Vor der Oberbürgermeister-Wahl Themen, die Halle bewegen – OB-Kandidaten antworten

Am Sonntag, den 13. Oktober, wählen die Hallenser ihr Stadtoberhaupt. Amtsinhaber Bernd Wiegand und sieben weitere Bewerber treten an. 191.000 Wählerinnen und Wähler sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. MDR SACHSEN-ANHALT hat alle Kandidaten vor der Oberbürgermeister-Wahl zu den wichtigsten Themen befragt, die Menschen in der Stadt Halle bewegen.

Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl in Halle 2019
Wer wird die kommenden sieben Jahre Stadtoberhaupt von Halle? Eine Frau und sieben Männer haben ihren Hut in den Ring geworfen. Bildrechte: MDR/dpa/Stadt Halle/Collage

Die OB-Kandidaten äußern sich zu diesen Themen:

MDR SACHSEN-ANHALT: In Halle sind Finanzen wie überall ein wichtiges Thema. Wegen der neuen Kommunalverfassung des Landes ist die Stadt gezwungen, etwa 200 Millionen Euro Schulden aus Kassenkrediten abzubauen. Wie ist Ihre Strategie?

Bernd Wiegand, parteilos

Halles OB Bernd Wiegand
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir haben die Chance, in 30 Jahren pro Jahr jeweils acht Millionen Euro abzutragen. Es wird finanziert über eine Umschuldung und es werden dann Schuldscheindarlehen die Möglichkeit geben, diese Summe in 30 Jahren abzutragen. Von daher sind wir momentan in der Diskussion mit dem Stadtrat, der diese Möglichkeit hat, und jetzt in den Gremien diskutiert.

Andreas Silbersack, tritt für FDP und CDU an

Andreas Silbersack
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich werde mir natürlich, wenn ich die Wahl gewonnen habe, einen Überblick über die finanzielle Situation hier in der Stadt Halle schaffen. Dann wird mein erster Weg auch zum Land Sachsen-Anhalt führen, denn das Land Sachsen-Anhalt weiß, nur wenn es der Kommune, der Stadt Halle gut geht, geht es auch dem Land Sachsen-Anhalt gut. Wir werden darüber reden müssen, welche Möglichkeiten es gibt, partnerschaftlich die Schulden zurückzuführen bzw. abzusenken. Ich denke, dass das Land sagt, wenn wir einen Schuldenerlass mittragen, dann muss die Stadt Halle auch zeigen, wie sie Mehreinnahmen generiert.

Ich habe klare Vorstellungen, was ich dem Land Sachsen-Anhalt sage, wie wir z.B. die Gewerbesteuer anheben. Das wird meines Erachtens dadurch gelingen, dass man hier mehr Klein- und Mittel-Gewerbe ansiedelt, dass wir mehr Unternehmen, auch kleinere und mittelständische Unternehmen, in die Stadt Halle bekommen, wo wir natürlich mittelfristig die Gewerbesteuern anheben, aber zunächst mal absenken können auf das Niveau des Umlandes. Dann werden wir sehr gut die Gewerbesteuern entwickeln. Denn die derzeitige Situation – nach Stand 2017 – ist, dass Magdeburg Gewerbesteuern einnimmt von 108 Millionen Euro und Halle von 57 Millionen Euro, also die Hälfte. Das kann meines Erachtens nicht sein. Es gibt eine Doppelstrategie: Die eine Strategie heißt, wir brauchen die Mithilfe des Landes im eigenen Interesse des Landes und zweite: Die Stadt Halle muss mehr Gelder generieren. 

Hendrik Lange, Gemeinschaftskandidat von Linken, Grünen und SPD

Hendrik Lange, Die Linke
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuerst hätte man das halbe Jahr jetzt nutzen müssen, um Gespräche zu führen. Dieses ist seitens der Stadtspitze nicht genutzt worden, so dass wir jetzt einen Antrag in den Stadtrat eingebracht haben, der sieht wie folgt aus: Der Oberbürgermeister soll beauftragt werden, eine Kommission zusammenzustellen in der alle Fraktionen sind; es soll eine Verlängerung der Frist des Landesverwaltungsamtes geben – entsprechend soll ein Antrag gestellt werden, und dass wir dann mit dem Land und dem Landesverwaltungsamt tatsächlich Gespräche führen müssen. Denn es ist Fakt: Die Unterfinanzierung von Kommunen wie Halle ist strukturell, weil wir Aufgaben bekommen – seitens des Landes, seitens des Bundes – , aber dafür nicht die entsprechende Finanzierung. Also müssen wir gucken, wie wir diese strukturelle Unterfinanzierung ausheben. Das Problem ist, wenn wir das nur mit den freiwilligen Leistungen machen würden – freiwillige Leistung bedeutet Theater, Sport, Vereine, alles was sozusagen das Leben in der Stadt ausmacht – dann würden wir Stadtleben zum Erliegen bringen. Und das kann nicht Ziel des Landes sein und deswegen braucht es die Verhandlung.

Daniel Schrader, parteilos

Daniel Schrader
Bildrechte: Daniel Schrader

Ich möchte den Haushalt priorisieren. Das heißt, die Ausgaben sollen an die aktuelle Situation angepasst werden. Fortschritt heißt nicht, dass wir bauen müssen und vor allem nicht so massiv. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wir müssen Stück für Stück sanieren und modernisieren. Wir müssen die Ausgaben für Dritte eliminieren. Wir benötigen das Fachpersonal in der Verwaltung und das für immer und nicht für einen kurzen Zeitraum und eine hohe Prämie. Weiter müssen wir die Steuereinnahmen steigern. Das schaffen wir nur, wenn wir dem vorhandenem und dem neu ansiedelndem Gewerbe entgegenkommen. Wir benötigen auch keine weiteren Logistikfirmen, sondern produzierendes Gewerbe, Handels- und Handwerksbetriebe. Der nächste Schritt sind Gespräche mit dem Land. Dieses muss uns als Kommune mehr unterstützen. Auch Gelder vom Bund müssen die Kommunen unterstützen. Die Kommunen müssen alles auferlegte realisieren, müssen aber auch sehen, wie sie es finanziert bekommen. An dieser Stelle muss das Land unterstützen und auch dem Bund Druck machen.

Falko Kadzimirsz, Freie Wähler

Falko Kadzimirsz
Bildrechte: Alena Stalmashonak/Alena-S-Art Photography

Die Entschuldung bzw. der gezielte Abbau der Schulden unserer Stadt ist für mich die vordringlichste Aufgabe. Die aktuelle Situation der Finanzen der Stadt und der derzeit unklare Umgang damit führen zu einer weiteren Verschlechterung der Gesamtsituation.

Wichtig dabei ist, dass der Abbau durch mehrere Komponenten erfolgt, sozusagen einem Entschuldungs-Mix. Dieser sollte bestehen aus einem stärker ausgeprägten Forderungsmanagement der Stadtverwaltung (immerhin gibt es 74 Millionen offene Forderungen) einer sinnvollen Steigerung der Gewinne der kommunalen Gesellschaften (SWH, HWG,…) und deren vollständige Einbringung in den Haushalt, einer vernünftigen Umschuldung von Krediten in ertragbaren Rahmen ohne der Folgegeneration einen Schuldenberg zu hinterlassen. Parallel werde ich dieses Programm mit dem Land sowie dem Städte- und Gemeindetag Sachsen-Anhalt diskutieren und eine Neubewertung der Maßgaben zum Abbau der Kassenkredite veranlassen. Parallel werde ich dies auch auf dem Klageweg versuchen, um eine weitere Option zu haben.

Dörte Jacobi, unabhängige Kandidatin – unterstützt durch "Die Partei"

OB-Kandidatin Dörte Jacobi
Bildrechte: MDR/ Thomas Krebs/Die PARTEI Halle

Das ist ein Problem, was auf seinen Urheber zurückfällt. Als Oberbürgermeisterin sehe ich mich in der Verantwortung, den Daseinsvorsorge-Auftrag der Kommunalverfassung auch gegenüber höheren politischen Ebenen zu verteidigen, d.h. auch einzufordern, übertragene Aufgaben mit entsprechenden Mitteln zu untersetzen und verfassungsfeindliche Normensetzungen zu kritisieren, d.h. in Städtebündnissen mit starker Stimme gegenüber Land und Bund für die Bedürfnisse der Kommunen in kontinuierlichem Austausch zu stehen.

Lennart Thiemann, unabhäniger Kandidat

Rolf Lennart Thiemann
Bildrechte: Rolf Lennart Thiemann

Das Land ist für eine auskömmliche und angemessene Finanzausstattung der Kommunen verantwortlich. Dazu gehört auch die Bereitschaft und der Wille zum Abbau kommunaler Kassenkredite. Olaf Scholz drängt geradezu die bereitgestellten Mittel vom Bund abzurufen, jedoch muss hierbei das Land sich beteiligen, um Halle einen fiskalischen Neustart zu ermöglichen. Diese Unterstützung werde ich einfordern.

Ich werde in Halle ein aktives Forderungsmanagement einführen. Hierbei sind die bestehenden Forderungen auf Uneinbringlichkeit zu prüfen, der Verkauf von Forderungen ist unter ökonomischen Gesichtspunkten abzuwägen, da ein Verkauf an Inkassounternehmen oder Factoringgesellschaften mit hohen Abschlägen belastet ist.

Eine weitere Möglichkeit ist die Wandlung der Kassenkredite in langfristige Kredite, die von dem momentanen Zinstief profitieren und somit eine Entlastung generieren.

Des Weiteren ist der Abbau kommunaler Kassenkredite mit dem Willen strukturelle Änderungen voranzutreiben verknüpf, um eine Neuverschuldung dauerhaft zu verhindern. Die Möglichkeiten zur Steigerung der Erträge ausloten ohne neue Belastungen für die Bürger.

Martin Bochmann, unabhängiger Kandidat – unterstützt durch "Die Partei"

OB-Kandidat Martin Bochmann
Bildrechte: MDR/ Thomas Krebs/Die PARTEI Halle

Ich werde mich gar nicht darauf einlassen, weil ich die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung mehr als anzweifele. Lieber eine Klage dagegen. Die Chancen stehen gut, es gab in letzter Zeit einige bedeutende Urteile zugunsten der Kommunen.

In den vergangenen Jahren war das Verhältnis zwischen Oberbürgermeister und dem Stadtrat häufig angespannt. Wie wollen Sie das Verhältnis gestalten?

Bernd Wiegand

Das ist Ihre Einschätzung. Wir haben wichtige Projekte in der Stadt vorangebracht. Wir haben sieben Mal einen gesetzlich ausgeglichenen Haushalt vorgelegt, der uns viele Fördermittel gebracht hat, der viele Bauten und viele Veränderung auf Plätzen ermöglicht hat. Deshalb kann das Verhältnis gar ich so schlecht sein, da die ganzen großen Projekte alle durchgekommen sind. Gemeinsam mit dem Stadtrat sind wir sehr stolz, wie sich die Stadt in den letzten Jahren entwickelt hat. 

Andreas Silbersack

Die Menschen wollen keinen Streit. Man muss sich vorstellen, die Stadträte sitzen dort ehrenamtlich – für ihre Interessengruppen, für ihre Parteien – und mühen sich im Sinne der Stadt. Wenn man nur streitet, dann ist das etwas, was eigentlich keiner will. Mein Ansatz ist ein ganz anderer: Natürlich hat jeder seine Interessenlagen und seine Position, aber die Stärke des gesellschaftlichen und auch des menschlichen Miteinanders besteht ja darin, dass man diese unterschiedlichen Standpunkte auf einen gemeinsamen Nenner führt. Das heißt, wo man einen Interessensausgleich findet bei den einzelnen Positionen – das kann bei dem Thema Finanzen anders sein als beim Thema Bildung – da ist es einfach wichtig, dass die Partner spüren, wir bringen uns ein. Da sollte auch jede Stadtratsfraktion für sich den Mehrwert erkennen, der in dieser neuen partnerschaftlichen und kommunikativen Herangehensweise steckt.

Ich denke, dass wir in der Stadt Halle da einen absoluten Paradigmenwechsel erleben werden. Wir werden ein Miteinander im Stadtrat mit dem OB, mit der Verwaltung erleben. Gleiches gilt natürlich auch für die Stadtverwaltung. Das sind alles Mitarbeiter, denen ich erstmal grundsätzlich unterstelle, dass sie da ihr Bestes geben. Deshalb ist es wichtig, dass man den Mitarbeitern auch Wertschätzung gegenüber bringt, genauso wie mit den Stadträten. Dieses Miteinander, das Zukunftsgerichtete, das Positive, das wird mein Credo sein. 

Hendrik Lange

Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein sehr kooperativer Typ bin, ein Teamplayer, und ich möchte das auch in der gesamten Stadtpolitik so handhaben. Das Verhältnis zwischen Oberbürgermeister und Stadtrat beschäftigt hier viele. Es liegt sehr oft daran, dass einsame Entscheidung getroffen werden und der Stadtrat defacto überrollt mit Entscheidungen wird. So geht das nicht. Man muss den Stadtrat im Vorfeld mit einbeziehen, man muss die Leute im Vorfeld informieren, was man vorhat. Und man sollte schon im Vorfeld abklopfen, welche Mehrheiten sind denn überhaupt im Stadtrat möglich für Entscheidungen. Ich glaube, dass man mit einer solchen Kooperation wesentlich besser fährt. Außerdem habe ich das Gefühl, dass derzeit die ehrenamtlichen Stadträte nicht mit dem nötigen Respekt behandelt werden, der ihnen eigentlich gebührt seitens des Oberbürgermeisters. Ich komme selbst aus dem Stadtrat und ich weiß, wie ehrenamtliche Arbeit dort läuft und deswegen glaube ich, dass der respektvolle Umgang etwas ganz Wichtiges ist. 

Daniel Schrader

Ich bin parteilos und habe keine Kontakte zu den Parteien oder Stadträten. Aus diesem Grund gehe ich unbefangen an die Arbeit. Mir ist es auch egal, wer in welcher Partei ist, es geht um unsere Stadt und die Vertretung der Bürger. Ich möchte auch, dass der Stadtrat mit mir zusammenarbeitet und vor allem, dass er für die Bürger entscheidet und handelt. Auch werde ich die Bürger mehr mit einbeziehen, damit der Stadtrat die Probleme direkt vom Bürger hört und auch den Bürger und die Vorschläge der Stadtverwaltung nachvollziehen kann.

Falko Kadzimirsz

Ich werde mit meinem Amtsantritt jeden Fraktionsvorsitzenden sowie jeden Einzelkandidaten des Stadtrates und ebenso jeden Mitarbeiter der Stadtverwaltung oder beteiligten Unternehmen in die Pflicht nehmen, sein Tun und Handeln im Rahmen seiner Aufgaben dem Wohle der Stadt unterzuordnen. Jedwede Formen der ideologischen Inanspruchnahme oder politischer Klüngel haben in der Kommunalpolitik keinen Platz. Es muss uns gemeinsam allein um die Sicherung der Zukunft unserer Stadt gehen. Diese konsensorientierte Politik und Herangehensweise werde ich mir selbst auferlegen und empfehle allen Akteuren dies auch zu tun.

Dörte Jacobi

Gewaltfreie Kommunikation, Empathie und diplomatisches Verhandlungsgeschick, sowie ein Sinn für systemische Gesamtzusammenhänge sind wichtige Kompetenzen, die eine Person für die Schnittstelle zwischen Verwaltung und Bürgerschaftsvertretung in einer Stadt mitbringen sollte. Dies und das Bewusstsein für die Förderung der speziellen Fähigkeiten der einzelnen Menschen sind Qualitäten, die mich für dieses Amt auszeichnen. Des Weiteren sehe ich mich nicht in der Position, Entscheidungen vorzudiktieren, sondern wünsche mir einen breit aufgesellten Dialogprozess zur politischen Entscheidungsfindung, der von Wünschen und Bedürfnissen der Bürgervertretung gespeist und durch Fachexpertisen der Verwaltung untersetzt wird.

Lennart Thiemann

Ein offenes Klima, in der die gegenseitige Wertschätzung vorherrscht, schaffen. Politische Debatten konstruktiv begleiten, den ehrlichen Dialog anregen und alle Beteiligten ermuntern, eine gemeinsame Lösung zu finden. Es müssen wieder die Grundregeln des vernünftigen Miteinanders vorherrschen, es geht um unsere Stadt!

Martin Bochmann

Sehr entspannt. Sehr, sehr entspannt. Natürlich bis auf die verhaltensauffälligen Bernd-Höcke-Jünger, da ist leider alles zu spät.

Einblicke in die Prozesse und Entscheidungen der Stadtverwaltung und Bürgerbeteiligung werden immer stärker gefordert. Wie ist Ihr Konzept?

Bernd Wiegand

Wir haben frühzeitige Bürgerbeteiligungen, das heißt, wenn die Vorbereitungen innerhalb der Verwaltung abgeschlossen sind, diskutieren wir mit den Bürgern – aber auch mit den Stadträten, sodass wir immer eine lebendige Diskussion haben. Wir haben in der vergangenen Zeit über 30 Zukunftswerkstätten gemacht, die uns immer wieder Feedback geben. Wir gehen in unterschiedlichen Formaten vor: Wir arbeiten in kleineren Gruppen, größeren Gruppen. Die Bürgerbeteiligung war schon sieben Jahre groß geschrieben und wird es auch weiter sein.

Andreas Silbersack

Natürlich müssen wir auf kommunaler Ebene die Bürger mit einbinden – das geht gar nicht anders. Da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten, ob das jetzt Informationswege sind oder andere Beteiligungsformen. Natürlich gibt es die verfassungsrechtlichen, plebiszitären Elemente. Da muss man einfach schauen, was tatsächlich auf kommunaler Ebene möglich ist.

Man muss immer dieses Spannungsfeld sehen: Man kann natürlich durch die Bürgerbeteiligung nicht den Stadtrat völlig aushebeln. Der Stadtrat ist ja auch ein gewähltes Parlament, das Kommunalparlament, was auch den Vertretungsanspruch geltend macht. Aber in diesem Verhältnis müssen wir dann Bürgerbeteiligungen sehen. Wenn wir da ein dynamisches Miteinander der einzelnen Elemente finden, glaube ich, dann werden sich die Bürger auch mitgenommen fühlen und das ist ja eine ganz wesentliche Größe dieser Zeit.

Hendrik Lange

Neben dem, dass man natürlich den Stadtrat mitnehmen muss und sich entsprechend die Mehrheiten bilden müssen, um Entscheidungen nach vorne zu bringen, glaube ich, dass man im Vorfeld mit denjenigen sprechen muss, die von Entscheidungen betroffen sind. Die Kompetenzen liegen ganz oft vor Ort. Wenn man sich mit Leuten unterhält und dann hört ‘Habt ihr schon mal gedacht?’ ‘Könnte man es nicht so machen?’, da kann man frühzeitig die Menschen mitnehmen, die von Entscheidungen betroffen sind. Und so möchte ich das auch gerne handhaben. Ich glaube, wir müssen Bürgerbeteiligung wesentlich ernster nehmen und diese auch organisieren. 

Daniel Schrader

Für mich ist steht und fällt alles mit der Kommunikation. Für mich ist der Bürgerkontakt sehr wichtig. Deswegen will ich wöchentliche Stadtteilrunden durchführen. Probleme und Sorgen können so direkt zusammengetragen werden und beim nächsten Treffen, werden die Lösungen oder Pläne vorgestellt. Ich werde auch den Bürger über laufende Projekte und Neuerungen informieren und vor allem erklären. Aufklärung ist ebenso ein wichtiger Punkt. Der Bürger soll nicht unwissend da stehen, bloß weil er die Entscheidungen oder Prozesse nicht nachvollziehen kann.

