Das Autobahnende der A 143 bei Halle
Hier endet die A143 derzeit. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Westumfahrung Halle Fragen und Antworten zur A143

Die Autobahn 143 bei Halle soll künftig die Autobahnen 14 und 38 miteinander verbinden. Aktuell endet die Trasse allerdings auf halber Strecke, denn über den Bau wurde jahrelang gestritten. Nun hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Arbeiten weitergehen können. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Maria Hendrischke, MDR SACHSEN-ANHALT

Das Autobahnende der A 143 bei Halle
Hier endet die A143 derzeit. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Wo soll die Autobahn 143 entlangführen?

Die Autobahn 143 soll als Verbindungsstück zwischen der A14 und der A38 im Nordwesten an Halle vorbeiführen.

Warum soll es die Autobahn geben?

Die A143 soll Halle vom Durchgangsverkehr entlasten. "Der Verkehr im Ballungsraum Halle/Leipzig kann sich dann gleichmäßiger verteilen", sagte Verkehrsminister Thomas Webel (CDU). Über viel Verkehr haben sich bei einer Informationsveranstaltung im April 2018 beispielsweise Anwohner aus Halle-Dölau und der Trothaer Straße beschwert.

Durch die Umfahrung soll sich außerdem die Luftqualität in Halle verbessern. Dort wurde schon häufig der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten.

Grafische Darstellung der geplanten Streckenführung der A143.
Der rot markierte Teil der A143 fehlt noch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was ist fertig und was fehlt noch?

Der südliche Teil der Autobahn ist bereits fertig gebaut. Aber die Umfahrung endet auf halber Strecke an der Bundesstraße 80 bei Bennstedt. Ein etwa 13 Kilometer langes Stück von Bennstedt zur A14 fehlt noch.

Was hat den Bau der A143 aufgehalten?

Die Planung für die Autobahn hat bereits vor etwa 20 Jahren begonnen. Aber zwölf Jahre lang gab es einen Baustopp. Der Grund dafür: Der Naturschutzbund NABU hatte 2007 erfolgreich vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den Bau geklagt.

Denn die Autobahn soll direkt durch Naturschutzgebiete führen, die zum Naturpark Unteres Saaletal gehören. Betroffen ist unter anderem eine Landschaft mit Phorphyrkuppen – das sind Hügel vulkanischen Ursprungs in der Region Halle. Die Kuppen sind europäisches Naturerbe und nach der europäischen Flora- und Fauna-Habitat-Richtlinie streng geschützt. In dem Naturschutzgebiet wächst ein sehr seltener Rasen, genannt Magerrasen. Außerdem leben dort geschützte Tierarten, zum Beispiel die Zauneidechse und mehrere Fledermausarten.

Die Naturschützer bezweifeln, dass die A143 überhaupt nötig ist. Laut Arbeitskreis Hallesche Auenwälder (AHA) wären im Westen Halles die Bundesstraßen 86 und 180 andere mögliche Routen. Im Süden und Osten sei die A9 eine Alternative zur Umfahrung der Stadt.

Bewohner der Orte an der geplanten A143 sehen darüber hinaus ihre Lebensqualität durch möglichen Verkehrslärm bedroht.

Wie sehen die Baupläne für die A143 jetzt aus?

Visualisierung einer Autbahn in einer Landschaft.
Visualisierung der Grünbrücke über die Autobahn. Bildrechte: DEGES

Nach der erfolgreichen Klage des NABU hatten die Autobahnplaner den ursprünglichen Bauplan von 2005 mehrfach überarbeitet. Das Landesverwaltungsamt bearbeitete hunderte Einsprüche gegen das Bauvorhaben.

Im Frühjahr 2018 stellten die Planer schließlich einen überarbeiteten Entwurf fertig. Das Landesverwaltungsamt konnte einen sogenannten Planfeststellungsbeschluss veröffentlichen. Zu den Nachbesserungen gehört ein 300 Meter langer Tunnel, der unter der Phorphyrkuppenlandschaft hindurchführen soll. Außerdem ist eine Grünbrücke für Fledermäuse geplant.

Kann jetzt weitergebaut werden?

Kurz gesagt: Ja.

Die Langfassung: Nachdem der Planfeststellungsbeschluss vorlag, konnte binnen eines Monats gegen das Bauvorhaben Klage beim Bundesverwaltungsgericht Leipzig eingereicht werden. Tatsächlich stellte sich dann ein Unternehmen aus dem Saalekreis mit einen Eilantrag auf sogenannten vorläufigen Rechtsschutz gegen die Baupläne. Dem Unternehmen gehören Grundstücke auf der geplanten Strecke der A143. Die Bürgerinitiative Saaletal, die das Naturschutzgebiet Unteres Saaletal erhalten will, ünterstützte die Klage. Das Bundesverwaltungsgericht lehnte den Antrag im Jahr 2018 aber ab.

Eine Demonstration
Naturschützer haben gegen die Autobahn protestiert (Archivbild). Bildrechte: MDR/Tobias Barth

Allerdings hatte das Unternehmen bereits 2005 gegen den ersten Bauplan der A143 geklagt. Weil damals der NABU ebenfalls – und erfolgreich – geklagt hatte, war das Klageverfahren des Unternehmens zum Ruhen gebracht worden. Das Unternehmen griff diese Klage wieder auf und wehrte sich damit dieses Mal gegen die aktualisierten Pläne.

Doch auch diese Klage hat das Bundesverwaltungsgericht im Juni 2019 abgewiesen. Damit kann der Bau der A143 weitergehen. 2025 soll die Strecke fertig sein.

Wie viel soll die A143 kosten?

Die Kosten für den fehlenden Abschnitt der A143 werden mit 350 Millionen Euro veranschlagt. Bei der vorangegangenen Kostenermittlung im Jahr 2009 war von etwa 240 Millionen Euro die Rede. Die gestiegenen Kosten hängen laut Verkehrsministerium mit den nachgebesserten Natur- und Siedlungsschutzmaßnahme zusammen, darunter einem verlängerten Tunnel. Außerdem seien die Baupreise stark angestiegen.  

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT - in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte.

Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh,kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Juni 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 14:34 Uhr

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1 Kommentar

13.06.2019 14:03 Hallunke 1

Die Verzögerung beim Bau kostet den Steuerzahler also mindestens 110 Mio. Euro. Nicht eingerechnet die Kosten für Gerichte, Gutachten, Umplanungen und der volkswirtschaftliche Schaden durch längere Fahrzeiten und Umwege.

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