Mitglieder der Guardia Civil führen einen Einsatz wegen der vermissten Frau aus Deutschland und ihres zehn Jahre alten Sohnes durch.
Suchaktion von Mitgliedern der Guardia Civil nach der 39-Jährigen Frau und ihrem Sohn am Mittwoch auf Teneriffa. Bildrechte: dpa

Familie aus Sachsen-Anhalt Mutter und Sohn auf Teneriffa getötet: Was bisher bekannt ist

Die 39-jährige Frau und ihr Sohn, die auf Teneriffa tot aufgefunden wurden, kommen wahrscheinlich aus dem Raum Halle. Ihr Mann wurde auf der Kanareninsel vorläufig festgenommen. Ein Überblick, was bisher über den Fall bekannt ist.

Mitglieder der Guardia Civil führen einen Einsatz wegen der vermissten Frau aus Deutschland und ihres zehn Jahre alten Sohnes durch.
Suchaktion von Mitgliedern der Guardia Civil nach der 39-Jährigen Frau und ihrem Sohn am Mittwoch auf Teneriffa. Bildrechte: dpa

Auf der spanischen Insel Teneriffa sind eine Frau aus Sachsen-Anhalt und ihr Sohn tot aufgefunden worden. Die kanarische Polizei entdeckte die beiden Leichen nach einer großen Polizei- und Zivilschutzsuche am Mittwoch in einer Höhle. Laut den Ermittlern deutet alles darauf hin, dass die 39-Jährige und ihr zehnjähriges Kind zu Tode geprügelt wurden. Beide hatten in Sachsen-Anhalt gelebt und waren seit Ostermontag auf Teneriffa zu Besuch bei dem in Trennung lebenden Familienvater – zusammen mit dem kleinen Bruder.

Was hat sich in der Höhle abgespielt?

Laut spanischen Medienberichten soll der Vater der Jungen seine Frau und die Kinder am Dienstag in eine Höhle in abgelegene Bergschluchten gelockt haben – mit dem Versprechen von versteckten Ostergeschenken. Statt Geschenken soll der 43-jährige Mann plötzlich auf die Frau eingeprügelt haben. Ihr zehnjähriger Sohn wollte ihr wohl beistehen und starb vermutlich ebenfalls an Schlägen. Juan Salvador León, ein Vertreter der kanarischen Regionalregierung, sagte in einem Interview, dass es sich um eine "Attacke mit Steinen" gehandelt habe.

Der jüngere Sohn entkam und irrte mehrere Stunden durch die Wildnis. Im Ort Adeje fand er dann Menschen, die ihn verstanden: Er soll geschluchzt haben, sein Vater habe die Mutter geprügelt, er habe viel Blut gesehen und sei deshalb weggelaufen.

Dann kam die Polizei ins Spiel?

Ja – die Guardia Civil ging den Worten des Siebenjährigen nach und verhaftete den Vater, der seit geraumer Zeit in einer kleinen Wohnung in Adeje lebt. Als die Polizei kam, soll der Mann dort geschlafen haben.

Außerdem gab es die bereits erwähnte großangelegte Suche mit Fährtenhunden, zwei Hubschraubern und einem Suchtrupp, bestehend aus 100 Mann. Sie fanden die Höhle und offenbar unter Steinen begraben auch die Leichen der Frau und des Sohnes. Die Ermittler gehen laut eines Vertreters  der kanarischen Regionalregierung davon aus, dass die Tat vorsätzlich geplant worden war.

Was ist am Freitag geschehen?

Die Kanarischen Inseln haben für zwei Tage offizielle Staatstrauer angeordnet, am Tag zuvor kamen bereits 300 Menschen zu einer Trauerkundgebung in Adeje. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez schrieb auf Twitter: "Eine Frau und ihr Sohn wurden ermordet. Erneut hat die männliche Gewalt doppelt zugeschlagen." Die Polizei hat den Fall an eine Haftrichterin abgegeben – eine Spezialistin der Stelle "Anti-Gewalt gegen Frauen". Sie prüft nun Fall und Indizien. Der mutmaßliche Täter hatte demnach beispielsweise leichte Handverletzungen, die auf Faustschläge hindeuten könnten.

Am Freitag wurde außerdem bekannt, dass Ermittler aus Sachsen-Anhalt in den Fall eingebunden werden sollen. Spanien hat ein Amtshilfeersuchen nach Sachsen-Anhalt geschickt. Was genau die deutschen Beamten herausfinden sollen, blieb zunächst offen. Die Sicherheitsbehörden in Sachsen-Anhalt wollten sich am Freitag dazu nicht äußern.

Was passiert mit dem überlebenden Sohn?

Spanische Medien berichten, dass die Großeltern mütterlicherseits bereits auf Teneriffa angekommen sind. Sie werden das Kind wohl in Obhut nehmen, müssen aber für eventuell nötige weitere Befragungen ihres Enkels auf Teneriffa bleiben. Offiziell bestätigen wollte das Auswärtige Amt all das nicht. Dort hieß es gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT, man wolle die Angehörigen schützen.

Woher kommt die Familie genau?

Spanische Tageszeitungen hatten den Klarnamen des vermeintlichen Täters veröffentlicht, aber auch den der Opfer – nach deutschem Medienrecht undenkbar. Hiesige TV-Sender haben die Namen offenbar gegoogelt und fanden einen Mann gleichen Namens, der in Bayern wohnt. Er wurde von ihnen zu Unrecht beschuldigt. Dann kam die Klarstellung der bayrischen Polizei: Die Opfer stammen aus Sachsen-Anhalt.

Recherchen des MDR und anderer Medien zeigten dann übereinstimmend: Die 39-jährige Frau arbeitete bei einem Unternehmen in Halle. Bestätigen, dass sie aus dem Raum Halle kommt, wollen aber weder Polizei noch Auswärtiges Amt.

Was sagen die Behörden?

MDR SACHSEN-ANHALT hat versucht, über den Fall mit mehreren Polizeiinspektionen in Sachsen-Anhalt sowie dem Auswärtigen Amt zu sprechen. Keine der Stellen wollte Aussagen treffen. Auch die spanische Untersuchungsrichterin und weitere Behörden wurden kontaktiert. Dies blieb bisher aber ohne Antwort.

Was wissen wir nicht?

Bisher ist unklar, ob der Vater für die beiden Todesfälle verantwortlich ist. Er bestreitet, für den Tod seiner Frau und seines Sohnes verantwortlich zu sein. Der 43-Jährige sollte am Freitag in Spanien dem Haftrichter vorgeführt werden. Ob Haftbefehl erlassen wird, steht noch nicht fest.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2019, 16:59 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.