Tweets mit hundert Jahren Verspätung #Revolution1918: Studenten twittern über Novemberrevolution in Halle

Geschichtsstudenten der Uni Halle setzen sich mit der Novemberrevolution auseinander. Aber statt Hausarbeiten zu schreiben, nutzen sie dafür ein neues Medium: Twitter. Jeden Tag bis März posten sie, was vor exakt 100 Jahren in Halle passiert ist.

Ein Smartphone, auf der die Twitterseite Halle 1918/19 aufgerufen wurde
Studenten twittern über die Geschehnisse während der Novemberrevolution in Halle. Bildrechte: Friederike Stecklum/Uni Halle

7. November 1918: "Am Morgen meutern Soldaten der Fliegerersatzabteilung 14 und entwaffnen ihre Offiziere. Weitere Teile der halleschen Garnison schließen sich ihnen an. Forderungen der Soldaten: anständige Behandlung, besseres Essen, Freizeit nach Erledigung des Dienstes."

So kam vor 100 Jahren die Revolution zum Ende des Ersten Weltkriegs in Mitteldeutschland an. Halle spielte bei der Novemberrevolution, die den Übergang vom deutschen Kaiserreich zur Weimarer Republik brachte, eine wichtige Rolle.

Geschichte via Echtzeit-Medium

Diese wollen Geschichtsstudenten der Uni Halle einem breiten Publikum nahebringen. Dafür nutzen sie ein modernes Medium: die Plattform Twitter. In höchstens 280 Zeichen posten sie seit dem 7. November bis zu sieben Mal täglich über tagesaktuelle Geschehnisse – mit 100 Jahren "Verspätung".

Grundlage der Tweets sind historische Zeitungsartikel und Archivdokumente wie Plakate. Die Studenten um Geschichtsprofessor Patrick Wagner arbeiten mit dem halleschen Stadtmuseum und dem Stadtarchiv zusammen. Das Zentrum für Multimediales Lehren und Lernen (LLZ) ist ebenfalls beteiligt.

Neue Form der Geschichtsvermittlung

Normalerweise schrieben Studenten Hausarbeiten über Geschichtsereignisse, die dann aber außer dem Professor keiner lese, sagt Wagner. Er hat deshalb nach einer zeitgemäßeren Form gesucht, um Geschichte zu vermitteln. Er wolle mit den Studenten zusammen ausprobieren, ob sich das Medium Twitter dazu eigne. Auf der projektbegleitenden Webseite steht:

Denn dieses Projekt ist für uns vor allem: ein Experiment, eine neue Form des Recherchierens, Lernens und Vermittelns von Geschichte.

Webseite zum Projekt "1918/19 in Halle"

Der Twitteraccount @Halle191819 hat bereits mehrere hundert Follower. Bis zum 26. März läuft das Projekt. Denn an dem Datum wurde vor einem Jahrhundert das letzte Todesopfer der Revolution in Halle beerdigt.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. November 2018 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 17:15 Uhr

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4 Kommentare

10.11.2018 12:12 Steffen Eisfeld 4

Klasse Projekt. Ereignisse der Tage aufschreiben und an Litfass-Säulen kleben, dafür sind die Dinge gebaut worden und man erreicht mehr Menschen.

09.11.2018 15:18 Bernd 3

Finde ich interessant und eine gute Idee. Waere schoen wenn der MDR das auch weiterhin verlinkt z.B. fuer Nicht Twitter Nutzer.

09.11.2018 13:13 böse-zunge 2

Ja nicht zu fassen - wird doch so die Erinnerung an revolutionäre Ereignisse wachgehalten....
Der Germane mal nicht als folgsame Masse - sondern als aufbegehrendes Individuum, mit Zielen und Forderungen ... sich organisierend!
Und das wird nicht verdrängt sondern wach gehalten ... also wirklich - Danke!

Maercker wäre dann als Staffelstab denkbar - von Weimar über (u.a.) Halle, Magdeburg, Braunschweig nach Leipzig ... viele Studenten, viele Ereignisse zu einem historischen Vorgang..