Reiner Haseloff
Samstag geht es nicht um Reden, sondern um ein Zeichen, sagt Reiner Haseloff. Bildrechte: imago images / Susanne Hübner

#HalleZusammen Haseloff vor Soli-Konzert in Halle: "Hoffe, der 9. Oktober wird eine Zäsur"

In Halle findet am Samstag das Solidaritätskonzert #HalleZusammen statt. Dabei geht es nicht um große Reden, verspricht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff im Interview, sondern darum, ein Zeichen für Zusammenhalt zu setzen. Er hofft, dass die Ereignisse in Halle eine dauerhafte Wende im politischen Diskurs einleiten.

Reiner Haseloff
Samstag geht es nicht um Reden, sondern um ein Zeichen, sagt Reiner Haseloff. Bildrechte: imago images / Susanne Hübner

Der Anschlag ist inzwischen mehr als eine Woche her. Wie haben Sie die zurückliegenden Tage erlebt?

Ministerpräsident Haseloff: Es war die schlimmste Woche, die ich bisher in meinem Leben hatte. Ich bin immer noch ziemlich betroffen, von dem was da gelaufen ist. Aber so geht es uns ja sicher im gesamten Land. Deswegen bin ich froh, dass wir in den vergangenen Tagen so viele deutliche Zeichen setzen konnten, wo wir stehen. Menschlich – und auch als Politiker ist man ein Mensch – habe ich so etwas noch nicht erlebt. Trotzdem müssen wir jetzt überlegen, wie wir damit umgehen und weitermachen. 

Wie wichtig ist für Sie die Veranstaltung "HalleZusammen" am Samstag?

Wir haben jetzt mehr als eine Woche getrauert und viele Gedenkveranstaltungen gehabt. Am Freitag werde ich auch bei der Verabschiedung des jungen getöteten in der Merseburger Stadtkirche sein. Da geht es natürlich auch darum, mit Angehörigen Kontakt zu halten.

Logo #HalleZusammen
Bildrechte: Junge Angebote/Robert Erdmann

Sonnabend ist dann aber auch ein Zeichen, dass wir Konsequenzen ziehen und uns als Gesellschaft nicht auseinanderbringen lassen, sondern zusammenstehen. In der Zukunft müssen wir uns aus der demokratischen Mitte heraus aber deutlicher positionieren und artikulieren. Deswegen bin ich froh, dass am Samstag auch die Medien mitmachen – private Sender, genauso wie öffentlich-rechtliche oder die Mitteldeutsche Zeitung. Und die Stadt Halle selbst. Ich bin froh, dass es diese Möglichkeit gibt, ein Zeichen der Ermutigung, aber auch der Dankbarkeit für die Unterstützung der vergangenen Tage, zu setzen.

Welche Botschaft bringen Sie am Samstag mit?

Wichtig ist, dass wir da sind und Gemeinschaft und Gemeinsamkeit zeigen. Da geht es nicht um große Reden. Sondern darum, zu zeigen, dass wir nicht auseinanderdividierbar sind. Deshalb sind wir stark, um Rassismus und Antisemitismus sowie der Unterdrückung von Minderheiten entgegen zu treten. Das muss unsere Botschaft sein. Deswegen ist Präsenz wichtig.

Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung, über den Samstag hinaus?

Ich glaube, dass der 9. Oktober eine Zäsur in unserer gesellschaftlichen Entwicklung darstellt. Es muss einen gesellschaftlichen Diskurs geben, wie wir mit dieser Thematik umgehen. Das schafft keiner alleine. Politik kann das nicht alleine schaffen, einzelne Vereine auch nicht. Es geht um die Geschlossenheit. Ich glaube nicht, dass das eine kurze Aktivität ist und man dann zum Alltag übergeht. Bis in die Haushaltsdebatte und die politische Schwerpunktsetzung wird das im Land, im Bund und in der EU deutliche Spuren hinterlassen. Dass wir vorher keine Signale auf diese Person hatten, zeigt, dass wir völlig neue Strategien brauchen. Das geht bis in das persönliche Umfeld.

Wir müssen ein frühes Sensorium entwickeln und aufeinander aufpassen. Wir müssen miteinander leben. Bei aller Entwicklung der sozialen Medien darf der zwischenmenschliche Kontakt nie abreißen. Wir brauchen Vereinsarbeit, Kulturarbeit und in den Schulen müssen entsprechende Projekte formuliert werden, die Zusammenarbeit und das geschichtliche Bewusstsein stärken. All das wird eine Rolle spielen und deswegen wird für uns nach dem 9. Oktober eine neue Zeit beginnen.

Wenn wir uns in fünf oder zehn Jahren fragen: Was war der Anfang dieses neuen Bewusstseins? Dann wird man mit diesem Datum umzugehen wissen. Denn es wird von Nachhaltigkeit sein.

Holger Stahlknecht, Max Privorozki und Reiner Haseloff
Reiner Haseloff hofft auf eine Wende im politischen Diskurs. Bildrechte: dpa

Immer mehr Politiker geben der AfD eine Mitverantwortung für den Anschlag von Halle, aktuell Vizekanzler Olaf Scholz. Wie sehen Sie die Debatte?

Das ist eine Entwicklung, die wir gar nicht breit genug auffächern können. Die politische Entwicklung der letzten Jahre, aber auch die politische Sprache und die politischen Diskussionen haben gezeigt, dass wir auf einem schlechten Weg sind. So kann es nicht weitergehen. Der Umgang miteinander, das Bagatellisieren bestimmter Themenfelder und die Verrohung der Sprache spiegelt sich in der Parteienlandschaft wieder. Und das wirkt dann in die gesellschaftliche Entwicklung insgesamt zurück.

Wenn ich mir die Shell-Studie und andere Studien der letzten Tage anschaue, wird klar, dass wir insgesamt als Gesellschaft einen Weg zugelassen haben, den wir so nicht weitergehen können. Auch das ist eine Botschaft, die wir am Sonnabend aussenden sollten.

Die Fragen stellte Christiane Luft.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Oktober 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 10:55 Uhr

20 Kommentare

Anhaltiner vor 4 Wochen

Ministerpräsident Haseloff:Sonnabend ist dann aber auch ein Zeichen, dass wir Konsequenzen ziehen und uns als Gesellschaft nicht auseinanderbringen lassen, sondern zusammenstehen. Immer mehr Politiker geben der AfD eine Mitverantwortung für den Anschlag von Halle, aktuell Vizekanzler Olaf Scholz. Ja,ja die AfD ist der größte Feind der SPD und CDU bei der nächsten Landtagswahl .Darum muss man sie verunglimpfen,wo es nur geht. Populisten soll es aber nur in der AfD geben.

oller Kerl vor 4 Wochen

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oller Kerl vor 4 Wochen

DANKE

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