Hochwasserschutz Gimritzer Damm in Halle kann erneuert werden

Zwei offenen Klagen zum Trotz: Der Gimritzer Damm in Halle kann erneuert werden. Künftig soll eine Betonwand den Stadtteil Neustadt zusätzlich vor Hochwasser schützen.

Der Sandsackwall am Gimritzer Damm im Jahr 2013.
Beim Hochwassser 2013 wurde der Gimritzer Damm schwer beschädigt. Bildrechte: IMAGO

Der Gimritzer Damm in Halle kann erneuert werden – trotz offener rechtlicher Fragen. Das hat das Landesverwaltungsamt entschieden. Gegen die Bauarbeiten sind den Angaben nach zwei Klagen beim Oberverwaltungsgericht Magdeburg anhängig. Der Präsident des Amtes, Thomas Pleye, sagte jedoch, das öffentliche Interesse an der Verbesserung des Hochwasserschutzes überwiege das Interesse der Kläger, den Bau auszusetzen.

Deich bei Hochwasser 2013 zerstört

Der Gimritzer Damm soll den Stadtteil Halle-Neustadt bei einem Saale-Hochwasser schützen. Allerdings war der Deich schon vor dem Hochwasser 2013 in die Jahre gekommen. Er entpuppte sich während der Flut als zu alt, zu niedrig und zu porös. Durch das Hochwasser wurde er weiter beschädigt. Ein Bruch des Deichs wurde nur durch Tausende Sandsäcke verhindert.

Das ist inzwischen fast sieben Jahre. Direkt im Anschluss an die Flut versuchte Oberbürgermeister Bernd Wiegand den Deich neu bauen zu lassen. Dieses Vorhaben wurde vom Landesverwaltungsgericht jedoch wegen fehlender Bauplanungen gestoppt. Später sorgten Umweltverträglichkeitsprüfungen für weitere Verzögerungen. Seitdem verging viel Zeit bis zum Planfeststellungsbeschluss – der behördlichen Grundlage für die Bauarbeiten. Im Herbst 2019 war es dann soweit. Künftig soll eine 1,2 Kilometer lange Wand aus Stahlbeton den Deich zu verstärken.

Klagen ohne "aufschiebende Wirkung"

Jugendliche sitzen 2013, neben Sandsäcken am Hochwasser im Ortsteil Klaustorvorstadt in Halle an der Saale
Anwohner der Klaustorvorstadt fürchten eine erneute Überflutung ihres Stadtteils Bildrechte: imago/epd

Gegen diese behördliche Freigabe wurden zwei Klagen eingereicht. Anwohner in der Klaustorvorstadt am östlichen Saaleufer befürchten, dass der neue Deich künftig das überlaufende Wasser in ihre Richtung lenken wird. Auch beim Hochwasser 2013 war die Klaustorvorstadt überflutet worden. Die Bauplanenden widersprechen dieser Annahme.

Die Klagen haben keine "aufschiebende Wirkung", teilte das Landesverwaltungsamt nun mit und folgte damit einem Antrag des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Heißt im Klartext, der Bauherr braucht nicht zu warten, bis irgendwann das Verwaltungsgericht über diese Klagen entscheidet.

Doch was passiert, wenn die Richter den Klägern Recht geben? Dieses Riskio trägt der Bauträger, also das Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft des Landes. Dessen sei man sich bewusst, versichert Behördenchef Burghard Henning. Die Wahrscheinlichkeit sei aber nicht so groß. Das Schutzbedürfnis der Halle-Neustädter müsse ernst genommen werden, so Henning.

Zügiger Baustart nötig

Die Vorbereitungen für den Neubau können sofort beginnen – und müssen das auch. Denn die nötigen Baumfällungen sind nur bis Ende Februar möglich. Parallel dazu können jetzt erst die Bauleistungen ausgeschrieben werden. Der eigentliche Baustart ist für den Sommer 2020 vorgesehen, die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 3,3 Millionen Euro. Läuft alles planmäßig, sollen die Bauarbeiten an Deich und Schutzmauer Ende 2021 fertig sein – mehr als acht Jahre nach der Flut von 2013.

Quelle: MDR,dpa/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Februar 2020 | 14:40 Uhr

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