Wegen gestiegener Neuinfektionen mit Coronavirus Halles Bürgermeister Wiegand rät von Reisen in den Herbstferien ab

In Halle sind die Neuinfektionen mit dem Coronavirus erneut angestiegen. Damit weist die Stadt Halle derzeit am meisten nachgewiesene Infektionen auf. Oberbürgermeister Bernd Wiegand hat deshalb an die Hallenser appelliert, genau zu prüfen, ob Reisen in den Herbstferien unbedingt nötig seien. Außerdem hielt er dazu an, Kontakte auf die Familie zu reduzieren.

OB Bernd Wiegand auf einer Pressekonferenz
Oberbürgermeister Wiegand appelliert an Hallenser: Nur reisen, wenn es zwingend nötig ist. Bildrechte: Stadt Halle

Die Stadt Halle ist weiter am stärksten vom neuartigen Coronavirus betroffen. Seit Freitag seien 17 neue Infektionen mit dem Virus nachgewiesen worden, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) in einer Video-Pressekonferenz am Sonnabend. Viele der neuen Infizierten hätten sich auf Reisen oder durch Kontakt mit Reisenden angesteckt. Sieben der 17 Fälle seien auf Busreisen, Urlaub oder auf Besucher aus dem Ausland zurückzuführen. Drei Infizierte seien Schüler, die bereits in Quarantäne gewesen seien.

Erstmals wurde laut Wiegand auch eine Infektion nachgewiesen, nachdem die Corona-Warn-App angeschlagen hatte. Derzeit gelten in Halle 123 Menschen als aktiv infiziert.

Appel zum Start der Herbstferien

Wiegand warnte angesichts der beginnenden Herbstferien vor Reisen, die nicht unbedingt nötig seien. Er sagte: "Prüfen Sie genau, ob eine Reise oder Feier in der gegenwärtig bundesweit angespannten Situation zwingend notwendig ist." Wiegand
appellierte an die Hallenser, die Abstands- und Hygieneregeln unbedingt einzuhalten und die Kontakte zu reduzieren.

Im Pandemiestab der Stadt Halle wird alles getan, damit sich das Virus nicht unkontrolliert ausbreitet. Das hat oberste Priorität. Dies gelingt nur, wenn alle Menschen mithelfen. Bitte reduzieren Sie Ihre Kontakte außerhalb der eigenen Familie.

Bernd Wiegand, Oberbürgermeister von Halle

Die größte Stadt Sachsen-Anhalts verzeichnet unter allen Landkreisen und kreisfreien Städten die höchste Zahl an neu dokumentierten Infektionen. Der Oberbürgermeister hatte deshalb bereits angekündigt, stärker zu kontrollieren, ob die Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Seit Beginn der Pandemie wurden in Halle insgesamt 631 Fälle registriert, das ist etwa jeder fünfte Fall in Sachsen-Anhalt. In der Landeshauptstadt Magdeburg waren es bis Freitag 449 Fälle

Ab wann gelten Beschränkungen?

Der für die Aktivierung weiterer Corona-Beschränkungen entscheidende Inzidenzwert liegt in Halle derzeit bei rund 25,4. Ab einem Wert von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen würden die Regeln verschärft. Wiegand kündigte für diesen Fall "geeignete Maßnahmen" an, wollte aber nicht spekulieren, wie diese aussehen würden. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatte am Freitag im Landtag gesagt, sie würde Halle notfalls auch "dicht machen". Darauf reagierte Wiegand nun. Er sagte, er habe das als humorvollen Versprecher empfunden. Wiegand betonte jedoch, dass die Infektionen größtenteils nicht auf Fehlverhalten innerhalb der Stadt zurückgingen.

Diskussion um Corona-Maßnahmen

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen hatte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) im Landtag davon gesprochen, Halle notfalls abzuriegeln. Wörtlich sagte sie: "Ich bin auch bereit, wenn es bei uns richtig knallen würde, Halle dichtzumachen." Kultusminister Marco Tullner (CDU) reagierte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und schrieb dort: „Ich bin jetzt sehr höflich. Aber Sätze mit solchen Aussagen sind wirklich nicht hilfreich. Schon gar nicht aus dem Großraum Magdeburg“.

Quelle: MDR,dpa/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 17. Oktober 2020 | 15:00 Uhr

10 Kommentare

Saxe vor 5 Wochen

Die dürfen doch reisen. Artikel gelesen? Lediglich in Schleswig-Holstein benötigen die einen negativen Test und müssen in Quarantäne.
"Die Landesregierung hatte für Gäste aus Risikogebieten wie Berlin und anderen Großstädten eine vierzehntägige Quarantäneregelung beschlossen. Menschen aus Gebieten mit mehr als 50 Infizierten pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen müssen bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorlegen. Die Quarantäne kann durch einen zweiten negativen Test nach fünf bis sieben Tagen verkürzt werden. "

lucas film vor 5 Wochen

Weil der Großteil der Menschheit keine Ahnung besitzt, sie glauben ihnen könne nichts passieren...aber wehe sie erkranken, dann ist das Geheule groß.
Generell ist es wirklich sehr unverantwortlich was einige Veranstalter sowie Besucher abziehen.
"Missachtung jeglicher Regeln"...dabei ist es so einfach.
Es wird immer ein Streitthema bleiben, von daher haben wir den Kampf schon verloren.
Die hälfte der Menschen haben wirkliche Angst und vermeiden jegliche Kontakte und andere wiederum leben wie vorher und helfen dem Virus sich weiter zu verbreiten.
Jeder Mensch der keinen öffentlichen Dienst nachgeht und sich trotzdem infiziert sollte meiner Meinung nach eine heftige Freiheits und Geldstrafe erhalten...denn es ist unfair gegenüber denen welche sich strikt an die Vorgaben halten und eigentlich garnichts mehr vom Leben haben.
Andere Menschen die im öffentlichen Dienst wie Kitas und Schulen zu tun haben, sollten nach ihrem Dienst nur noch ihre Wohnung aufsuchen und jegliche Kontakte meiden.

Hallebewohner vor 5 Wochen

Ich wollte in Halle heute in der Samstagsmittagszeit zum Töpfermarkt in den Graben der Moritzburg. Eine endlos lange Schlange stand bis zur Burgbrücke. Alle Personen in der langen Schlange hielten keinen Sicherheitsabstand ein. Keiner trug eine Schutzmaske in der Schlange. Und im Eingangsbereich nur ein Tisch mit einer Liste in die man sich eintragen musste. Im Graben staut sich zudem die Luft. Ich habe mir dies nicht angetan. Warum erzeugen die Verantwortungsträger der Stadt Halle zusätzlich solch ein Infektionsrisiko und ruft die Leute nicht zur Besonnenheit vor Ort auf?

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt