über dem Boden eingehalten wird.

Fazit

Die Messungen mit dem Sensor liefern keine perfekt akkuraten Werte. Messfehler können auftreten, was auch passiert ist. Aber vielleicht geht es bei dem kleinen Sensor auch gar nicht um vollkommene Präzision. Denn er schafft es, etwas Unsichtbares – den Feinstaub – sichtbar zu machen. Und damit leistet er eigentlich mehr als genug.

Ann-Sophie Henne
Bildrechte: Ann-Sophie Henne

Über die Autorin Ann-Sophie Henne kommt ursprünglich aus einem kleinen Ort bei Stuttgart und studiert seit Oktober MultiMedia& Autorschaft in Halle. Während ihres Bachelor-Studiums arbeitete sie als freie Mitarbeiterin bei zwei Zeitungen und verwaltete die Social Media Accounts von mehreren Start-Up Unternehmen. Online-Journalismus bedeutet für sie: Neugierig sein, schnell reagieren und lernen, sich kurz zu fassen.

Quelle: MDR/mp

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 18:42 Uhr

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