Fördermittel zum Braunkohleausstieg Halle und Saalekreis: Vier Leuchtturmprojekte sollen Strukturwandel begleiten

Der Strukturwandel beschäftigt nicht nur die Kohlereviere im Süden Sachsen-Anhalts, er muss auch begleitet werden. Etwa durch Forschung und die Ansiedlung neuer Gewerbe. Dafür wurden nun vier Leichtturmprojekte in Halle und dem Saalekreis ausgewählt.

von Theo M. Lies, MDR SACHSEN-ANHALT

Blick auf den Weinberg Campus Halle
Die Forschungseinrichtungen am Weinberg Campus in Halle sollen den Strukturwandel begleiten. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Für Halle und den Saalekreis stehen die ersten Vorhaben in Sachen Strukturwandel fest. Eine gemeinsame Kommission hat sich auf vier Projekte geeinigt, die jetzt vorbereitet werden sollen. Leuchttürme nennt Jens Rauschenbach diese ersten Vorschläge, die aus einer 40 Posten umfassenden Liste ausgewählt worden sind. Der Wirtschaftsprüfer ist gemeinsam von der Stadt Halle und dem Saalekreis beauftragt worden, den Strukturwandel zu begleiten. Im Gegensatz zur Braunkohlenregion im Süden Sachsen-Anhalts gibt es dabei für ein Oberzentrum wie der Stadt Halle aber andere Schwerpunkte. Statt Bergbau findet man hier Forschungseinrichtungen, die für den Strukturwandel wichtig sind.

"Wir haben die Aufgabe, zusammen mit der Universität, der Hochschule, den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den Technologie- und Gründerzentren in Halle und Merseburg auch auszustrahlen in die traditionellen Kohlereviere," sagt Rauschenbach. Deutlich wird das an gleich zwei Leuchtturm-Vorhaben.

Die Leuchtturmprojekte im Überblick

1. Innovationszentrum in Merseburg

In Merseburg wird ein Innovations- und Anwenderzentrum – kurz ITAM – von der dortigen Hochschule gemeinsam mit dem MITZ (Merseburger Innovations- und Technologiezentrum) anvisiert. Dort soll unter anderem mit den Schwerpunkten Digitalisierung und 3-D-Druck gepunktet werden. Platz für diese Denkfabrik ist gleich neben dem aktuellen Hochschulgelände der Saalestadt. Dort gammeln derzeit einige Gebäude einschließlich einer 0815-Plattenbau-Mensa ungenutzt vor sich hin.     

2. Neue Materialien und Werkstoffe aus Halle

In Halle wird ein ähnliches Zentrum angestrebt. Auch hier ist schon ein Standort favorisiert. Ein Segment am neuen Verkehrskreisel auf dem Weinberg-Campus bietet sich dafür an. Allerdings soll sich hier viel um neue Materialien und Werkstoffe drehen. Das deckt sich auch mit den Schwerpunkten in den Forschungseinrichtungen in der Umgebung – von Universität über Max-Planck bis zu Fraunhofer.

3. Flächen für Gewerbeansiedlungen finden

Ein dritter Schwerpunkt ist die Suche nach geeigneten Flächen für Gewerbeansiedlungen. Die vorhandenen Flächen seien belegt, rechnet Rauschenbach vor. Sowohl in Halle, als auch im Saalekreis fänden sich kaum noch Möglichkeiten. Lediglich die Infra-Leuna habe noch Reserven. Der Versuch, ein Areal bei Tornau zu entwickeln, sei am Widerstand der Bewohner gescheitert. "Das macht auch deutlich, wie schwierig es heute ist, solche Vorhaben durchzusetzen und attraktive Angebote für neue oder expandierende Unternehmen zu schaffen", kommentiert Rauschenbach.

4. Gelände hinter Hauptbahnhof Halle nutzen

Die Nummer vier auf der Liste ist ein Gelände hinter dem halleschen Hauptbahnhof. Immerhin 20 Hektar groß war hier bis zur Wende das Reichsbahnausbesserungswerk RAW zu Gange. Die großen Hallen stehen noch, stammen meist schon aus preußischer Zeit. Doch hat die Bahn dafür keine Verwendung mehr. Allerdings ist sie noch Eigentümerin. Mit der sei man in Gesprächen, skizziert Rauschenbach den aktuellen Stand.

Das sei aber nicht das einzige Fragezeichen über dem Projekt. Der Beauftragte nennt da Altlasten, die Verkehrsführung und nicht zuletzt die zukünftige Nutzung. "Wir wollen dieses Gelände als Entwicklungsfläche erst einmal aufbereiten, es verfügbar machen." Dafür brauche es einen sehr langen Atem.

Warten auf Fördermitel

Neu sind die einzelnen Projekte jedoch nicht. Das ITAM geistert schon seit 2015 in den Plänen der Merseburger, und das RAW gilt schon länger als ein Lieblingsprojekt des halleschen Oberbürgermeisters Bernd Wiegand. Jetzt aber, davon ist Rauschenbach überzeugt, könnten die erwarteten Fördermillionen diese Ideen zum Leuchten bringen.

Im nächsten Jahr, wenn dann endlich der Bundestag die entsprechenden Gesetze verabschiedet hat, könne man die  Anträge zügig stellen. Zuvor müssen die Projekte aber noch vom halleschen Stadtrat und dem Saalekreistag bestätigt werden.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Dezember 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 17:01 Uhr

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