Abenteuer Hallenserin segelt für die Umwelt um die Welt

Olga Patlan im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Olga Patlan/Gaby Conrad

Den Job aufgeben und einfach Mal um die Welt segeln. Was nach einem Traum klingt, wird für die Hallenserin Peggy Engelmann Realität. Dabei steht weniger das private Abenteuer im Vordergrund, sondern vielmehr Umweltschutz.

Eine rothaarige Frau (Peggy Engelmann) in einem Seemannsladen
Peggy bei ihrer Ankunft in Elsfleth, von wo die Reise beginnt – im Laden von Timbercoast, einer Reederei, die fair gehandelte Waren transportiert. Bildrechte: Peggy Engelmann

Es wird das Abenteuer ihres Lebens – die Hallenserin Peggy Engelmann geht auf eine Segelreise. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Segelurlaub zum Spaß. Sie geht auf eine Reise mit dem letzten deutschen Segelfrachter – auf kalter und offener See des Atlantiks. Das alles macht sie mit einem Ziel: "Zu zeigen, dass man Dinge über See verfrachten kann, ohne CO2 auszustoßen", so Peggy Engelmann.

Teil einer internationalen Crew

Die Reise beginnt bereits am Freitag, dem 10. Januar. Dann startet Peggy als Teil eines 15-köpfigen Teams von "Avontuur" – einem 100-jährigen Segelfrachter. Mit an Bord sind sechs Profisegler und der Kapitän Cornelius Bockermann. Den Rest der Crew bilden Amateursegler wie Peggy. Alle mit derselben Mission: Fair produzierte Waren von Europa nach Mittelamerika und zurück ohne Emissionen zu transportieren. Sechs Monate lang geht es von Deutschland zu den Kanaren, nach Honduraz, Belize, Mexiko und zurück über die USA und Azoren nach Deutschland. Dabei können die Zeiten schwanken, da die Geschwindigkeit des Segelschiffs vom Wind abhängt.

Die Geschichte des "Avontuur"

"Avontuur" bedeutet Abenteuer auf niederländisch. In den Niederlanden ist das Segelschiff auch erstmals vor 20 Jahren vom Stapel gelaufen. Ursprünglich war es für Nordseefrachten gedacht. 2014 wurde das Schiff von der Reederei "Timbercoast" aufgekauft und wiederaufgebaut, nachdem es jahrzehntelang als Touristenschiff diente, da Frachtsegelboote zu unrentabel geworden waren. Nun soll es als positives Beispiel für sauberen Seetransport gelten und Aufmerksamkeit für die Umweltzerstörung durch Schifffahrtsindustrie schaffen.

Karte mit einer Route von Europa nach Mittelamerika
Die gesamte sechsmonatige Route von "Avontuur" Bildrechte: Peggy Engelmann

Im wichtigen Moment richtig reagieren

Segelmast auf der Avontuur
Für jedes Seil braucht man einen anderen Knoten – diese zu unterscheiden, wird eine der wichtigsten Aufgaben für Peggy in den nächsten Tagen sein. Bildrechte: Peggy Engelmann

Um dabei zu sein, musste Peggy sich mit einem Motivationsschreiben bewerben. Als im September feststand, dass sie dabei sein würde, hat sie in den Abendstunden nach ihrem Job für die Segelschule gelernt. "Ich wollte mich möglichst gut auf die Reise vorbereiten, auch wenn ein Bootsführerschein mit Kapitän an Bord nicht nötig gewesen wäre", so Peggy.

Das Gelernte kommt ihr bereits vor der Reise zu Gute. Denn bevor es am Freitag los geht, muss das Schiff geputzt, beladen und vorbereitet werden. Die Segel müssen gesetzt werden. Jedes Seil muss dabei per Hand in der Öse mit einem anderen Knoten festgebunden werden. "Es ist schon eine Herausforderung, das zu lernen und im wichtigen Augenblick richtig reagieren zu können", so Peggy.

Denn jeder falsche Handgriff kann lebensbedrohlich sein. Auf hoher See ist jeder für acht Stunden eingeteilt und muss auch bei extremen Wetterbedingungen draußen funktionieren. "Ich habe schon Muffensausen, denn ich weiß nicht, wenn es nass und dunkel ist, wie ich dann reagiere. Ob ich das richtige von den unzähligen Seilen greife." All das, versucht sie in den nächsten Tagen zu lernen.

Ehrenamt und Crowdfunding

Eine rothaarige Frau (Peggy Engelmann) mit einem Seemannshelm vor einem Segelschiff.
Peggy Engelmann kurz vor Beginn ihrer Reise Bildrechte: Peggy Engelmann

Die Kosten für die Reise muss Peggy, genau wie jedes andere freiwillige Crewmitglied, selbst aufbringen. 8.800 Euro kostet der Segeltörn. Hinzu kommt die gesamte Ausrüstung, die dafür gebraucht wird: Stiefel, Segelanzug, Schlafsack, Thermounterwäsche und Technik. "Ich stecke meine gesamten Ersparnisse darein", so Peggy. Ihr Arbeitsvertrag sei ohnehin pünktlich zur Reise ausgelaufen. Darüber hinaus startete sie eine Crowdfunding-Kampagne, um alle anfallenden Kosten stemmen zu können. Als Dank werden die Spender mit einem Reiseblog belohnt, den sie je nach Internetempfang befüllen will.

Umweltaktivistin wird Seglerin

Dabei hatte sie vorher noch gar nichts mit dem Segeln am Hut. "Ich hatte mit meinen Eltern mal als Kind eine Katamaran-Fahrt gemacht, schon damals liebte ich die Wellen." Mit dem Naturschutz ist sie schon eher vertraut. Als Naturpädagogin hat sie im Umweltzentrum Franzigmark gearbeitet. Als Umweltaktivistin hat sie auch einen eigenen Podcast und läuft regelmäßig auf Demos mit. Von ihrer Reise wünscht sie sich: "Menschen zu inspirieren, mehr auf die Umwelt zu achten und viele tolle spannende Geschichten erleben, die ich in die Welt tragen kann", so die Jungseglerin.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Januar 2020 | 08:00 Uhr

6 Kommentare

Steffen 1978 vor 36 Wochen

Für mich vergeudete Zeit wenn alle Akteure der Umweltschützer aktiv etwas leisten würden anstatt auf welche Art auch immer Demos etc.zb. Bäume pflanzten oder Müll sammeln sehe es auf der Welt gleich besser aus

Teilnehmer vor 36 Wochen

"Menschen zu inspirieren, mehr auf die Umwelt zu achten und viele tolle spannende Geschichten erleben, die ich in die Welt tragen kann"
Warum will Sie Geschichten in die Welt tragen, die andere erlebt haben? Aber sei es drum.
"Zu zeigen, dass man Dinge über See verfrachten kann, ohne CO2 auszustoßen"
Vor ein paar Jahren hat man Leute belächelt, die in alten Segelschiffen die Weltmeere bereisen, um einmal zu erleben, wie es vor hunderten Jahren war. Heut klatscht man Ihnen zu, weil "Umwelt" und "ohne CO2" drauf steht.
Die Uhr zu solchen Segelschiffen zurückdrehen macht wenig Sinn...modernen Konzepten wie "Vindskip" sollte die Aufmerksamkeit gebühren...auch in solchen Artikeln. Lieber MDR, nehmt doch mal Bezug auf z.B. solche Konzepte und Themen.
Das wäre sicher auch für den Leser sehr interessant.

Jan vor 36 Wochen

Viel Glück und Erfolg für das Projekt!
Ich finde es gut, dass sie die Möglichkeit hat und nutzen kann.
Leider gibt es Menschen, die Frau Engelmann für ihr Tun verurteilen und beleidigen, obwohl Sie ihnen nun überhaupt nichts antut. Aber so ist leider die Gesellschaft geworden - wenn jemand was macht, was in das Schema eines anderen nicht reinpasst - so wird dieser abgestempelt.

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