Heinrich-Heine-Schule Vorbereitung und Optimismus: Warum das Homeschooling einer halleschen Schule so gut funktioniert

Die Schulen im Land sind dicht. Der Distanzunterricht funktioniert mal schlechter – und mal besser. So wie in Halle, wo eine Direktorin die Ärmel hochkrempelt und mit ihrer optimistischen Art alle ansteckt.

Heinrich-Heine-Schule Halle
An der Heinrich-Heine-Schule in Halle funktioniert der Distanzunterricht besser als an manch anderen Schulen. Bildrechte: MDR/ Kathrin Köcher

Ein Gong ertönt, die Lautsprecher knarzen, dann hallt eine Ansage über die völlig verwaisten Schulflure der Gemeinschaftsschule Heinrich-Heine an der Eselsmühle in Halle-Neustadt: "Sollte es doch noch einen verstrahlten Schüler geben oder einen Lehrer, der seine Klasse sucht? Wegen Corona fällt die Schule heute aus", haucht Direktorin Mandy Rauchfuß stewardessen-like über die Anlage. Sie kichert. Ein Gag. Sind ja gar keine Schüler da. Und auch kaum Lehrerinnen und Lehrer. 

Wer Böses denkt, könnte sich fragen, ob die Frau zu viel Freizeit hat. Doch das Gegenteil sei der Fall, beteuert Mandy Rauchfuß. Seit der erneuten Schulschließung Mitte Dezember gebe es mehr zu tun als sonst, erzählt sie. Die Lehrkräfte würden sogar an Wochenenden und in den Ferien arbeiten, um alle fit zu machen fürs Homeschooling. 

Schule organisiert 120 Laptops

Das fange bei der Technik an. Schon vor der Schließung habe die Schule bei Eltern und den 800 Kindern abgefragt, wer zuhause über Computer, Tablets und WLAN verfügt. Wer nichts hatte, wurde ausgestattet. Knapp 120 Laptops und fünf Handys habe die Schule über Fördergelder organisiert.

Die nächste Hürde: Moodle, die Lernplattform des Landes Sachsen-Anhalt, überzeugte nicht durch Stabilität. Ein Kollege, so erzählt Mandy Rauchfuß, sei daher auf die Idee gekommen, die Besprechungs-Software von Microsoft zu nutzen. Doch auch das kostete Geld. Wieder mussten Fördertöpfe angezapft werden. Doch seit Anfang November laufe es, erklärt Rauchfuß. Dank der Software können Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler autark arbeiten, auf extra Apps zugreifen, sich schnell und unkompliziert austauschen, Aufgaben und Ergebnisse teilen.

Eine dunkelhaarige Frau sitzt in einem Büro.
Vorbereitung, Optimismus und gegenseitiges Vertrauen – all das hilft laut Schulleiterin Mandy Rauchfuß, die derzeitige Situation zu bewältigen. Bildrechte: MDR/ Kathrin Köcher

Einzelarbeit und Videounterricht

Den Unterricht an der Heine-Schule stellte die Rektorin auf eine Mischform um: Einzelarbeit und Videounterricht. Täglich hätten die Kinder und Jugendlichen Termine. Die Lehrerinnen und Lehrer stünden dabei teilweise im Klassenzimmer an der Tafel vor der Kamera. Zuhause am Bildschirm können die Klassen mitmachen, -diskutieren und Fragen stellen. Fast wie in der Präsenzvariante, meint Rauchfuß lachend.

Naja, fast. Manches sei eben doch noch gewöhnungsbedürftig. Zwei Schülerinnen hätten ihr zum Beispiel kürzlich Screenshots aus einer Geschichtsstunde geschickt. Die beiden Mädchen fügten hinzu: "Bitte nicht auf Facebook veröffentlichen. Wir sind nicht geschminkt. Geht gar nicht."

Gutes Zusammenspiel von Lehrkräften, Kindern und Eltern

Nicht immer in den vergangenen Wochen sei alles nur toll gewesen, erinnert sich Mandy Rauchfuß. Was fehle, das sei Zuverlässigkeit, um planen zu können. Kommunikation sei das Zauberwort – und die funktioniere. Lehrende und Lernende hätten ein gutes Verhältnis. Und auch die Eltern seien ein wichtiger Faktor. Die müssten unbedingt mit eingebunden werden – von Anfang an.

Als es im Dezember hieß: Die Schulen bleiben dicht, sei keine Hektik oder Panik aufgekommen. Jeder habe gewusst, was zu tun sei. Als die Kinder noch in die Schule konnten, hätten sich alle mit der Technik vertraut gemacht und die Software studiert, berichtet die Rektorin.

Gegenseitiges Vertrauen als Basis

Erfahrung schult eben. Noch im ersten Lockdown hatte die Lehrerin Andrea Wunderlich Panik. Wie soll sie den Kontakt zu den Kindern halten? Wie Aufgaben übermitteln? Und woher weiß sie, wer wirklich klarkommt oder sich nicht traut, nachzufragen.

Das sei jetzt ganz anders. Zwar laufe noch nicht alles perfekt, aber inzwischen richtig gut. In einer ihrer Klassen ist ein Schüler, der große Lust auf Technik hat. Und so ist es auch schon passiert, dass sie noch überlegte, wo jetzt geklickt werden muss und der Schüler aushelfen konnte. Das gehe nur, wenn man schon in den Jahren vorher eine vertrauensvolle Basis geschaffen habe.

Auffallend ist: An der Heinrich-Heine-Schule scheinen tatsächlich alle gut miteinander zu können. Unentwegt wird irgendwo gekichert, sich freundlich etwas hinterhergerufen. Selbst die Sekretärin schlägt am Telefon humorige Töne an. Galgenhumor? "Nö!", sagt Direktorin Mandy Rauchfuß. Man wolle hier nix weglachen. Das sei alles schon ein Problem. "Aber damit müssen wir leben und dann sehen wir es halt von der leichten Seite. Das ist so schon kompliziert genug."

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Corona ist Neu(stadt) – eine hallesche Schulklasse zwischen Ausbruch und Abiprüfungen

Zeichnung des Christian-Wolff-Gymnasiums in Halle auf einer Schultafel.
"Corona ist Neu(stadt) - eine hallesche Schulklasse zwischen Ausbruch und Abiprüfungen" – zu finden bei MDR, apple, spotify, und fast überall wo es Podcasts gibt. Bildrechte: MDR/ Schörm
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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Januar 2021 | 13:10 Uhr

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