Falko Kadzimirsz

Ich werde mit meinem Amtsantritt jeden Fraktionsvorsitzenden sowie jeden Einzelkandidaten des Stadtrates und ebenso jeden Mitarbeiter der Stadtverwaltung oder beteiligten Unternehmen in die Pflicht nehmen, sein Tun und Handeln im Rahmen seiner Aufgaben dem Wohle der Stadt unterzuordnen. Jedwede Formen der ideologischen Inanspruchnahme oder politischer Klüngel haben in der Kommunalpolitik keinen Platz. Es muss uns gemeinsam allein um die Sicherung der Zukunft unserer Stadt gehen. Diese konsensorientierte Politik und Herangehensweise werde ich mir selbst auferlegen und empfehle allen Akteuren dies auch zu tun.

Dörte Jacobi

Ich sehe auch enormes Ausbaupotential in der öffentlichen Kommunikation der Verwaltung mit der Stadt und dies auf verschiedenen Kanälen. Sichtbarkeit und Wertschätzung sind wesentliche Anreize für eine eigenverantwortliche Bürgerschaft. Ich möchte das Quartiersmanagement enorm stärken, um zunehmend die bürgerschaftliche Selbstverwaltung in den Quartieren auszubauen – denn nur gemeinschaftlich können wir an einer zukunftsfähigen ökologisch- und sozialgerechten Stadtentwicklung arbeiten.

Lennart Thiemann

Durch die Förderung des aufrichtigen Dialoges aller drei Kräfte, den Bürgern, dem Stadtrat und der Verwaltung, entsteht die benötigte Transparenz, um allen Beteiligten eine offene Lösungskultur zu ermöglichen. Dabei stehen alle Informationen den Partnern gleichberechtigt zur Verfügung. Hieraus können Ideen und Visionen entwickelt werden, die zu einer einvernehmlichen Lösung führen.

Martin Bochmann

Maximale Transparenz. Auf bürgerschaftliche Initiativen wie fragdenstaat.de werde ich aktiv zugehen.

Die Einwohnerzahl in Halle hat sich stabilisiert, dennoch scheint die Stadt auseinander zu driften – sowohl bezogen auf Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher Herkunft und sozialem Stand, als auch bezogen auf Stadt- und Ortsteile mit ihren unterschiedlichen Lebensbedingungen. Wie wollen Sie diesem Prozess entgegenwirken?

Bernd Wiegand

Die Wohnungsgesellschaften reagieren bereits seit vielen Jahren auf diesen Prozess, indem in allen Stadtteilen auch Sozialwohnungen angeboten werden. Es ist eine Durchmischung, die dadurch vorgenommen wird. In vielen Stadtteilen wird vollkommen neu saniert, wie man beispielsweise in Halle-Neustadt sieht, am Braunschweiger Bogen, Göttinger Bogen. In diesen Bereichen wird komplett neu aufgebaut, was wiederum zu einer weiteren Durchmischung führt.

Und dann wird es immer wieder darum gehen, die Wohnungen, die zur Verfügung stehen, zu sanieren und günstig anzubieten. Deshalb haben wir auch eine Selbstverpflichtung abgeschlossen, im Rahmen der HWG, in der deutlich gemacht wurde, dass sozial Schwächere die Möglichkeit haben, über Boni – gemeinsam abgeschlossen mit der HWG – weiterhin auch in etwas teureren Wohnungen bleiben zu können. Diese Möglichkeit der Durchmischung wird zunehmen. Wir haben momentan keine Wohnungsnot. Deshalb ist das Thema Durchmischung sowohl von der Stadt Halle bei der Verteilung auch von Asylbewerben als auch auf dem aktuellen Wohnungsmarkt momentan nicht so dramatisch, wie es in der Frage formuliert ist.

Andreas Silbersack

Wir brauchen in der Stadt Halle zwei Dinge: Wir brauchen Visionen und wir brauchen eine Aufbruchsstimmung. Die Menschen – egal ob das in Kröllwitz, Halle-Neustadt, Silberhöhe oder in Bruckdorf oder Reideburg ist – jeder muss sich ein Stück weit als Hallenser identifizieren und eine gewisse Aufbruchsstimmung mitbringen.

Deshalb habe ich unter anderem vorgeschlagen, dass es zum Beispiel für den Stadtbezirk Halle-Neustadt prädestiniert wäre, wenn wir ein bundesdeutsches Fenster schaffen. Ich würde mir vorstellen – und das würde ich auch in den ersten 100 Tagen angehen – , dass wir uns um die Bundesgartenschau bemühen, einfach Stadtentwicklung vorantreiben. Selbst, wenn das erst in zehn Jahren stattfindet, weil die Bundesgartenschau einfach ein so begehrtes Stadtentwicklungsthema ist, ist es glaube ich die richtige Möglichkeit, zu sagen: 'Wir machen uns auf!' – im Sinne von Halle-Neustadt in dem Fall. Das würde bedeuten, dass man dann Zeit hat, tatsächlich Entwicklungen für eine absolut innovative, zukunftsweisende Neustadt zu finden. Das gilt natürlich auch für die anderen Stadtbezirke. Mötzlich oder Reideburg und so weiter sollen sich nicht abgehängt fühlen.

Wir müssen den ÖPNV insbesondere so gewährleisten, dass sich auch alle mitgenommen fühlen. Bei täglichen Dingen wie Arztbesuche oder Einkaufen muss jeder die Möglichkeit haben, auch in den Randbezirken, diese Dinge auszuschöpfen. Auf diese Art und Weise versuche ich die Interaktion zu stärken und Stadtteile, die vermeintlich abgehangen sind, in der Zukunft aufzuwerten. Ich glaube, wenn wir zum Beispiel das Thema Bundesgartenschau auf den Weg bringen, dann wird eine solche euphorische Stimmung entstehen, da freue ich mich drauf.

Hendrik Lange

Zum einen müssen wir die Ortsteile besser verbinden miteinander. Das heißt für mich auch, dass Ortsteile, die in den Stadtrandlagen sind, besser mit dem ÖPNV erschlossen werden, dass man dort die entsprechenden Rad- und Fußwege anlegt, damit also tatsächlich die Verbindung hergestellt wird.

Das Zweite: Sie sprechen zurecht die die soziale Situation in Halle an. Wir wissen, dass in bestimmten Teilen der Stadt die sozialen Problemlagen wesentlich größer sind als in anderen Teilen. Ich möchte, dass wir da, wo die sozialen Problemlagen am größten sind, wo sehr viele Kinder von Armut betroffen sind, wo wir merken, dass Altersarmut auch mittlerweile eine Rolle spielt, dass wir dort die besten Einrichtungen haben. Wir brauchen dort die besten Schulen und Kindertagesstätten. Wir brauchen dort mehr Schulsozialarbeit, mehr Streetwork und wir brauchen dort Begegnungsstätten, damit die Menschen im Alter nicht vereinsamen. 

Daniel Schrader

Das wird eine Mammutaufgabe werden. Wir müssen als Stadt zusehen, das wir keine "Ghettos" bilden. Es gibt Stadträte, die sind der Meinung, jeder kann überall wohnen und das bezahlbar. So ist es aber in der Realität nicht. Wenn wir dem Bürger bezahlbaren Wohnraum anbieten wollen, dann müssen wir diesen selbst zur Verfügung stellen, angepasst an die Lebenssituation der Bürger. Auch das soziale Interagieren muss gefördert werden. Es gibt kaum noch Gemeinschafts- und Jugendtreffs. Das muss sich ändern.

Wir müssen dem Bürger Angebote bereitstellen, wo er seine Freizeit gestalten kann. Integration fängt auch schon in der Kita an, über Schule, Freizeit und Beruf. Das Wohnumfeld darf man da auch nicht vernachlässigen. Auch die laufenden Kosten müssen wir anpassen. Das heißt, der Bürger muss weniger Ausgaben haben, um sein normales Leben bestreiten zu können. Bezahlbarer Wohnraum, bezahlbarer oder kostenloser ÖPNV, kostenlose Kita und Hort und kostenlose Verpflegung, nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Es bringt nichts, über Kinderarmut zu reden und am Ende jedoch keine Lösung parat zu haben, da es eigentlich Aufgabe der Bundesregierung ist. Deswegen müssen wir dem Bürger entgegenkommen und die Ausgaben minimieren. Das Wohl der Bürger steht ganz oben und wenn das gefährdet ist, müssen eben Maßnahmen eingeleitet werden.

Falko Kadzimirsz

Antwort steht noch aus und wird ergänzt.

Dörte Jacobi

Auch diesen Prozess sehe ich durch ein gestärktes und breites Quartiersmanagement proaktiv veränderbar. Ein Team, das in jedem Quartier als Mediation, Beratung und Potentialentfaltung der dort Lebenden und Wirkenden agiert und somit Nachbarschaftsnähe und –pflege betreibt, schafft Friede, Freude, Eierkuchen (!), sichert kontinuierliche niedrigschwellige Beteiligungsprozesse und Chancengleichheit.

Lennart Thiemann

Ich möchte alle betroffene Akteure in den Umwandlungsprozess einbeziehen, durch Verbesserung der Chancengleichheit jedem die Möglichkeit eröffnen in dem Teil der Stadt zu leben, in dem er sich wohl fühlt. Integration durch Bildung und Erziehung. Förderung des sozialen Stadtbaus in allen Bezirken.

Martin Bochmann

Durch Trennung und Separierung, z.B. eine starke und unabhängige Stadt Halle-Neustadt. Auch weitere Stadtteile können abgetrennt werden. Falls dazu bauliche Maßnahmen notwendig werden, wird es mit mir jedoch keinen, ich wiederhole: Keinen! Schießbefehl geben.

Eine lebenswerte Stadt – insbesondere die Kernstadt – wird immer bedeutender in Zeiten von Klimawandel und einer sich verändernden Arbeitswelt. Welche Zielrichtung verfolgen Sie bei den Themen Wohnen, Konsum und Mobilität?

Bernd Wiegand

Es ist deutlich, dass momentan das Thema Klimaschutz in den Forderungen, wie wir sie allerorts hören, komplett auch in meinem Wahlprogramm untergekommen sind und dass wir diese Dinge auch berücksichtigen und sie auch finanzieren müssen. Mit welchen Mitteln, wird momentan diskutiert und beschlossen, sodass wir hier einen Ansatz haben im Rahmen der Mobilität, immer weiter auch in der Innenstadt den Verkehr zu entkräften. Aber natürlich müssen wir auch Angebote bereithalten für die Geschäfte, dass dann, wenn Einkäufe erfolgen, diese direkt auch von den jeweiligen Geschäften nach Hause gebracht werden, so dass man hier immer weiter dazu übergeht, besonders die Innenstadt in einen Erholungsbereich zu entfalten, wo man die Möglichkeit hat zu entspannen, aber auch viele Veranstaltungen durchzuführen, so dass mit diesem Mix die Innenstadt weiter belebt wird. 

Andreas Silbersack

Ich bin ein absoluter Freund der Nachhaltigkeit, der Innovation und der Zukunftsfähigkeit. Wir haben einerseits Glück gehabt, dass wir in der Kernstadt nicht so viel betroffen waren vom Krieg. Wir haben eine sehr gute, eine der schönsten und erhaltenswertesten Innenstädte und Altstädte überhaupt in Deutschland. Das bedeutet aber eben auch, dass wir gerade für diese Komplexität – Radfahren, Autofahren, Straßenbahn, Fußgänger – Lösungen brauchen, wo sich jeder mitgenommen fühlt. Deshalb glaube ich, brauchen wir einen ganz klares Radwegekonzept. Wir müssen sogar versuchen, dass wieder möglichst viele Bürger dieser Stadt Radwege nutzen. Aber wir müssen auch dort, wo es Sinn macht, den Autoverkehr zukunftsweisend entwickeln. Und bei diesem Miteinander – das Verkehrswegekonzept, das Zukunftsfähige einhergehend mit dem Thema Wohnen, also wie wohnen wir in der Zukunft – ist es wichtig, dass wir uns auch mal anschauen, wie das andere machen. Wenn wir uns zum Beispiel die Stadt Kopenhagen anschauen, die wunderbare Wohnkonzepte entwickelt hat, wo man tatsächlich zukunftsweisend das Thema Fahrradfahren aber eben auch das Miteinander der einzelnen Verkehrsteilnehmer hinbekommen hat, da liegen die Lösungen auch für unsere Zukunft. Wir werden uns dem Thema nicht verschließen können. Wir brauchen eine lebendige Innenstadt mit vielen Möglichkeiten – auch mit Begrünungs-Möglichkeiten, überhaupt keine Frage. Aber es muss eben ein Miteinander aller Teilnehmer sein, die es halt in dieser Stadt gibt.

