Ein Brutkasten mit vielen Schläuchen.
So sieht die rollende Babyintensivstation im Inneren des Notarztwagens aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Geschenk einer Stiftung Baby-Notarztwagen "Felix" kümmert sich um Frühchen

Etwa jedes elfte Kind kommt zu früh zur Welt. Der Transport der Frühchen ist heikel, häufig müssen sie in Spezialkliniken verlegt werden. In und um Halle können Frühchen nun sicher und schonend transportiert werden – mit einem Geschenk einer Stiftung: dem 250.000 Euro teuren Baby-Notarztwagen "Felix".

Ein Brutkasten mit vielen Schläuchen.
So sieht die rollende Babyintensivstation im Inneren des Notarztwagens aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schlaglöcher dringen nicht zum Kind durch, es wird für mehr Sicherheit quer zur Fahrtrichtung transportiert und die Temperatur des Brutkastens kann ohne Probleme angepasst werden: Ein Baby-Notarztwagen, der genau das kann, ist am Dienstag in Halle übergeben worden.

Der Notarztwagen "Felix" wird künftig im Süden-Sachsen-Anhalts bei Frühchentransporten oder Verlegungen in Spezialkliniken im Einsatz sein. Er kostet rund 250.000 Euro, wobei Wagen und Wartung ausschließlich aus Spenden finanziert werden: Er ist ein Geschenk der Björn Steiger Stiftung aus Baden-Württemberg.

Autofahrt im Flüsterton

Eine Babypuppe mit Inkubator liegt in einem Brutkasten.
Der Notarztwagen wurde von der Björn Steiger Stiftung entwickelt. Er wird bei Verlegungsfahrten zwischen Geburts- und Spezialkliniken gebraucht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Notarztwagen ist komplett auf die Bedürfnisse von zu früh geborenen Kindern ausgelegt. So löst zum Beispiel jegliche Geräuschkulisse bei Frühchen immensen Stress aus, erst recht beim Autofahren.

"Auf Frühchen-Stationen gilt die Regel, dass es nicht lauter als 60 Dezibel werden darf – und das ist Flüsterton", sagte Pierre-Enric Steiger von der Björn Steiger Stiftung MDR SACHSEN-ANHALT. "Dieses Level erreichen wir tatsächlich in diesem Fahrzeug. Es ist ganz speziell schallgedämpft." Zudem gibt es zusätzlich eine Dämpfung unter dem Kind, sodass Schlaglöcher komplett abgefedert werden – "dass das Kind wie auf einer Wolke getragen während der Fahrt transportiert werden kann."

Sehr persönlicher Grund für Spende

Ein Mann mit Brille und grauem Haar gibt ein Interview.
Pierre-Enric Steiger verlor seinen Bruder, weil Rettung zu lange auf sich warten ließ. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dem Stiftungs-Präsidenten Pierre-Enric Steiger liegt das Schicksal von Kindern besonders am Herzen, seit sein Bruder Björn im Alter von acht Jahren gestorben ist – was hätte verhindert werden können. Ein Auto fuhr seinen Bruder auf dem Heimweg vom Schwimmbad an. "Er war gar nicht schwer verletzt, aber er hat einen Schock erlitten und hat eigentlich Sauerstoff oder eine Infusion gebraucht. Es hat damals eine Stunde gedauert, bis ein Krankenwagen kam, der medizinisch aber gar nicht ausgestattet war", so Pierre-Enric Steiger. Auf dem Weg ins Krankenhaus sei sein Bruder dann verstorben.

Er war gar nicht schwer verletzt, aber er hat einen Schock erlitten und eigentlich Sauerstoff gebraucht.

Pierre-Enric Steiger über seinen verstorbenen Bruder

Der Unfall fand bereits 1969 statt. Die Eltern der beiden Söhne haben noch im selben Jahr die Stiftung gegründet und nach dem verstorbenen Sohn benannt.

Die Stiftung Die Björn Steiger Stiftung hat das Ziel, die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind beispielsweise die Einführung des bundesweiten, kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung.

Quelle: Björn Steiger Stiftung

Vorteile gegenüber Hubschrauber

Ein Krankenwagen von innen mit zwei blauen Sitzen und kleinem Brutkasten.
Blick in den Wagen mit Namen Felix – "der Glückliche". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der neue hallesche Baby-Notartzwagen wird die Universitäts-Kinderklinik Halle sowie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara ansteuern. So können Frühchen und kranke Säuglinge sicher ans Ziel gebracht werden, ohne, dass gleich ein Hubschrauber zum Einsatz kommen muss.

Die Vorteile des Babynotarztwagens kennt Dr. Ludwig Patzer, Chefarzt der Kinderklinik im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara: "Er ist natürlich geräumiger. Es können mehr betreuende Ärzte bzw. Kinderkrankenschwestern mitfahren." Zwar sei ein Hubschrauber schneller, "aber er fliegt nicht bei jedem Wetter und hat ein viel höheres Schwingungsverhalten". Das kann wieder gefährlich für die kleinen Patienten werden.

Ein Ärzte- und Schwesternteam steht mit einem mobilen Brutkasten vor einem Notarztwagen.
Das Team der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara freut sich über den neuen Notarztwagen. Chefarzt Ludwig Patzer (2.v.l.). Bildrechte: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara / Jan-Stephan Schweda

Nur vier hochmoderne Baby-Wagen in ganz Deutschland

In Leipzig, Chemnitz und Oldenburg sind die hochmodernen "Felix"-Notarztwagen schon im Einsatz. 2018 wurden sie nach Angaben der Björn Steiger Stiftung für insgesamt 332 Fahrten gebraucht. Dabei legten sie rund 34.500 Kilometer zurück. Halle ist nun der vierte Standort, von dem aus das südliche Sachsen-Anhalt angesteuert werden soll, aber auch Spezialkliniken in Niedersachsen und Sachsen.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. März 2019 | 15:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 16:29 Uhr

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1 Kommentar

20.03.2019 08:29 Leser 1

Meine Hochachtung vor der Stiftung. Wir sind so ein reiches Land, angeblich, aber es muss erst einen Sponsor geben für so ein wichtiges Fahrzeug.

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