Halloren-Kugeln im Werksverkauf
Die Halloren Schokoladenfabrik, bekannt für ihre Halloren Kugeln, bekommt einen neuen Chef. Bildrechte: MDR/Johannes Schiller

Schokoladenfabrik in Halle Neuer Chef setzt auf Halloren Kugeln

Die Halloren Schokoladenfabrik in Halle wechselt die komplette Führungsmannschaft aus. Der Sanierungsexperte Ralf Coenen wird das Unternehmen künftig führen. Halloren macht seit einiger Zeit Verluste. Coenen will sich wieder auf die bekannte Halloren Kugel fokussieren.

Halloren-Kugeln im Werksverkauf
Die Halloren Schokoladenfabrik, bekannt für ihre Halloren Kugeln, bekommt einen neuen Chef. Bildrechte: MDR/Johannes Schiller

Die Halloren Schokoladenfabrik will sich neu ausrichten – deshalb holt sie einen Sanierungsexperten ins Unternehmen. Der 56-jährige Ralf Coenen soll ab Mai alleiniger Vorstand werden. Das bestätigte Coenen am Donnerstag MDR SACHSEN-ANHALT. Er wolle den Standort von Halloren in Halle wieder auf das Hauptprodukt Halloren Kugel fokussieren. Coenen sagte: "Halloren und die Halloren Kugel sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Region Halle sowie ihrer Bürger. Deshalb müssen wir uns in Zukunft wieder stärker auf diese Wurzeln besinnen."

Der bisherige Vorstandschef Klaus Lellé muss gehen, auch zwei weitere Vorstandsmitglieder verlassen die Unternehmensspitze, wie am Mittwoch bekannt wurde. Der künftige Chef Coenen arbeitet laut der für die Pressearbeit von Halloren zuständigen Agentur bereits jetzt im Vorstand. In wenigen Tagen wird er allein übernehmen.

Halloren
Die Halloren Schokoladenfabrik hat ihren Sitz im Osten von Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die älteste Schokoladenfabrik Deutschlands machte seit 2015 millionenschwere Verluste. Vor zwei Jahren hatte sich die Firma deshalb schon von der Börse zurückgezogen. Anfang 2017 verkaufte Halloren seine Tochterunternehmen Steenland, Bouchard und die Delitzscher Schokoladenfabrik, um Kredite zurückzuzahlen. Ein Großaktionär hatte außerdem im vergangenen Sommer alle Anteile an einen zweiten Großaktionär verkauft.

Die Halloren Schokoladenfabrik Halloren wurde 1804 gegründet und ging etwa 100 Jahre später zum ersten Mal an die Börse. 1952 wurde Halloren zum Volkseigenen Betrieb. Nach der Wende übernahm Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski die Schokoladenfabrik von der Treuhand. 2007 wurde das Unternehmen erneut zur Aktiengesellschaft umgewandelt und ging an die Börse. Halloren hat heute mehr als 700 Mitarbeiter und hatte zu Hochzeiten einen Umsatz von mehr als 120 Millionen Euro.

Bisheriger Chef "emotional angegriffen"

Der Druck der Aktionäre wurde nun offenbar zu groß. Der neue Mann an der Spitze soll Halloren sanieren. Der bisherige Halloren-Chef Klaus Lellé wird aber wohl weiter mit Halloren zusammenarbeiten. Er hatte die Schokoladenfabrik seit den 1990er Jahren geführt. MDR SACHSEN-ANHALT erreichte Lellé am Donnerstag per Telefon im Urlaub auf Sizilien. Er sei emotional von den Presseveröffentlichungen angegriffen und könne momentan kein Interview geben. Er bestätigte aber, dass er weiter für das Unternehmen aktiv sein wird. Mit einer eigenen Firma werde er in Zukunft den Vertrieb von Halloren und der ehemaligen Tochterfirmen Bouchard und Delitzscher unterstützen.

Jörg Most von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten gibt in seinem Büro ein Interview.
Jörg Most von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten für die Region Leipzig, Halle und Dessau äußerte sich "skeptisch und erschrocken" zum Wechsel im Vorstand. Er hatte davon am Donnerstagmorgen im Autoradio erfahren. "Natürlich überlegt man, was passiert da mit dem Betrieb", sagte Jörg Most MDR SACHSEN-ANHALT. Natürlich könne der Wechsel auch eine Chance sein. "Wir müssen nur schauen, was steht da für ein Konzept dahinter. Das ist das Entscheidende", so Most.

Schon vor einem halben Jahr hatte sich Finanzexperte Martin Weimann von der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger über die Verluste bei Halloren geäußert. Er sah sie als Folge unterschiedlicher Interessen der Unternehmensführung. Halloren sei von einem Unternehmer geprägt gewesen, der Halloren von der Treuhand übernommen, saniert und zum Erfolg geführt hatte. Die neuen Hauptaktionäre, ehemalige Banker, hätten eine andere Denkweise als ein klassischer Unternehmer, sagte Weimann MDR SACHSEN-ANHALT damals. Das passe nicht zueinander.

Wer ist Ralf Coenen, der neue Halloren-Vorstand? Der 1961 geborene Coenen hat 1989 einen Abschluss als Physiker an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gemacht und schloss einen Master of Business Administration an. Er arbeitete für die Unternehmensberatung McKinsey, bei Carl Zeiss, oder auch Leica. Seit knapp zehn Jahren ist er Partner einer AG mit dem Namen "taskforce", die für befristete Zeit Führungskräfte vermittelt. Laut deren Homepage hat Coenen mehr als 20 Jahre Erfahrung als Unternehmensberater und führt Firmen "in Phasen der Restrukturierung oder Neuausrichtung". Zu seinen Branchen gehörte die Lebensmittelindustrie aber bislang nicht.

Über den Führungswechsel bei Halloren hatte am Donnerstag zuerst die Mitteldeutsche Zeitung berichtet.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Studio Halle | 26. April 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2018, 17:54 Uhr

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3 Kommentare

26.04.2018 17:20 Martin 3

In jede tausendste Packung eine goldene rein und der Absatz steigt.

26.04.2018 12:47 Eunuchengewerbe 2

Ein MaCie also soll es richten.

Solche Leute haben für gewöhnlich nur schlaue Sprüche und nichts dahinter.

26.04.2018 11:54 Frank der Baugutachter 1

Nach meinen Kenntnisstand wurde Halloren in den 90-er Jahren von den Banken keine Kredite gewährt. So half man sich zu dieser Zeit selbst. Man konnte als Privatperson so eine Art Anteilbriefe zu 1.000 DM kaufen. Es gab gute Zinsen pro Jahr. Durch diese Aktion wurde die Firma wieder marktfähig und gesund.
Nun hat das Unternehmen wieder Probleme?