Hendrik Lange

Das ist ein großes Themenfeld. Ich habe ja schon zu den Stadtteilen gesagt, dass man sie entsprechend verbinden muss. Das wäre für mich tatsächlich ein ganz wichtiges Thema, ein Rad- und Fußwege-Programm aufzulegen, das die Kernstadt mit den Stadtteilen verknüpft und den öffentlichen Personennahverkehr entsprechend auszubauen. Öffentlicher Personennahverkehr muss dabei auch bezahlbar bleiben. Auch das ist etwas, das wir in der Stadt mit organisieren müssen. Auch möchte ich, dass wir das Umland stärker einbeziehen. So ein Rad- und Fußwege-Programm wünsche ich mir zum Beispiel in Abstimmung mit dem Saalekreis, denn es kann ja nicht sein, dass an der Stadtgrenze der Radweg aufhört, sondern wir müssen gucken, dass wir Stadt und Umland zusammenbinden.

Auch ein Teil, wie man die Innenstadt beleben kann: Ich stehe für das Konzept der autofreien Altstadt, sprich in den Altstadtring sollen nur noch die Autos der Anwohner einfahren dürfen und die Lieferfahrzeuge. Das ist auch umsetzbar, dafür haben wir die entsprechenden Parkhäuser. Das hat aber die Voraussetzung, dass wir den öffentlichen Personennahverkehr tatsächlich für die Kernstadt auch attraktiv gestalten. Das würde auch dazu führen, dass man sich gerne in der Innenstadt aufhält und dadurch die Möglichkeit hat, beispielsweise schön einzukaufen, dort einfach mal flanieren zu gehen, Raum schafft Raumschaft für Cafés, für entsprechende Initiativen, die vielleicht aus der Kreativwirtschaft kommen. Also das die Innenstadt auch entsprechend belebt ist. 

Daniel Schrader

Wohnen muss für jeden erschwinglich sein und jeder sollte die Möglichkeit haben, sich da niederzulassen, wo er möchte. Dass es nicht immer möglich ist, ist klar, den irgendwann ist der Markt erschöpft. Den Konsum müssen wir wieder regional und zentral gestalten. Der Onlinemarkt ist der größte Konkurrent für unser Gewerbe. Deswegen müssen wir, wie schon gesagt, unserem Gewerbe unter die Arme greifen und es entlasten und fördern. Es bringt nichts wenn das Gewerbe hohe Preise aufrufen muss, um die laufenden Kosten zu decken und dadurch gehen die Menschen zum günstigeren Onlinehandel über. Auch Leipzig und das StyleOutlet in Brehna sind mächtige Konkurrenten. Dem müssen wir die Stirn zeigen können. Mobilität muss für alle vorhanden sein und kein Mensch ist schlechter, bloß weil er seine Art von Mobilität wählt. Es greifen hier viele Faktoren ineinander, und die muss jeder für sich selbst bewältigen können und sollte auch kein anderer vorschreiben oder untersagen. Damit wir den Fahrzeugverkehr minimieren können, benötigen wir jedoch ein guten und bezahlbaren ÖPNV plus ausreichende P+R Möglichkeiten.

Falko Kadzimirsz

Die soziale Wohnraumförderung ist ein zentrales Thema meiner Arbeit als OB für die nächsten Jahre und es stellt sich die Frage, was wir als Stadt dafür tun können, damit für jeden Geldbeutel ausreichend Wohnraum be- und entsteht. Ein möglicher Rahmen für das Gelingen sind Wohnflächen mit Mietpreisbindung. Eine tragende Rolle müssen an dieser Stelle die kommunalen Wohnungsunternehmen gesamthaft übernehmen. Dabei dürfen der Ort des Wohnhauses und der soziale Status keine Rolle mehr spielen. Wir benötigen darüber hinaus wieder mehr Durchmischung in unseren Stadtteilen, mehr Individualität für diese und eine stärkere Unterstützung der Mieter.

Mit mir bekommt Halle einen qualifizierten Mietspiegel und ich unterstütze Bestrebungen, Mieterräte für einzelne Wohngebiete zu gründen. Gleichzeitig muss es aber auch gelingen, Wohnraum zu schaffen, welcher den modernsten Ansprüchen entspricht. Zum Beispiel schwebt mit vor, Halle-Neustadt wieder mit dem zu Versehn, was es einmal in den 60‘ ,70‘ und frühen 80‘ Jahren hatte. Modernes Wohnen hat damals zehntausende Menschen nach Halle-Neustadt gelockt. Mit dem Motto: von der Kohleheizung in den Genuss von Fernwärme und heißen Wasser aus der Wand.

Die Mobilitätswende bzw. Verkehrswende wird um Halle keinen Bogen machen. Insofern wird auch diese Stadt durch mich als OB mit attraktiven Angeboten im ÖPNV und Radverkehr versehen werden. Mein Programm hält hierfür entsprechende Maßnahmen vor. Beim ÖPNV geht es vor allem um bessere Taktung und durchgängige Erschließung der Außenbereiche. Darüber hinaus führt aus meiner Sicht die Schaffung von innerstädtischen Schnellverbindungen (Punkt zu Punkt) zur Erhöhung der Fahrgäste.

Wichtig ist, dass wir das Angebot im Einzelhandel wieder stärker fokussieren ohne moderne Einkaufsformen zu vernachlässigen. Letztlich lebt die Logistik vom online Geschäft und Logistik wird in Halle bisher sehr groß geschrieben. Allerdings steht der Erfolg des Einzelhandels in engem Zusammenhang mit der Kaufkraft der Bevölkerung. Ohne diese wird sich die Situation nicht signifikant verändern.  

Dörte Jacobi

Ich stehe für eine sozial- und ökologischgerechte Stadtentwicklung, die den Menschen in den Fokus nimmt und nicht in erster Linie auf Wachstum und Profite setzt, denn ich bin überzeugt: Mit einer umfänglichen Förderung der Potenzialentfaltung und der Möglichkeit der Selbstwirksamkeitserfahrung der in Halle Lebenden, sichern wir ein qualitatives Wachstum, das langfristig von ganz allein Profite ermöglicht.

Lennart Thiemann

Wohnen, Konsum und Mobilität sollten auf nachhaltige Strukturen gebündelt werden. Für mich ist es wichtig, dass Wohnen und Arbeit nahe zusammenliegen um übermäßige Nutzung der Ressource Kraftstoff entgegenzuwirken. Die Regionalität der produzierten Lebensmittel minimiert lange Transportwege und unterstützt die hiesige Landwirtschaft.

Martin Bochmann

Wohnen wird bezahlbar bleiben, zur Not auch gegen den Willen der Vermieter. Der Konsum kehrt ja mit einer ersten Filiale wieder nach Halle zurück, das begrüße ich sehr. Und die Mobilität wird sich spätestens mit meiner Einführung einer City-Maut für Fahrzeuge mit SK-Kennzeichen automatisch verbessern.

