#miteinanderstark Homeschooling: Lehren und Lernen während der Corona-Kontaktsperre

Paula Kautz
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

In Zeiten von Corona werden auch Kinder zu Krisenmanagern. Seit Wochen werden sie zu Hause unterrichtet oder müssen sich den Lernstoff selbstständig aneignen. Hinzu kommt der fehlende Kontakt zu den Mitschülern. Ein Erfahrungsbericht von einer Schülerin und einem Lehrer aus Halle.

Junge Frau steht vor Mauer mit Zaun
Die 17-jährige Alina Ludwig aus Halle versucht derzeit Schule zu Hause und die getrennte Familie unter einen Hut zu bekommen. Bildrechte: MDR/Paula Kautz

Wenn Alina Ludwig aus Halle morgens aufsteht, ist alles anders als sonst: Die 17-Jährige muss nicht pünktlich zum Unterricht ins Thomas-Müntzer-Gymnasium gehen, sie trifft nicht ihre Mitschülerinnern und Mitschüler und sie muss nicht im Klassenraum sitzen. Selbstständiges Lernen steht nun auf der Tagesordnung. Den Lernstoff kann sich Alina von der Schulwebseite downloaden. Manche Lehrer benutzen auch Lernplattformen wie Moodle. Alina hat sich einen Plan gemacht: Montags sind zum Beispiel Englisch und Mathe dran. Aber gerade die Naturwissenschaften, wie zum Beispiel Physik, bereiten ihr Probleme. Hinzu kommt, dass ihr der Kontakt zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern fehlt. Das Homeschooling findet sie bislang noch okay.

Physik ist nicht so mein Lieblingsfach und da ist es echt schwierig, sich das alles selbst beizubringen.

Schülerin Alina Ludwig

Lehrer Felix Kubitz hat unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Der 31-Jährige lehrt am Hans-Dietrich-Genscher-Gymnasium Geschichte, Sozialkunde und Ethik. Zum einen, sagt er, hat er zu Schülerinnen und Schülern einen regen Kontaktaustausch, bekommt gelöste Aufgaben per Mail zurückgeschickt. Zum anderen gibt es aber auch diejenigen, von denen bislang entweder kaum oder gar kein Feedback kam.

Lehrer sorgt sich um benachteiligte Kinder

Nach Einschätzung von Felix Kubitz kommen die Zwölftklässler mit dem Zuhause-Lernen besser klar als die fünften Klassen. Er hat Sorge, dass manche Schülerinnern und Schüler mit dem Lernstoff nicht hinterherkommen – gerade, wenn beide Eltern arbeiten gehen müssen oder die Kinder aus bildungsfernen Schichten kommen:

Das fängt bei technischen Voraussetzungen an: Steht dem Schüler ein Laptop oder ein Drucker zur Verfügung. Oder muss er sich die Aufgaben auf dem Smartphone seiner Eltern anschauen.

Lehrer Felix Kubitz

In solchen Fällen sieht er die Gefahr, dass Kinder, die von vornherein benachteiligt sind, noch stärker benachteiligt werden. Deshalb hofft der Lehrer, dass die Schule nicht noch mehrere Monate lang geschlossen bleibt.

Junger Mann steht vor Graffiti-Wand
Lehrer Felix Kubitz hofft auf eine baldige Wiederöffnung der Schulen. Bildrechte: MDR/Paula Kautz

Bessere Zeiteinteilung möglich

Sein Arbeitsalltag, sagt Kubitz, ist durch die Zeit zu Hause zwar einsamer, aber auch weniger stressig geworden. Während er zu normalen Schulzeiten nach einem Acht-Stunden Tag noch zu Hause den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiten muss, kann er sich die Zeit jetzt besser einteilen. Manchmal fällt es auch ihm schwer, sich an den Schreibtisch zu setzen. Kubitz sagt lachend: "Zu Hause lauern viele Ablenkungen. Meine Wohnung ist tatsächlich so sauber wie schon lange nicht mehr". Da gehe es ihm nicht anders als seiner Klasse.

Kinder als Krisenmanager

Auch Schülerin Alina Ludwig hat Tage, an denen sie mal mehr und mal weniger gut lernt. Hinzu kommt, dass die Corona-Krise ihre Wohnsituation vor eine Herausforderung stellt: Ihre Eltern leben getrennt. Sie wohnt bei der Mutter, ihr kleiner Bruder beim Vater. Weil der Siebenjährige derzeit auch nicht zur Schule gehen kann, passt Alina mehrmals in der Woche auf ihn auf. Doch ihr Vater hat Vorerkrankungen und gehört zur Risikogruppe. Und ihren Freund will die 17-Jährige auch sehen. Um nicht zwischen drei Familien hin- und herzupendeln, ist Alina vorübergehend zu ihrem Freund gezogen.

Doch das bedeutet, keinen engen Kontakt mehr zu ihrer Mutter zu haben. Alina sagt: "Das hat mich am Anfang sehr traurig gemacht, als mir meine Mutti meine Sachen gebracht hat. Ich wollte sie eigentlich drücken, aber das ging ja nicht und das ist schon schwierig in dieser Situation." Auch ihre Oma hat sie nicht gesehen, als sie Geburtstag hatte und konnte ihr nur per Telefon gratulieren. Trotzdem schaut die 17-Jährige positiv in die Zukunft. Wenn die Krise vorbei ist, freut sie sich darauf, endlich mal wieder mit Freunden ins Kino zu gehen.

Paula Kautz
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Paula Kautz arbeitet seit Sommer 2018 bei MDR SACHSEN-ANHALT für den Hörfunk. Hauptsächlich ist sie in der Nachrichten-Redaktion und auch für das Regionalstudio in Halle tätig. Bevor die gebürtige Hallenserin zum MDR kam, machte sie Abstecher nach Barcelona und das Allgäu. Während ihres Journalistik-Studiums an der Universität Leipzig arbeitete sie für das Lokalradio mephisto 97.6 und absolvierte unter anderem Praktika bei der Deutschen Presseagentur und dem MDR. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist das Bodetal im Harz.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. April 2020 | 13:40 Uhr

1 Kommentar

GEWY vor 33 Wochen

Podcast, Homeoffice, Homeschooling, downloaden, okay, Feedback usw. usw. Lernen und Leben wir noch in Deutschland?

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