Ohne Zweifel ist die Stärkung des Wissenschaftsstandortes Halle bedeutsam für die Zukunftssicherung der Stadt. Was wollen Sie für die Bedingungen des Lebens und Arbeitens von Wissenschaftlern in der Stadt tun?

Bernd Wiegand

Wir haben ja mit dem Technologiezentrum, der Martin-Luther-Universität und beispielsweise dem Fraunhofer-Institut sehr kräftige Partner an unserer Seite, die momentan erstmal sehr viel forschen, sehr viel Entwicklung auch hineinbringen, aber jetzt natürlich besonders über den Strukturwandel Mitteldeutschland in der Kohleregion natürlich auch sehr viele neue Projekte anschieben. Sie sehen, dass wir Vorreiter sind in Sachsen-Anhalt, was das Thema Wasserstoff anbelangt. Das wird von Seiten der Stadt und von meiner Person dann auch aktiv unterstützt, sodass wir immer die neuesten Projekte gemeinsam angehen und uns als Vorreiter setzen. So ist die Elektromobilität beispielsweise Thema bei den Stadtwerken, so werden einzelne Bereiche für die Wissenschaftler neu entwickelt, was sich besonders nach der Uni bemerkbar macht, wenn Start-ups neu gegründet werden – in der Innenstadt, im Technologiezentrum, aber auch in Bahnhofsnähe.

Andreas Silbersack

Wissenschaftler haben auch eine Familie. Lebt ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin in München und hat die Wahl zu bleiben oder einen attraktiven Arbeitsplatz in Halle zu haben, werden sie sich die Frage stellen: Wie sind die Rahmenbedingungen? Wie fühlt man sich da? Sie werden schauen, wie die Kita-Bedingungen sind, wie das Sportangebot ist, wie die Lebensbedingungen sind. Deshalb müssen wir als Stadt Halle verstehen, dass wir Wissenschaftler und Absolventen der Universität nur dann hier halten können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. 

Wir müssen der Familie, die für junge Menschen natürlich existenziell wichtig ist, für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, denen müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, wo die sagen: Wir wollen nach Halle. Und wir wissen doch alle, Halle ist schön auf den zweiten Blick. Aber wer hier einmal war, der weiß, hier lohnt es sich auch zu bleiben. Deshalb müssen wir die Rahmenbedingung stärken. Das wird ein ganz wesentliches Thema sein. Denn wir brauchen junge Menschen in dieser Stadt, wir brauchen junge Wissenschaftler und dazu korrespondierend natürlich, dass wir das Thema Universität ausbauen müssen. Ich habe mir fest vorgenommen, zeitnah eine Kooperationsvereinbarung mit der Universität zu schließen, um einfach die Synergien zwischen Stadt und Uni noch besser auszubauen. 

Hendrik Lange

Die Wissenschaftseinrichtungen sind für uns essentiell in der Stadt. Das sind die Einrichtungen, die die größte Innovationskraft haben und die dafür Sorge tragen, dass junge Leute zu uns kommen. Dazu gehören auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sodass ich möchte, dass man für den Wissenschaftsbetrieb abgestimmt Kindertageseinrichtungen anbietet mit entsprechenden Öffnungszeiten. Die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oder auch Wissenschaftler, die schon ein großes Renommee haben, möchte ich gerne frühzeitig an die Stadt binden. Ich möchte dafür sorgen, dass man beispielsweise auf sie zugeht, ihnen Angebote frühzeitig macht, damit sie auch Lust haben, nach Halle zu kommen. Ich glaube, das ist ein guter Beitrag, den die Stadt leisten kann, um Wissenschaftler mit einem großen Renommee auch tatsächlich nach Halle zu locken. 

Daniel Schrader

Genau dasselbe, wie für jeden anderen Bürger auch. Bezahlbarer Wohnraum, guter und bezahlbarer ÖPNV und eine gut gestaltete Stadt, die viele Möglichkeiten bietet, sich sozial zu interagieren und zu entfalten.

Falko Kadzimirsz

Antwort steht noch aus und wird ergänzt.

Dörte Jacobi

Ob diese oder andere Thematiken, die die Menschen in Halle betreffen – seien Sie versichert, dass ich gemeinsam mit der Verwaltung mit Sachkenntnis, Mut und Augenmaß an gangbaren Lösungen arbeiten werde.

Lennart Thiemann

Vernetzung der Wissenschaftler und der Wirtschaft stärken, Impulse für die Forschung geben und die Bekanntheit des Wissenschaftsstandortes Halle in die Welt hinaus tragen. Ausreichende Wohnungen mit schneller Internetverbindung schaffen und ausreichende Kindertagesplätze für alle vorhalten. Existenzgründer aus dem Bereich Universitäten an den Standort Halle binden, um somit die Zukunftsfähigkeit der gesamten Stadt stützen.

Martin Bochmann

Leider kann da eine Stadt nicht viel tun, aber im Rahmen der Möglichkeiten: Willkommenskultur für Wissenschaft, gute Infrastruktur (damit ist eher das digitale als das Straßennetz gemeint), Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Objekten und Mitarbeitern für eventuell sich ansiedelnde Institute.

Die Zukunft der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle ist weiterhin nicht geklärt. Welches Ziel verfolgen Sie für den Kulturbetrieb der Stadt?

Bernd Wiegand

Die Zukunft der TOOH ist deutlich geklärt. Es gibt einen Fünfjahresvertrag, der ist gerade abgeschlossen. Das bedeutet, dass wir raus sind aus den Haustarifen. Es gibt keine Finanznot mehr, sondern es ist eine große Zufriedenheit. Die Diskussion des Zwischenmenschlichen muss beseitigt werden, aber finanziell steht die TOOH besser da als je zuvor. Von daher sind wir mächtig stolz darauf, was in den letzten Jahren dort auch geschaffen wurde und wir für eine wirtschaftliche Stabilität haben.

Andreas Silbersack

Wir haben eine wunderbare Kultur hier in Halle, das muss man mal sagen. Egal, ob das jetzt die Oper ist oder das Theater, wir können uns glücklich schätzen einen Herrn Brenner hier als Intendanten zu haben, der deutschlandweit einen sehr guten Ruf besitzt. Ich habe nicht vor, dass man die Kultur eindampft – ganz im Gegenteil. Ich glaube, die Kultur in Halle muss blühen und wird auch blühen. Und es ist ja nicht nur so, dass nur die Hallenserinnen und Hallenser von dieser Kultur profitieren. Wenn ich an den Saalekreis denke und auch darüber hinaus, sind alle Menschen dankbar, die sich für Kultur interessieren, dass es hier solche Möglichkeiten im Süden von Sachsen-Anhalt gibt. Ich sehe uns hier schon als als wichtigen Ankerpunkt im Süden Sachsen-Anhalts, die kulturellen Highlights zu setzen über Theater und Oper. Deshalb gilt es hier diese Streitthemen endlich zu beenden, gemeinsame Lösungen für die Zukunft zu finden und einfach Angebote zu schaffen, wo regional wie national gesagt wird: 'Schaut her, Halle hat kulturell richtig was zu bieten'. 

Hendrik Lange

Also die Zukunft der TOOH ist jetzt erstmal für fünf Jahre insofern geklärt, dass wir einen Vertrag mit dem Land haben. Wir haben die Finanzierung bei uns im Haushalt drin, so dass also der Kulturbetrieb an sich erstmal finanziell nicht gefährdet ist. Insgesamt möchte ich aber, dass wir uns in der Kultur natürlich mit unserer sehr gut profilierten TOOH auch weiterhin profilieren. Das ist wichtig. Aber Kultur ist ja auch noch mehr, dazu gehört die Soziokultur, dazu gehört die Kultur in den Stadtteilen. Was ich mir sehr wünschen würde ist, dass wir die Stadtteile auch beleben, indem beispielsweise Aufführungen aus dem Theater aus dem Orchester oder vielleicht auch der Oper mal in den Stadtteilen stattfinden. Warum sollen wir nicht hier in Halle-Neustadt auf dem Stadtplatz auch mal eine Auffhrung des Thalia Theaters haben oder des neuen Theaters oder beispielsweise mal einen Flashmob des Orchesters in der Silberhöhe. Das würde ich mir sehr wünschen, dass nicht nur die Menschen in die Innenstadt kommen, um das Angebot wahrzunehmen sondern dass das Kulturangebot zu den Menschen kommt und damit auch den Stadtteilen eine gewisse Wertschätzung entgegengebracht wird.

Daniel Schrader

Die TOOH GmbH muss sich neu orientieren und neu strukturieren. Die Angebote müssen dem Zeitlichen angepasst werden. Es muss an die Bedürfnisse und den Interessen der Bürger angepasst werden. Es bringt nichts, wenn das Angebot nicht angenommen wird und man aber daran festhält. Angebot und Nachfrage. Die TOOH GmbH muss auch durch das Land und den Bund mehr finanziell unterstützt werden. Wir als Stadt werden es sonst nicht weiter so massiv tun können. Momentan geht die Hälfte der Gewerbesteuereinnahmen in die Finanzierung und Unterhaltung der TOOH GmbH. Wir müssen also echt was tun, damit wir die Besucherzahlen und Einnahmen steigern. Alleine die Veranstaltungen müssen mehr und besser beworben werden. Plakate und eine Website namens "Halle-Guide" stelle ich mir da vor. Dort kann man sich auf einem Blick über alles was in der Stadt kulturell, kulinarisch und freizeittechnisch läuft informieren, inklusive Veranstaltungskalender.

Wir dürfen aber nicht nur Augenmerk auf die TOOH GmbH legen. Wir haben auch noch andere kulturelle und Veranstaltungsangebote, die wir mehr fördern müssen. Musik, malerische Kunst, gestaltende Kunst und die große Breite an sportlichen Veranstaltungen müssen ebenso gefördert werden. Auch der Tourismus muss einbezogen werden und die traditionellen Feste müssen erweitert und modifiziert werden.   

Falko Kadzimirsz

Ich bin der Überzeugung, dass die TOOH – wenn sie unbedingt bestehen bleiben muss – eine deutlich engere Verbindung zum Stadtmarketing benötigt. Grund dafür ist die aus meiner Sicht unzureichende Vermarktung der Kulturstätten in Halle. Vielleicht wäre auch eine Zusammenlegung von TOOH und Stadtmarketing GmbH ein sinnvoller Weg. Alle internen Angelegenheiten der TOOH und in der Presse bekannte Zerwürfnisse möchte ich nicht kommentieren, da ich bisher wenig Einblick habe.

Aus meiner Sicht muss der Kulturbetrieb weiter gestärkt werden.

Dörte Jacobi

Kulturelle Einrichtungen sind essentielle Bestandteile des gesellschaftlichen Austauschs und kritischen Diskurses, was auch für die politische Bildung unerlässlich ist. Wie diese Aufgabe zukünftig von der TOOH gewährleistet werden kann, muss in einem breiten Dialog mit Fachleuten und den Betroffenen erörtert werden.

Lennart Thiemann

Ich setze auf die Kontinuität der finanziellen Mittel für einen angemessen Planungshorizont, um der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle Sicherheit zu geben. Weitere Kürzungen sind nicht akzeptabel, da sich dadurch der Standort Halle wesentlich verschlechtern würde.

Martin Bochmann

Das GmbH-Modell ist krachend gescheitert. Wenn es irgendwie möglich ist, muss das wieder in die Hand der Stadt, als Eigenbetrieb.

Oberbürgermeisterkandidaten für Halle

Sieben Männer und eine Frau wollen Oberbürgermeister von Halle werden. Die Kandidaten im Überblick.

Bernd Wiegand
Bernd Wiegand (parteilos) möchte gerne Oberbürgermeister bleiben. Bildrechte: imago/VIADATA
Bernd Wiegand
Bernd Wiegand (parteilos) möchte gerne Oberbürgermeister bleiben. Bildrechte: imago/VIADATA
Hendrik Lange, Die Linke
Hendrik Lange ist der Gemeinschaftskandidat von Linken, Grünen und SPD. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt (LSB
Andreas Silbersack tritt für FDP und CDU an. Bildrechte: dpa
OB-Kandidatin Dörte Jacobi
Dörte Jacobi geht als unabhängige Kandidatin an den Start. Unterstützt wird sie von der Partei. Bildrechte: MDR/ Thomas Krebs/Die PARTEI Halle
Falko Kadzimirsz
Falko Kadzimirsz ist OB-Kandidat der Freien Wähler. Bildrechte: Alena Stalmashonak/Alena-S-Art Photography
Daniel Schrader
Auch der parteilose Daniel Schrader will den Chefposten im halleschen Rathaus besetzen. Bildrechte: Daniel Schrader
OB-Kandidat Martin Bochmann
Martin Bochmann geht als unabhängiger Kandidat an den Start, wird aber ebenfalls von der Partei unterstützt. Bildrechte: MDR/ Thomas Krebs/Die PARTEI Halle
Rolf Lennart Thiemann
Lennart Thiemann tritt als unabhäniger Kandidat an. Bildrechte: Rolf Lennart Thiemann
Alle (8) Bilder anzeigen

Quelle: MDR/cw,mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Oktober 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2019, 09:53 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt